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Optisch unterscheidet sich Franzose deutlich von seiner Konzern-Verwandtschaft.
Optisch unterscheidet sich Franzose deutlich von seiner Konzern-Verwandtschaft.(Foto: Busse/Textfabrik)
Samstag, 24. Februar 2018

Der extrovertierte Bruder: Citroën C3 Aircross will sich absetzen

Von Axel F. Busse

Picasso ist passé, es lebe das Luftkreuz: Wie viel der Begriff "Aircross" mit Autofahren zu tun hat, sei dahingestellt. Aber der neue Citroën C3 ist kein Van mehr wie sein Vorgänger. Aber ist er auch ein waschechter Franzose oder vielleicht ein maskierter Opel?

Sie bedienen sich aus unterschiedlichen Kleiderschränken und am Outfit ist ihnen deshalb kaum anzusehen, dass sie das gleiche Zuhause haben: Der Citroën C3 Aircross und der Opel Crossland X sind Geschwister. Und wenn man schon Familienbande offenlegt, sollte man auch den Peugeot 2008 nicht vergessen. Das Fehlen eines Allradantriebs hindert diese Autos nicht daran, auf der SUV-Welle mitzuschwimmen und wenn es um Extrovertiertheit geht, spielt sich der Citroën als der optisch frechste der drei Brüder klar in den Vordergrund.

Rustikal wirkende Anbauteile rücken den C3 Aircross optisch in SUV-Nähe.
Rustikal wirkende Anbauteile rücken den C3 Aircross optisch in SUV-Nähe.(Foto: Busse/Textfabrik)

Aber wird sich ein langjähriger Opel-Fahrer plötzlich für einen Citroën entscheiden? Oder ein treuer Citroën-Kunde spontan zu den Rüsselsheimern überlaufen? Eher zu bezweifeln. Für welches der beiden Geschwister man sich letztlich entscheidet, ist oft Bauchsache, vor allem dann, wenn man sich nicht in stundenlangem Nachsitzen beim Studieren der Preislisten verlieren will. Denn viele Ausstattungsmerkmale gibt es hier nur im Paket und dort nur einzeln - und umgekehrt. Wer tatsächlich das günstigere Angebot macht, ist nur schwer zu ermitteln.

Mal dezent, gern auch mal schrill

Etwa neun von zehn in Deutschland verkauften C3, die 2017 noch überwiegend mit dem Namen "Picasso" versehen waren, hatten einen Benzinmotor. Ob sich das mit dem neuen Fahrzeugkonzept spürbar ändert, wird sich erweisen. Bisher sind französische Diesel von Manipulations-Verdächtigungen frei geblieben, was es erleichtert, einen Testwagen mit Selbstzünder zu begutachten. 120 PS leistet der Vierzylinder und er schafft 300 Newtonmeter Drehmoment an die Kurbelwelle - nicht schlecht für 1,6 Liter Hubraum. Akustisch dürften die Besitzer von Otto- und Diesel-Versionen in etwa gleichgestellt sein, denn die Benziner nutzen sämtlich Dreizylinder, und zwar zwischen 82 und 131 PS.

Mit extravagantem Design im Innenraum schafft der Aircross Distanz zu technisch verwandten Fabrikaten.
Mit extravagantem Design im Innenraum schafft der Aircross Distanz zu technisch verwandten Fabrikaten.(Foto: Busse/Textfabrik)

Da der Van alles andere als feierlich zu Grabe getragen wurde, dem C3 Aircross für das SUV-Prädikat etwas Entscheidendes fehlt, bediene man sich am besten des Begriffs "Crossover", worunter man praktisch alle Autos subsumieren kann, die sich nicht klar einem Segment zuordnen lassen. Mit 4,16 Metern Länge gehört der Aircross zu den eher kürzeren Vertretern des Kompakt-Segments, doch mit 1,65 Metern Höhe reckt der sich in die Nähe der echten SUV. Mit seiner schwarzen Hülle, dem weißen Dach und den ebenfalls weißen Karosserie-Akzenten gehörte der Testwagen noch zu den optisch zurückhaltendsten Vertretern seiner Art. Richtig schrill kann man ihn bekommen, Citroën spricht von 85 Designvariationen.

Auch uni wäre die Front schon sehr auffällig, die schmale Leiste mit dem Markenlogo und die horizontal angeordneten Leuchtelemente sorgen dafür. Die Hörner an der Dachreling sind ebenso markant wie der Zebra-Look auf der vierten Seitenscheibe, die - was sich später herausstellt - ihre Funktion dadurch nur noch bedingt erfüllen kann. Einen Hauch von Verwegen- und Robustheit sollen wohl die plastikumrahmten Radausschnitte sowie die rustikale Heckschürze verströmen, dazu ein angedeuteter Unterfahrschutz und dunkle Seitenschweller. Dank dieser Eigenheiten hat er die Aufgabe, sich optisch nachhaltig vom Opel Crossland abzusetzen, überzeugend erfüllt. Noch deutlicher wird dies im Innenraum, wo dank der üppigen Dachhöhe selbst eine Turmfrisur nur schwer zu ruinieren ist.

Das Runde dominiert das Eckige

Der Mittelteil der Rücklehne ist umklappbar und als Getränkehalter nutzbar.
Der Mittelteil der Rücklehne ist umklappbar und als Getränkehalter nutzbar.(Foto: Busse/Textfabrik)

Die extravagante Innenarchitektur scheint dem Prinzip zu folgen, rechte Winkel, wo es geht, zu vermeiden. Monitore werden deshalb nicht oval und Handschuhfachklappen nicht zum Trapez. Aber an vielen Tasten, Ablagen, Ausströmern, Verkleidungen und Einfassungen finden sich abgerundete Winkel. Wenn auch nicht unbedingt handlicher als herkömmliche Griffe, ist der wulstige Knauf der Hebelhandbremse doch eine optisch originelle Variante. Die Sitze sind breit und komfortabel, lassen jedoch den Seitenhalt vermissen. Punkte für Variabilität im Innenraum erhält der Aircross durch die verschiebbare Rückbank und die umlegbare Lehne des Fahrersitzes. Um beides zu erhalten, muss man allerdings ein Family-Paket ordern, die Top-Ausstattung Shine bringt wenigstens die verschiebbare Rückbank mit.

Der Laderaum fasst je nach Position der Rückbank zwischen 410 und 520 Liter. Beim Umlegen der Sitze entsteht eine nahezu ebene Ladefläche von circa 1,40 Meter Tiefe und wenn man bis zum Dach stapelt, gehen 1289 Liter rein. Die Ladekante befindet sich in 70 Zentimeter und das Schloss der Heckklappe in 1,85 Meter Höhe. Ohne Hartplastik kommt der Innenraum nicht aus, er ist aber so gekonnt kaschiert, dass keine Pfennigland-Atmosphäre entsteht. Trotz großer Fensterflächen ist die Rundumsicht nicht in jeder Version vorbildlich, denn Streifenfolien, die das Design aufpeppen sollen, können den Durchblick mindern.

Knurrig, aber drehmomentstark: der 120 PS leistende Vierzylinder.
Knurrig, aber drehmomentstark: der 120 PS leistende Vierzylinder.(Foto: Busse/Textfabrik)

Jeder C3 Aircross hat einen Berganfahrassistenten, Lichtsensor, Reifendruck-Kontrollsystem sowie ein Sicherheitspaket aus Spurassistent, Müdigkeitswarner und Verkehrszeichenerkennung. Zentralverriegelung und Funk-Fernbedienung gehören ebenfalls dazu, elektrische Fensterheber gibt es erst ab der nächsthöheren Ausstattung. Mit der Shine-Version werden Alufelgen, elektrisch verstell- und anklappbare Außenspiegel, Einparkhilfe hinten, Klimaautomatik und Nebelscheinwerfer geliefert. Zum Infotainment-System gehören außer der Navi-Funktion noch digitaler Radioempfang, Head-Up-Display (mittels Zusatzscheibe) und kabellose Lademöglichkeit für Smartphones. Im Testwagen befanden sich auch Rollos an den Seitenscheiben der hinteren Türen.

Grip-Kontrolle für Schnee und Matsch

Der Vierzylinder-Diesel präsentierte sich als recht knurriger Geselle, was er jedoch durch herzhaften Antritt und Drehfreudigkeit wettmachte. Da der Hersteller zwischen den verschiedenen Ausstattungsvarianten eine Bandbreite von fast 180 Kilogramm beim Leegewicht zulässt, sei angenommen, dass der Testwagen sich am oberen Ende dieser Skala befand. Die werksseitig vorgesehene Höchstgeschwindigkeit erwies sich nämlich als außerhalb des Erreichbaren. Statt 183 km/h waren (GPS-gemessene) 175 km/h möglich. Ein Panorama-Glasdach, wie beim Testwagen vorhanden, gilt nicht umsonst als schwerwiegendes Extra. Ebenfalls kostenpflichtig, aber durchaus empfehlenswert ist die sogenannte Grip Control, die über einen Drehschalter an der Mittelkonsole aktiviert wird. Sie soll zumindest teilweise einen Ausgleich für den fehlenden Allradantrieb schaffen, indem sie die Eingriffsschwellen von Traktionskontrolle und ESP variiert und so die Beherrschbarkeit des Fahrzeugs auf Untergründen mit geringer Haftung erleichtern soll.

Von Null auf 100 km/h sollen 10,7 Sekunden vergehen. Wer das prüft, kann auch gleich noch ausprobieren, wie schnell die 300 Newtonmeter Drehmoment die Antriebsschlupf-Regelung auf den Plan rufen. Antriebseinflüsse in der Lenkung sind nicht zu bestreiten, aber auch nicht sehr störend. Selbst wenn er der Papierform nach als der zweitschnellster Sprinter in der gesamten Baureihe anzusehen ist, so hat der Aircross BlueHDI 120 wohl eher auf längeren Strecken seine Stärken. Die Schaltpunktanzeige ist mickrig und kann leicht übersehen werden, doch wer nach Gehör schaltet, ist meist auf dem richtigen Weg. Im sechsten Gang schnurrt der Fünftürer entspannt über die Piste, steckt Unebenheiten souverän weg und bleibt dabei mäßig durstig. Den Praxistest beendete der C3 Aircross mit 5,8 Litern je 100 Kilometer, nach NEFZ hätten es 4,1 Liter sein sollen.

Fazit: Zwar werden mache Kunden ihrem geliebten Van die eine oder andere Träne nachweinen, doch der Trend geht schon seit einigen Jahren in eine andere Richtung. Hoch bauend, rustikal im Aussehen und variabel im Styling müssen die Autos heute sein, damit sich viele Kunden für die interessieren. Der C3 Aircross erfüllt diese Auflagen, hält ein breit gefächertes Motorenangebot vor und ist vielseitig in der Nutzung seines Raumangebots. Dabei grenzt er sich glaubwürdig von Fabrikaten ab, die eine gleiche technische Basis nutzen.

DATENBLATTCitroën C3 Aircross BlueHDI 120
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,16/ 1,77/ 1,65 m
Radstand2,60 m
Leergewicht (DIN)1308 - 1487 kg
Sitzplätze5
Kofferraumvolumen / Rückbank umgelegt410 / 1289 Liter
Ladekante70 cm
Maximale Zuladung443 - 622 kg
MotorR-4-Zylinder-Dieselmotor mit 1560 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang Handschaltung
Leistung120 PS (88 kW) bei 3500 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit183 km/h
max. Drehmoment (Systemleistung)300 Nm bei 1750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,7 Sek
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)4,7 / 3,8 / 4,1 Liter
Testverbrauch5,8 Liter
EffizienzklasseA+
CO2-Emission (Normverbrauch)107 g/km
Tankinhalt45 Liter
Grundpreis23.390 Euro
Preis des Testwagens25.470 Euro

Quelle: n-tv.de