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Zwischen Evoque und Sport Range Rover Velar - Sitzen im Verborgenen

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Ohne größere Sicken fährt der neue Range Rover Velar vor und reiht sich zwischen Evoque und Sport ein.

Der Blick in die Designstudios der Autobauer ist immer auch ein Blick ins Verborgene. Beim neuen Range Rover Velar ist das sogar Programm. Und daher verstecken sich in ihm einige Finessen, die so noch kein anderes Auto hat.

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Kurze Überhänge vorn und etwas längere am Heck strecken den Range Rover Velar.

Als die Einladung in das Allerheiligste, das Designzentrum von Jaguar Land Rover nach Whitley, Coventry erfolgte, lag der Gedanke nah, dass die Briten im Vorfeld des Genfer Autosalons den neuen Defender präsentieren könnten. Schließlich wurde der Abgang der Legende von vielen beweint. Doch dann kam es anders. Geschichte hatte das, was dann in Whitley gezeigt wurde, dennoch. Velar heißt der neue Range Rover, der sich mit einem Radstand von 2,87 Metern zwischen dem Evoque und dem Range Rover Sport einreiht. Bereits Ende der 1960er-Jahre gab es bei Range Rover den Namen Velar. Seinerzeit versteckten sich dahinter 26 Vorserienmodelle, die auf den Namen getauft wurden, der sich vom lateinischen Wort "velare" (verbergen) ableitet. Verbergen will Range Rover heute mit seinem neuen Modell nichts mehr.

Optisch ist der Range Rover Velar, der mit einem Preis von 56.400 Euro einsteigen wird, die konsequente Fortsetzung der Designsprache von Gerry McGovern. Wie bereits beim Evoque und konsequenter als beim Range Rover Sport hat der Designchef überflüssige Sicken aus dem Blechkleid gebügelt. Dieser Eindruck wird zusätzlich durch die bündig versenkbaren Türgriffe verstärkt. Nach der Entriegelung fahren sie blitzschnell aus. Wird der Velar verschlossen oder bei einer Geschwindigkeit oberhalb von 8 km/h bewegt, ziehen sie sich bündig ins Blech zurück.

Dynamik mit Vorschub

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Das scheinbar schwebende Dach ist eine Eigenart der neuen Range-Rover-Generationen, so auch des Velar.

Um der Dynamik weiteren Vorschub zu leisten, haben die Designer den Überhang an der Front sehr kurz gehalten, am Heck hingegen verlängert, so dass der Velar in der Seitenansicht entsprechend gestreckt wird. Serienmäßig rollt der neue Range Rover auf 18-Zoll-Rädern. Wer will, kann hier bis zu 22 Zoll große Walzen aufziehen lassen. Allerdings dürfte sich bei derart wuchtigen Rädern das Luftfahrwerk empfehlen. In Serie gibt es diese Federung aber nur für die zwei V6-Triebwerke: für den Diesel, der als D300 in der Nomenklatur geführt wird, 300 PS leistet und 700 Newtonmeter maximales Drehmoment bereitstellt sowie für den Benziner P380 mit 380 PS und 450 Newtonmetern. Die Kraftverteilung erfolgt bei allen Motorisierungen über eine Achtstufenautomatik von ZF.

Zum Marktstart wird der Velar zunächst als P250 angeboten. Der Benziner leistet 250 PS und schickt 365 Newtonmeter an beide Achsen. Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 soll in 6,7 Sekunden abgeschlossen sein. Den Verbrauch weist Range Rover mit 7,6 Litern im Schnitt aus. Neben dem 250 PS starken Vierzylinder gibt es perspektivisch noch einen kleinen Bruder mit 180 PS und einen Diesel mit 240 PS. Die drei Vierzylinder werden in der Grundausstattung im Übrigen nur mit Stahlfedern angeboten.

Mit schwebendem Dach in den Offroad-Parcours

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Tief im Stoßfänger sind im Velar die Endrohrverblendungen eingelassen.

Typisch für den Velar ist das scheinbar schwebende Dach, das neben einer Sonderlackierung in Schwarz auch die Option für ein fast flächenfüllendes Panoramadach bietet. Um der Front eine SUV-typische Wucht zu geben, haben die Designer den Kühlergrill prominent vergrößert, die LED-Scheinwerfer hingegen sehr schmal gehalten. Hinzu kommen markante Lufteinlässe in den Stoßfängern und ein angedeuteter Unterfahrschutz. Am Heck sorgt eine ausgeprägte Falz für Struktur, während die verchromten Endrohre tief im Stoßfänger integriert wurden. Optisch ist der Velar wie alle Range-Rover-Modelle das blechgewordene Offroad-Versprechen mit einem entsprechenden Hauch Eleganz.

Dafür sprechen auch die Spezifikationen der Karosserie, die dem Datenblatt zu entnehmen sind: Der vordere Böschungswinkel beträgt 28,89 Grad, während der hintere 29,5 Grad hat. Der Rampenwinkel liegt bei 23,5 Grad und die maximale Wattiefe beträgt bei Fahrzeugen mit Stahlfedern 60 Zentimeter, bei denen mit Luftfederung sind es 65 Zentimeter. Auch die Bodenfreiheit, die je nach Federung von 21,3 Zentimetern bis 25,1 Zentimetern reicht, unterstreicht den möglichen Lauf durchs Grobe.

Display statt Schalter

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Der Autor auf der Suche nach den Becherhaltern und bei dem Versuch, dem möglichen Fahrgefühl auf die Spur zu kommen.

Bei der ersten Sitzprobe wird noch etwas anderes deutlich: Der Velar will mit einigen, im Augenblick einzigartigen technischen Finessen überzeugen. Prominent im Mittelpunkt des Instrumententrägers stehen zwei hochauflösende 10,2-Zoll-HD-Touchscreens. Sie bilden das Zentrum des neuen Infotainmentsystems Touch Pro Duo, hinter dem sich ein Intel-Quad-Core-Prozessor, ein ultraschneller Solid-State-Speicher mit 60 GB Kapazität und ein Ethernet-Netzwerk verbergen. Die besonders dünnen kapazitiven Polycarbonat-Displays nehmen mit ihrer leichten Wölbung die Formgebung der Instrumententafel auf und ersetzen die ansonsten an dieser Stelle untergebrachten konventionellen Schalter. Lediglich zwei konfigurierbare Multifunktions-Drehregler mit Digitalanzeige zum Beispiel zur Steuerung von Lüftung, Klimaanlage oder der Terrain Response-Modi und ein Hauptschalter erheben sich direkt aus dem Screen. Das sieht nicht nur stylisch aus, sondern schafft auch Platz.

Schon Standard bei Jaguar-Land-Rover-Modellen ist der Getriebe-Drehschalter in der Mittelkonsole, der beim Einschalten der Zündung lautlos ausfährt. Im Blickfeld des Fahrers liefern zwei Analoganzeigen die gewohnten Informationen über Tempo und Drehzahlen, während ein 5-Zoll-TFT dazwischen über Verbrauch, Radiosender oder Fahrmodi informiert. In den höheren Ausstattungslinien ersetzt ein interaktives 12,3-Zoll-Display die Analoginstrumente. Hinzu kommt, dass das Lenkrad des Velar mit kapazitiven Schaltern versehen wurde. Auch hier verzichten die Briten auf die konventionellen Knöpfe und Drehregler. Vorteil: Der Pilot kann die Belegung der Schalter nach seinem eigenen Gusto programmieren.

Auf alten Flaschen in Abrahams Schoß

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Dapple Grey heißt die neue Velourfaser aus recycelten PET-Flaschen, die als Sitzbezüge im Velar dient.

Interessant ist auch, worauf die Passagiere sich im Velar betten. Zum einen bietet Range Rover natürlich Textilbezüge und weiches Windsor-Leder. Zum anderen überraschen die Briten mit einer Textilmischung, die sich da Dapple Grey nennt und in Zusammenarbeit mit Kayadrat entwickelt wurde. Der Hit: Die hier benutzten Velourfasern sind ein Recyclingprodukt, das aus alten Plastikflaschen gewonnen und zu einem angenehm weichen Vliesmaterial verarbeitet wurde. Dank einer speziellen Beschichtung sollen die Bezüge sehr leicht zu reinigen und ausgesprochen strapazierfähig sein. Allerdings muss sich der Ökofreund bei dieser Sitzbespannung darüber im Klaren sein, dass sie teurer ist als das feinste Nappa. Am Ende des Tages ist das Gewissen bei den Recyclingbezügen natürlich rein.

Neben technischen Innovationen setzt die Marke immer mehr auf Flexibilität und Vielseitigkeit, wie sie bereits im neuen Discovery unter Beweis gestellt hat. Dazu gehören unter anderen Feature wie die geteilte Mittelarmlehne, die für Fahrer und Beifahrer individuell eingestellt werden kann. Unter der Ablage befindet sich auch der Getränkehalter, den der Autor bei der ersten Sitzprobe bereits schmerzlich vermissen wollte. Auch der Cupholder für den Copiloten ist nicht auf den ersten Blick zu sehen. Er versteckt sich unter der Abdeckung neben dem Getriebe-Wählschalter.

Strom an allen Plätzen

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So viele Touchscreens wie im Range Rover Velar hat bis dato kein anderer Hersteller in einem Auto verbaut.

Erwähnenswert ist auch die Stromversorgung für mobile Endgeräte. Allein die erste Reihe kann auf zwei USB-Buchsen und drei 12-Volt-Steckdosen zugreifen. Auf Wunsch gibt es vorn eine weitere Steckdose in Verbindung mit zwei USB-Anschlüssen für die Fondpassagiere. Die haben allerdings im Velar weniger Platz, als der schon erwähnte Radstand und die Gesamtlänge von 4,80 Metern versprechen. Sitzen hochaufgeschossene Menschen in der ersten Reihe, wird es hinten eng. Dafür schluckt das Gepäckabteil, das sich nach einem Tritt unter den hinteren Stoßfänger öffnet, beachtliche 673 Liter. Ist die dreigeteilte Rücksitzbank umgelegt, vergrößert sich das Ladevolumen auf 1731 Liter.

Für Sportfreunde bietet Range Rover den bereits für den Jaguar F-Pace verfügbaren Activity Key. Das ist ein stoßfestes und wasserdichtes Armband mit integriertem Transponder, das auch während Outdoor-Aktivitäten vom Joggen bis zum Schwimmen getragen werden kann, wobei der eigentliche Autoschlüssel sicher im Fahrzeug bleibt. Sicher macht gleich eine ganze Reihe von Assistenzsystemen den Velar auch während der Fahrt. In Serie verfügt der neue Range über einen Notfall-Bremsassistenten mit Fußgängererkennung. Ebenfalls bestellbar sind ein adaptiver Spurverlassenswarner und ein Spurhalteassistent. Nicht zum Serienumfang gehören die Verkehrszeichenerkennung, die Geschwindigkeitsregelung mit Stauassistent oder der Parkassistent.

Wer mit dem Gedanken spielt, die bis zu 2,5 Tonnen Zugleistung seines Velars auszureizen, dem dürfte der ebenfalls erhältliche Trailer-Assistent gute Dienste leisten. Das Terrain-Response-System übernimmt den kompletten Parkvorgang ohne ein Eingreifen des Fahrers. Lediglich Gas und Bremse sind zu bedienen. Auch eine Ankoppelhilfe ist für den Velar verfügbar. Wie sich das alles im Fahrbetrieb darstellt, sollte in Bälde auf diesen Seiten zu lesen sein.

Quelle: ntv.de

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