Volkswagens Urban Cars startenNeuer Cupra Raval feiert Weltpremiere - zu haben ab 26.000 Euro
Von Patrick Broich, Barcelona/BerlinEs ist so weit, der erste Vertreter der Electric-Urban-Car-Bande aus dem Hause Volkswagen hat offiziell das Licht der Welt erblickt in Form des Cupra Raval. ntv.de nahm bereits Platz in dem doch recht erwachsen gewordenen Elektrofahrzeug.
Wie, der soll neu sein und dazu noch ein Kleinwagen? Da steht nun der Cupra Raval endlich ungetarnt in den Präsentationshallen und darf neugierig inspiziert werden. Warum nur startet der Volkswagen-Konzern mit dem spanischen Ableger? Nun, für Cupra ist das ein durchaus wichtiges Projekt, und es mag kein Zufall sein, dass sämtliche Modellableger in Martorell respektive Pamplona vom Band laufen werden, also auch die Skoda- und Volkswagen-Derivate. Und um kurze Wege zu garantieren, sitzt gleich auch noch der hauseigene Batteriezellenproduzent PowerCo in Sagunt bei Valencia.
Und wo feiert Cupra nun den Erstaufschlag? Zum ausgiebigen Begutachten und Probesitzen im City-Elektroauto hatte der Hersteller nach Barcelona gebeten, während in Berlin in der Cupra Garage noch einmal nachgelegt wurde mit einer kleinen wilden Partynacht, passend zu den Vibes, die von dem Neuling ausgehen.
Doch ob der Raval überhaupt einen Grund zum Feiern und Jubeln liefert, dürfte sich jetzt mancher Leser fragen. Immerhin, das Potenzial, die stylischste Variante unter den Volkswagen-Electric-Urbans zu werden, besitzt der Spanier definitiv. Und das nicht nur, weil er mit coolem Mattlack in die Kommunikationschlacht geht, sondern auch, weil die Linienführung im Allgemeinen ganz fetzig geworden ist.
Der Diffusor ist etwas drüber
Zugegeben, manche Elemente am Raval sind schon ein bisschen drüber. Ob es einen solch wuchtigen Diffusor im Heckbereich braucht? Haut aber optisch rein. An rot glühende (LED) Cupra-Logos auf der Kofferraumklappe hat man sich dagegen schon gewöhnt. Und die wie scharfe Schwerter aussehenden Powerdomes auf der Haube kennt man ja bereits vom Tavascan.
Neu sind aber die geometrisch zum Dreieck tendierenden Scheinwerfer mit Matrix-LED-Technologie sowie ein durchaus dick auftragender Grill. Das meint Cupra wohl, wenn in der Pressemappe etwas von "rebellisch" steht. Untermalt wird dieser Eindruck durch die vielen nach Guerillamarketing-Art auf die Wände gesprühten Raval-Schriftzüge. Allerdings haben die vielen Leisten, Rippen und Sicken auch eine aerodynamische Daseinsberechtigung oder sind Teil der aktiven Kühltechnik.
Und innen? Klar, modernes Ambientelicht und Display kann der Raval, aber wie sieht es beispielsweise auf den Plätzen hinten aus? Schon ein bisschen kleinwagenmäßig, aber das ist ja auch völlig okay angesichts kompakter 4,05 Meter Länge. Außerdem liegt der Radstand mit 2,60 Metern nur zwei Zentimeter unterhalb jenem des aktuellen VW Golf.
Doch wie ist es um die Batterie- und Motordaten bestellt? Sicher - dass der Raval ebenfalls ein Kind des Modularen Elektrobaukastens ist und wie die neuesten Vertreter ebenfalls über Vorderradantrieb verfügt, überrascht wohl kaum. Vielleicht wird den einen oder anderen Interessenten aber überraschen, dass die Anzahl an verschiedenen Antrieben doch so groß ist. Vom Basismodell mit einem preislichen Einstieg von rund 26.000 Euro sollte man freilich keine Wunder erwarten.
Basis hat sehr kleinen Akku
In diesem Fall nimmt der LFP-Energiespeicher moderate 37 kWh auf - diese Konstellation gibt es wahlweise mit 116 oder 135 PS. Der Hersteller spricht bereits vor der endgültigen Homologation von etwa 300 Kilometern an Reichweite. Attraktiv ist, dass der Akku binnen 23 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden kann bei nur 50 kW Peak. Wer weiter fahren möchte, nämlich über 400 Kilometer, müsste zum 52 kWh großen NMC-Akku greifen. Dieser soll dank günstiger Ladekurve lediglich 24 Minuten brauchen (105 kW), um ausgehend von 10 wieder auf 80 Prozent zu kommen. In diesem Fall werden die Vorderräder durch den kompakten APP-290-Motor mit 211 oder sogar 226 PS versorgt.
Letzterer Fall ist durchaus besonders mit dem einen oder anderen sportlichen Gimmick im Antriebsstrang der sogenannten VZ-Line. Sie beinhaltet nicht zuletzt eine physische Differenzialsperre zur Traktionsverbesserung plus elektrisch verstellbare Dämpfer. Dann wären da noch potente 235er-19-Zöller, um 290 Newtonmeter auch ja sicher zu übertragen. Leider wird schon bei 175 Sachen eingeregelt, während 6,8 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h ganz fein sind.
Was gibt es sonst noch an wissenswerten Dingen? Der Hersteller weist vorsorglich darauf hin, dass man es auf dem Touchscreen ab sofort mit einem Android-Betriebssystem zu tun haben wird. Und das Display fällt besonders scharf aus mit 200 dpi. Eine Schippe drauf legt Cupra beim Infotainment und integriert jetzt auch Youtube, damit dem Nutzer beim Laden nicht langweilig wird.
Wie schafft der Konzern es eigentlich, den Raval halbwegs erschwinglich zu halten? Der Effizienzgedanke gilt auch für die Infrastruktur, Cell-to-Pack ist hier sicherlich ein Stichwort. Und kleine LFP-Akkus sind ja mittlerweile recht günstig geworden. Mit den richtigen Klicks können aber auch schnell deutlich über 40.000 Euro erreicht werden. Wer den nach einem Stadtteil von Barcelona benannten Raval haben möchte, benötigt noch eine Weile Geduld. Ab Sommer sollten sich die Händlerschauräume füllen.
