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Fortbewegungsmittel Nummer eins Renaissance des Autos in der Corona-Krise

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In Zeiten der Corona-Krise wird das Auto wieder zum Fortbewegungsmittel Nummer eins.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der öffentliche Nahverkehr wird reduziert, die Bahn und der Flugverkehr auf ein Minimum reduziert. Die Corona-Krise führt zu einer massiven Einschränkung der Mobilität. Doch es bleibt etwas, das die Menschen seit über 100 Jahren beweglich macht: das Auto.

Mit dem Coronavirus und den Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr hat es das Auto zu einer ungeahnten Renaissance gebracht. Tatsächlich ist das, was noch vor Wochen gerade in Großstädten wie Berlin verpönt war, erneut zum Fortbewegungsmittel Nummer eins geworden. Nachdem nämlich der öffentliche Nahverkehr eingeschränkt wurde und der zwischenmenschliche Kontakt in Bus und Bahn nicht mehr gefragt ist, haben sich viele Menschen auf der Suche nach Alternativen an ihr Auto erinnert.

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1,2 Millionen Pkw sind in Berlin zugelassen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Und tatsächlich sind das in der deutschen Hauptstadt gar nicht so wenige: Insgesamt sind hier 1,2 Millionen Pkw zugelassen und das bei einer Einwohnerzahl von 3,7 Millionen Menschen. Und selbst während der Hochzeit des von allen besprochenen Klimawandels wurden Autos in der Hauptstadt gekauft. Allein im ersten Halbjahr 2019 meldeten die Berliner rund 44.500 Fahrzeuge neu an. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 8,2 Prozent. Also auch in der Stadt mit den mutmaßlich größten Anti-Auto-Liga wird im Hintergrund noch fleißig die Motorisierung geprobt.

Es macht wieder Spaß, den Motor zu starten

So kann also in Zeiten der Corona-Krise selbst der, der vor Kurzem noch ein schlechtes Gewissen hatte, weil sein Verbrenner die Luft verschmutzt, ungeniert auf dem Weg zum Friseur, Bäcker oder Supermarkt durch die Stadt schnurren. Ja, selbst Kurzstreckenfahrten sind nicht mehr verpönt. Die Begründung ist auch schnell bei der Hand: In öffentlichen Verkehrsmitteln und auf der Straße ist das Ansteckungsrisiko viel zu groß. Das ist alles richtig. Und es ist gut, dass das, was uns über Jahrzehnte als individuelle Freiheit an die Hand gegeben wurde, jetzt neu entdeckt wird und dabei so hilfreich ist.

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Es macht wieder Spaß, das Auto zu starten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Und tatsächlich macht es wieder Spaß, sein Auto zu starten. Denn keiner guckt einen schief an, selbst dann nicht, wenn es sich um ein SUV mit einem fetten V8 unter der Haube handelt, der seine Potenz aus den Endrohren posaunt, oder einen Diesel. Jede Form der vierrädrigen Bewegung ist plötzlich wieder en vogue. Auch die Toleranzschwelle und die gegenseitige Rücksichtnahme der Autofahrer scheinen größer zu sein. Denn statt wild zu hupen, wird geduldig gewartet, währenddessen der ältere Herr sein Auto sehr, sehr vorsichtig um die Kurve oder in die für einen Lkw passende Parklücke schiebt, weil es seit geraumer Zeit an Fahrpraxis mangelt. Auch der Umstand, dass Verkehrswege durch Lkw verstopft sind lässt den Mobilisten nicht mehr zürnen, denn vielleicht wird damit die nächste Lieferung, Nudeln, Reis und Klopapier in den Supermarkt um die Ecke gebracht.

Zeit für alle, nachzudenken

Das alles freut den Autoredakteur natürlich ungemein. Doch noch etwas anderes würde sein Herz hüpfen lassen: wenn nämlich diese neu entdeckte Freiheit zwei Denkrichtungen beeinflussen könnte. Zum einen dürfen die militanten Autogegner kurz innehalten und sich überlegen, ob das Auto in all seinen Dimensionen zu verteufeln ist oder ob es nicht hier und da hilfreich sein kann. Die andere Fraktion sollte das Coronavirus hingegen nicht als Freibrief benutzen. Denn momentan überschattet die Pandemie die Fragen des Klimaschutzes. Dass die sich aber auch nach dem Ende der Krise nicht in Wohlgefallen aufgelöst hat, dürfte feststehen. Auch dann nicht, wenn der Flugverkehr über Monate auf ein Minimum eingeschränkt wurde und der Autoverkehr vielleicht wegen Ausgangssperren zum Stillstand kommt.

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Der öffentliche Nahverkehr in der Hauptstadt ist stark eingeschränkt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Doch bis sich alles wieder normalisiert hat, wird das Auto unsere Bedürfnisse nach Beweglichkeit und Freiheit erfüllen. In der Mehrzahl übrigens mit Verbrennungsmotor. Nach dem Stopp sämtlicher Produktionsbänder der Autoindustrie in Europa darf natürlich auch die Frage nach der mit aller Gewalt angeschobenen E-Mobilität gestellt werden. Momentan denkt kein Unternehmen oder gar der Staat darüber nach, die Ladeinfrastruktur auf ein den angedachten Produktionszahlen von E-Autos angemessenes Maß zu erhöhen. Hier ruht der See genauso still wie in der Frage der Anwendung der Brennstoffzellen-Technologie.

Was wird aus den Innovationen?

Vor der Corona-Krise waren etliche Unternehmen mit ihren Innovationen auf diesem Gebiet vorgeprescht. Die Bundesregierung schien wild entschlossen, auf diesem Gebiet Großes anzuschieben. Fabriken, Wohnhäuser, Lkw und Autos sollten davon profitieren und so für weniger Emissionen sorgen. Nichts von dem steht momentan auf der Agenda. Im Augenblick geht es einzig und allein darum, die Ausbreitung des Coronavirus auf ein Minimum zu begrenzen. Kein Mensch kann sagen, wie sich die Sache am Ende entwickeln wird.

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Bis auf Weiteres wurde die Fahrzeugproduktion in ganz Europa eingestellt.

(Foto: Daimler AG)

Doch eins ist Fakt: Die finanziellen Belastungen, die die Hersteller mit dem Stopp der Produktion, mit der Einstellung des Verkaufs und dem erneuten Anfahren der Produktion auf sich nehmen, dürften jegliche Nebenausgaben zum Beispiel für E-Ladestationen verbieten. Im Umkehrschluss könnte diese nie da gewesene Katastrophe für die deutsche Schlüsselindustrie also auch ein Verbleiben beim Verbrenner nach sich ziehen. Geld für teure Innovationen dürften erst einmal nicht zur Verfügung stehen. Das muss neuerlich verdient werden. Aber womit? Mit Elektroautos? Eher nicht in relevanten Größenordnungen. Also mit Verbrennern.

Was bleibt, ist der Verbrenner

Doch auch hier sind die Aussichten nicht rosig. Die Hauptmärkte China und die USA haben das gleiche Problem wie Europa. Auch dort ist die Corona-Krise noch am Laufen. Und auch dort wird die Kaufkraft am Ende um einiges gesunken sein. Sicher wird auch Umstand die großen Autokonzerne nicht in den Bankrott stürzen, aber es könnte den einen oder anderen in die Knie zwingen. Und wie schnell er aus dieser Stellung wieder auf die Beine kommt, bleibt abzuwarten.

Es sollte an dieser Stelle gar nicht schwarzgemalt werden. Eigentlich wollte der Autor mit einem lachenden und einem weinenden Auge die Renaissance des Autos in der Corona-Krise besingen und eine Lanze für ein Fortbewegungsmittel brechen, das die Menschen seit über 100 Jahren mobil und frei macht. Einmal mehr in diesen Zeiten.

Quelle: ntv.de