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Ganz im Sinne von Ferdinand Porsche 911 GTS - noch stärker für die Kehre

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Egal, ob man sich für den Porsche 911 GTS als Coupé, Targa oder wie hier als Cabrio entscheidet, man bekommt ein bis in die letzte Faser sportliches Auto.

(Foto: Rossen Gargolov)

Mit dem GTS erweitert Porsche die 991er-Reihe um weitere fünf Modellvarianten. Eines eint Coupé, Targa und Cabrio aber: die maximal sportliche Auslegung. Und dabei ist es fast schon egal, in welcher die Kurve zum Erlebnis wird.

Seit 1963 steht das Kürzel GTS bei Porsche für Fahrzeuge, die ein besonders emotionales und sportliches Fahrerlebnis bei den Fahrern erzeugen sollen. Oder anders gesagt: Als Ferdinand Alexander Porsche den 904 Carrera GTS in die Spur brachte, tat er das mit dem Satz: "Jeder Porsche ist renntauglich". Doch während damals lediglich 106 Exemplare von dem Straßensportler produziert wurden, ist die neueste Ausgabe des Porsche 911 GTS, basierend auf dem 992, natürlich für den Massenmarkt gemacht. Na ja, bei einem Einstiegspreis für den Carrera S mit Heckantrieb von 140.981 Euro schränkt sich der Markt dann doch wieder etwas ein.

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Mit neuen Farben will Porsche bei den 911 GTS-Modellen Akzente setzen.

(Foto: Juergen Tap)

Und noch was: Die Motorisierung für Coupé, Cabrio und Targa ist natürlich mit Blick auf die heute immer mehr hofierte E-Mobility-Kundschaft ein wahrer Affront. Der Mittelmotorsportler wird nämlich von einem nach wie vor traumhaft leistungsstarken Sechszylinder-Boxermotor mit 480 PS befeuert. Das sind 30 PS mehr als beim aktuelle 911 Carrera S oder beim vorherigen 911 GTS. Die Kraft von maximal 570 Newtonmetern Drehmoment wird entweder über das bekannte Achtgang-Porsche-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) oder eine manuelle Siebengangschaltung an die Hinterachse oder eben an alle vier Räder weitergereicht.

Manuell über sieben Stufen?

Das manuelle Getriebe wurde ob der siebten Schaltstufe von vielen gescholten. Im Eigenversuch lässt sich die Kritik nicht nachvollziehen. Zum einen wurde der Ganghebel um weitere zehn Millimeter gekürzt, was heißt, dass noch knackiger aus dem Handgelenk geschaltet werden kann, als man es ohnehin von einem Stuttgarter Straßenboliden gewohnt ist. Zum anderen ist das Spiel mit der zusätzlichen Gasse und der siebten Schaltstufe nach kurzer Eingewöhnungszeit eine feine Spritsparhilfe. Denn ja, so ein GTS, gefahren, wie es sich für einen Sportwagen geziemt, zieht schon einiges an Sprit durch die Schläuche. Für alle Datensammler: Es sind Zahlen, die sich im zweistelligen Bereich bewegen. Da man so einen GTS aber auch im Alltagsbetrieb bewegen kann, macht es sich eben bezahlt, wenn man auf Autobahn oder Landstraße in die Langlaufübersetzung, also Stufe sieben schalten kann.

Okay, der 911 GTS ist, egal in welcher seiner fünf Ausführungen, kein Leisetreter. Die Abgasanlage feuert nämlich ab Fahrmodus Sport richtig manierliche Salven aus den armdicken Endrohren. Ein Konzert, dessen Partituren in Zuffenhausen komponiert wurden, wobei der Fahrer des GTS hier nicht nur zum Dirigenten wird, sondern auch durch den Entfall eines Teils der Interieur-Dämmung das Klangerlebnis noch purer ins Ohr geblasen bekommt. Damit der Dirigent in schnell gefahrenen Kurven nicht seinen Taktstock verliert, hat der Bolide serienmäßig das Active Suspension Management (PASM) an Bord. Damit reagieren die Dämpfer blitzschnell auf dynamische Veränderungen. Beim Coupé und beim Cabriolet ist das PASM dann auch serienmäßig mit dem Sportfahrwerk und einer Tieferlegung von zehn Millimetern verbunden.

Bodenhaftung dank "Helper-Federn"

Für die Insassen heißt Letztgenanntes aber auch, dass der 911 GTS bei tiefliegenden Gullydeckeln oder Querfugen im Asphalt keinen Zweifel daran lässt, dass er ein Sportwagen ist. Klare Rückmeldungen an den Fahrer sind hier also gewünscht, ohne ihm aber das Gefühl eines folgenden Bandscheibenschadens zu geben. An der Hinterachse hat der GTS von den Turbo-Modellen das Konzept der "Helper-Federn" geerbt. Heißt nichts anderes, als dass die Hauptfedern bei allen Fahrzuständen unter Spannung sind. Der Ausfederweg bleibt also immer erhalten. Beim 911 Targa 4 GTS ist dann auch gleich das identische Fahrwerk des 911 Targa 4S verbaut worden, was ohnehin mehr Auslegung auf Dynamik bedeutet.

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Schwarze Akzente dominieren den Innenraum eines jeden Porsche 911 GTS.

(Foto: Juergen Tap)

Will man jetzt erleben, was diese Auslegungen fahrtechnisch möglich machen, geht man am besten auf eine Rennstrecke, wie sie das Porsche Experience Center Franciacorta in Italien bietet. Die Hauptstrecke ist 2,5 Kilometer lang, von der FIA als Rennstrecke zugelassen und bietet neben Schikanen und Haarnadelkurve bis zur engen Rechts-Links-Kombination so ziemlich alles. Das ist dann aber schon die Erfahrung im Grenzbereich. Wer die sportliche Attitüde lieber in freier Wildbahn genießen will, sucht die Bergstraßen nordwestlich von Verona abseits der Autobahnen und wird dort erleben, dass man Serpentinen so nur mit einem Porsche fahren kann.

Es gibt wohl kaum einen Sportwagen, den man so hart anbremsen, so präzise einlenken und mit solcher Zielgenauigkeit durch eine Spitzkehre pfeilen kann. Dabei macht die Stabilität des 911 GTS Geschwindigkeiten möglich, die dem Fahrer nicht nur ein Dauergrinsen ins Gesicht zaubern, sondern ihn auch immer wieder staunen lassen. Apropos Geschwindigkeiten. Je nach Modell beschleunigt der GTS in knapp über drei Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird in jedem Fall über 300 km/h schnell.

Hervorragende Traktion

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Fahrtechnisch bewegt sich der Porsche 911 GTS in einer eigenen Liga.

(Foto: Rossen Gargolov)

Einmal mehr macht sich das Gesamtpaket aus extrem potentem Triebwerk, Fahrwerk, Lenkung und Hochleistungsbremsen mit beeindruckender Verzögerung auf der Rennstrecke bezahlt. Letztgenannte hat der GTS übrigens vom 911 Turbo geerbt. Vom Turbo S hingegen stammen die 20-Zöller an der Front und die 21er am Heck, beide mit Zentralverschluss. Bei trockener Strecke ist es dann auch völlig egal, ob man sich für den Heckantrieb oder die Allradvariante beim GTS entschieden hat, denn die Traktion ist so hervorragend, dass hier kaum ein Unterschied zu spüren ist, was natürlich auch mit der serienmäßig verbauten Hinterachslenkung zu tun hat. Klar, sobald der Asphalt nass ist, macht sich der Unterschied dann schon bemerkbar. Der Grip, der dann zusätzlich über die Front aufgebaut wird, gibt nicht nur Sicherheit, er stabilisiert den Wagen auch in Extremsituationen.

Wer aus sportlicher Sicht beim GTS noch einen draufsetzen will, kann in der Optionsliste das Leichtbau-Paket ordern. Damit verliert der Bolide noch einmal 25 Kilogramm, der Fahrer platziert sich in Vollschalensitzen aus kohlefaserstoffverstärktem Kunststoff und Leichtbauglas an Front-, Tür- und Heckscheiben sowie eine Leichtbaubatterie sorgen für den Gewichtsverlust. Zudem fliegt die Rücksitzanlage raus und ein zusätzlicher aerodynamischer Feinschliff sorgt für verringerten Auftrieb an der Front und der adaptive Heckspoiler für einen entsprechenden Anpressdruck am Heck. Aber echt jetzt? Wer seinen Porsche so aufrüstet, der muss auf den Track, denn ein gerüttelt Maß an Alltagstauglichkeit geht hier schon flöten.

Fein eingesessen

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Die Vollschalensitze aus kohlefaserstoffverstärktem Kunststoff sind eine Option für den 911 GTS.

(Foto: Rossen Gargolov)

Erhalten bleibt die aber, wenn man sich hier für die serienmäßigen Sportsitze Plus mit elektrischer Vier-Wege-Verstellung entscheidet. Die geben ausreichend Seitenhalt bei der Kurvenhatz und sind zudem ausreichend bequem, so dass hier auch längere Strecken zurückgelegt werden können. Unabhängig davon unterscheidet sich so ein GTS von den anderen 911-Modellen auch noch durch zahlreiche "Race-Tex"-Einlagen. Die finden sich zum Beispiel an den Mittelbahnen der Sitze, am Lenkradkranz, an den Griffen und Armauflagen der Türverkleidungen, am Deckel des Ablagefaches oder am Schalthebel.

Und noch was: Die Bedienung des Zentraldisplays wurde wesentlich vereinfacht. So wurden zum Beispiel die Touch-Bereiche im Media-Menü vergrößert und es gibt neue Möglichkeiten, die Kacheln auf dem Homescreen umzusortieren. Der Sprachassistent reagiert jetzt auf die Anrede "Hey Porsche" und neben den Apple-Nutzern sind jetzt auch Smartphone-Besitzer mit Android-Betriebssystem im GTS voll vernetzt. Gilt es eigentlich nur noch die 141.000 Euro aufzubringen, um sich so ein Spaßgerät aus Zuffenhausen in die Garage zu stellen.

Quelle: ntv.de

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