Auto

Wanderlust statt Gokart-Feeling "Vision Urbanaut" - mit Mini in der Chill Zone

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So sieht Mini sich in der Zukunft: eine über vier Meter lange Chill Zone.

(Foto: Mini)

Visionen sind etwas Tolles. Auch im Autobau. Zeichnen sie doch Wege auf, die man so noch nicht gekannt hat. Auch Mini hat jetzt mit der Studie "Vision Urbanaut" einen solchen Blick in die Zukunft gewagt und ein Auto präsentiert, das das Chillen vor den Thrill stellt.

Mit Blick auf die Zukunft hat sich auch Mini Gedanken gemacht, wie denn ein Auto der Zukunft aussehen könnte. Herausgekommen ist dabei etwas, das für die Marke mit dem immer wieder propagierten Gokart-Feeling nicht untypischer sein könnte: ein Kompaktvan. Die Studie, die den Namen "Vision Urbanaut" trägt, soll aber nicht nur als klassisches Fortbewegungsmittel dienen, das selbstredend vollautonom unterwegs ist, sondern es soll gleichzeitig auch Wohnzimmer, Chill Zone oder Lounge sein.

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Über eine große Schiebetür wird der Mini "Vision Urbanaut" bestiegen.

(Foto: Mini)

Die erstreckt sich dann auch über eine Länge von viereinhalb Metern. Um mehr Platz im Innenraum bieten zu können, wurden die Räder in die äußersten Ecken des Chassis verbannt und eine zentral angebrachte Schiebetür ermöglicht den bequemen Einstieg in das Mini-Raumwunder. Soweit eigentlich nichts Neues. Die hier geschilderten technischen Kniffe haben auch schon andere Hersteller für ähnliche Konzepte benutzt. Daimler kam 2018 mit der Studie "Vision Urbanatics" ums Eck oder Volkswagen präsentierte 2017 die Studie "Sedric".

Die "Wanderlust"

Aber die Zeit und mit ihr die Entwicklung schreitet voran und so hat Mini sich natürlich auch mit Blick auf das schon erwähnte Fahrvergnügen für den "Vision Urbanaut" was einfallen lassen. Der Fahrer kann nämlich sogenannte Mini Moments definieren. Einer heißt "Wanderlust". Hier befindet sich der Fahrer wie gewohnt an seinem Platz, kann aber abwechselnd selbst das Fahrgeschehen bestimmen oder den Autopiloten die Arbeit verrichten lassen. Verspürt er Lust, selbst ins Volant zu greifen, fährt das zuvor im Dashboard versunkene Lenkrad an altbekannter Stelle heraus.

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Mit oder ohne Lenkrad der "Wanderlust" frönen - beides ist im Urbanauten möglich.

(Foto: Mini)

Der Antrieb des "Vision Urbanaut" ist natürlich rein elektrisch. Wobei sich die Visionäre um Designer Oliver Heilmer noch nicht dazu geäußert haben, wie stark der Akku ist, welche Leistung der Motor hat oder wieweit man mit der rollenden Mini-Lounge denn wohl kommen wird. Auch von Fahrspaß und Gokart-Feeling ist keine Rede mehr. Vielmehr ist das rollende Wohnzimmer vornehmlich für den Einsatz in urbanen Gefilden gedacht. Aber, und das muss erwähnt werden, es soll natürlich auch, wenn man das will, langstreckentauglich sein.

Allerdings dürfte der "Vision Urbanaut" rein technisch gesehen mehr Spaß im Stand als bei der Fahrt machen. Flotte Kurven sind schon wegen der hoch bauenden Form und wegen des Radstands ausgeschlossen. Doch wie dem auch sei. Der kommende Mini-Nutzer kann im Urbanaut während seiner Ruhephase zwischen den Modi Chill und Vibe wählen. Letztgenannter ist der sogenannte Gästemodus. Gemeinsam mit denen kann man den Wagen dann als Wohn- oder Spielzimmer nutzen. Anders bei Chill, hier wird das Mobil zum Rückzugsort, an dem sein Besitzer arbeiten oder einfach nur entspannt.

Der "Straßenbalkon"

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Die klappbare Frontscheibe ist die Grundlage für den "Straßenbalkon".

(Foto: Mini)

Eine auf den ersten Blick pfiffige Idee ist die nach vorn aufklappbare Frontscheibe, die den Insassen nicht nur das Gefühl eines "Straßenbalkons" geben soll, sondern auch für eine Interaktion mit der Außenwelt und ein großzügiges Raumgefühl sorgt. Aber nicht nur die Insassen interagieren mit der Umwelt. Der Urbanaut selbst passt sein Ambiente ständig an die Außenbedingungen an. So sollen die beiden Welten ständig miteinander verschmelzen. Ob das immer gewünscht ist, sei dahingestellt, aber diese Funktion ist sicher optional und lässt sich mit einer Geste oder dem Ruf "Hey Mini" deaktivieren.

Doch kommen wir zurück zum Innenraum und zur Entspannung. Wie in einem klassischen Wohnmobil lässt sich zum Beispiel der Fahrersitz um die eigene Achse drehen, so dass der Pilot den Fondpassagieren gegenübersitzt. Gespräche, Spiele oder ein gemeinsames Essen sind jetzt kein Problem. Ist die Party vorbei, kann das Armaturenbrett so abgesenkt werden, dass im Frontbereich eine zusätzliche Liegefläche entsteht. Zusätzlich, weil die mit Stricktextilien bezogenen Rückbank im Fond selbstredend auch als Sofa oder Liege genutzt werden kann.

Die Mini-Identität

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Optisch ist in der Lichtgrafik die heute gültige Mini-Identität mit viel Mühe noch zu ahnen.

(Foto: Mini)

Um das Wohnzimmergefühl komplett zu machen, wurde in die C-Säule noch eine Vitrine integriert und mittig im Fahrzeug ein Tischbereich mit Pflanzen geschaffen. Neben denen gibt es dann auch noch eine kreisrunde mobile Bedieneinheit mit einem TFT-Display. Hier sind nicht nur die persönlichen Fahrzeugdaten des Nutzers, sondern auch seine Musik, Einkaufslisten und andere private Daten hinterlegt und jederzeit abrufbar.

Ganz besondere Momente kann der Urbanaut-Nutzer erzeugen, wenn er über diese Einheit seine vordefinierten Lieblingsszenarien aus Licht, Duft und Musik abspielt. Der Clou, die Bedieneinheit wird mithilfe der sogenannten "Shy Technology" erst dann sichtbar, wenn sie vom User benutzt wird. Andernfalls fügt sie sich sozusagen unsichtbar in das Raumambiente ein.

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Der Mini "Vision Urbanaut" als rollendes Wohnzimmer.

(Foto: Mini)

Nur der Vollständigkeit halber: Die textilen Landschaften im Urbanauten verzichten natürlich auf Chrom und Leder. Stattdessen wurden nachhaltige und langlebige Werkstoffe verwandt. Und der Wagen ist selbstredend komplett vernetzt, was die Nutzung von Medien und weitreichende Formen der Kommunikation zu jeder Zeit zulässt.

Wenn sich der Mini-Fan jetzt fragt, was das alles mit seinem kleinen, quirligen und auf Fahrspaß ausgelegten Auto der Jetztzeit zu tun hat, dann ist die Antwort ganz klar: nichts! Selbst von außen sind bei der Designsprache keine Ähnlichkeiten zu heutigen Minis zu erkennen. Mit viel gutem Willen mag man in den variablen Lichtgrafiken an Front und Heck eine Art Mini-Identität vermuten. Und so bleibt am Ende mit der "Vision Urbanaut" nicht viel von dem übrig, was den Mini bis heute auszeichnet. Statt Thrill gibt es Platz zum Chillen, statt Gokart-Feeling die Wanderlust. Kann ja auch schön sein, man muss sich halt nur entschleunigen.

Quelle: ntv.de