Praxistest

Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid Lohnt der Sport-Spanier mit Doppelherz?

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Nicht nur in der Brust des Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid schlagen zwei Herzen.

(Foto: Holger Preiss)

Bei den Zulassungen in Europa haben elektrifizierte Fahrzeuge erstmals den Diesel überholt. Inzwischen ist die Kombination aus Verbrenner und E-Motor auch angetreten, performantes Fahren ökologisch und freudvoll zu machen. Ob das aufgeht, soll der Test des Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid zeigen.

Spätestens mit dem SUV-Coupé Formentor hat sich Cupra als eigene Marke etabliert und sich dabei ein gutes Stück von seiner Mutter Seat entfernt. Doch nach wie vor gibt es zwei Fahrzeuge im Portfolio der Marke, die auf Modellen beruhen, die es auch ohne indianisches Stammeszeichen am Kühlergrill gibt. Der eine ist der Ateka, der andere ist der Leon. Letztgenannten bietet Cupra jetzt auch als sportlichen Plug-in-Hybrid an. Mit Verbrenner und E-Motor soll er gleich drei Wünsche der Kundschaft erfüllen: Erstens soll er mit 245 PS Nennleistung ein sportliches Biest sein, zweitens emissionsfrei durch die Stadt rollen und drittens Sprit sparen.

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Der Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid sieht nicht nur sportlich aus, er ist es auch.

(Foto: Holger Preiss)

Das Herzstück des Antriebs ist ein 1,4-Liter Benziner, der wie der Rest des Cupra Leon aus dem VW-Baukasten stammt. Der mit fossilen Brennstoffen betriebene Treibsatz leistet 150 PS und erbringt im Zusammenspiel mit dem 115 PS starken Elektromotor die schon erwähnte Systemleistung von 245 PS. Zudem wird in der Kombination beider Antriebe ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmeter generiert. Wer hier also beherzt aufs Gas tritt, der wird die ESP-Warnlampe ordentlich zum Flackern bringen, vorausgesetzt, er hat die Stabilitätskontrolle im Vorfeld nicht deaktiviert oder den "Cupra"-Modus in den Fahrprogrammen gewählt. In der Übersetzung ist das dann wohl nach "Sport", - auch was die furchtbar gekünstelte V8-Akustik im Innenraum betrifft - der Modus, der den Piloten glauben machen soll, er würde in Kürze die Start-Ziel-Linie überfahren. Aber egal, Fakt ist, dass der sportliche Spanier in 7 Sekunden Landstraßentempo erreicht und mit etwas Nachdruck 225 km/h schnell werden kann. Das fühlt sich gut an und entspricht dem Credo der Marke und des Autos.

E-Reichweite deutlich zu kurz

Ein sportliches Biest ist der Seat Leon Sportstourer e-Hybrid also. Auch der rein elektrische Weg durch die Stadt sollte kein Problem sein. Obgleich die rein elektrische Reichweite im Test nicht mehr als maximal 38 Kilometer betrug. Und die wurden auch nur erreicht, wenn der Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 13 kWh zu 100 Prozent gefüllt war. Cupra verspricht 67 Kilometer und nach WLTP-Messzyklus sollen es immer noch 52 Kilometer sein, die der e-Hybrid stromern kann. Aber auch der letztgenannte Wert ließ sich selbst bei verhaltenster Fahrweise nicht erreichen. Wer also - und da unterscheidet sich der Cupra nicht von anderen Plug-in-Hybriden - alle täglichen Strecken mit dem E-Motor zurücklegen will, der muss den Wagen bei jeder sich bietenden Gelegenheit an die E-Zapfsäule hängen.

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Das "Supersport-Multifunktionslenkrad" mit Mode-Selector-Knöpfen kostet 697 Euro zusätzlich.

(Foto: Holger Preiss)

Das Problem ist nur, dass bei kurzen Ladestopps der Akku nicht mal ansatzweise die Energie aufnehmen kann, die ihm durch die vorhergehende Fahrt entzogen wurde. Da der Leon Sportstourer e-Hybrid pro Stunde nur 3,6 kW an Strom "tanken" kann, dauert es dreieinhalb Stunden, bis ein leerer Akku an der heimischen Wallbox oder einer öffentlichen AC-Ladestation wieder randvoll ist. Die Geduldsprobe ist aber kein Cupra-Problem, sondern gilt für alle Plug-in-Hybride aus dem VW-Konzern, die auf die Kombination aus dem 1,4-Liter-Benziner mit dem 115 PS-E-Motor setzen, ob VW Tiguan, Skoda Octavia oder Audi Q3. Um eine Schnelllade-Säule müssen sie alle einen Bogen machen, weil sie dafür einfach nicht ausgelegt sind. Im Klartext heißt das: Der kurze Stopp beim Einkauf reicht nicht, um den Akku zu füllen und an der öffentlichen AC-Säule sollte man die Zeit im Blick behalten, weil nach vier Stunden Standzeit unter Umständen eine Strafgebühr durch den Anbieter berechnet wird.

Wer Hybrid fährt, muss aktiv werden

Wer die Akkulaufzeit des Cupra verlängern möchte, muss aktiv werden. Da der e-Hybrid immer im Elektro-Modus startet, sollte im Fahrzeugmenü über den Touchscreen in der Mittelkonsole per Fingertipp der Hybrid-Modus eingestellt, die Elektronik also per Hand aufgefordert werden, so intelligent wie möglich zwischen Verbrenner- und E-Antrieb zu wechseln. Das macht sie dann auch ganz prima. Allerdings wird prinzipiell bei Fahrten bis Tempo 50 der Verbrenner stillgelegt. Was bei Stadtfahrten dann wiederum zur Folge hat, dass nach gut 40 Kilometern kein Saft mehr im Akku ist. Zudem sind die Wechsel zwischen den beiden Antriebsarten durchaus spürbar und lassen sich ganz gut mit den Schaltverzögerungen früher Automatikgetriebe vergleichen. Natürlich hat der Fahrer auch die Möglichkeit, einen Akkustand vorzuwählen, den er für die letzten Kilometer emissionsfreier Fahrt bunkern möchte. In dem Fall fährt er dann ausschließlich mit dem Verbrenner.

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Wer den Cupra LEon Sportstourer e-Hybrid sportlich bewegt, leert den Akku in kürzester Zeit.

(Foto: Holger Preiss)

Aber was bedeutet diese Wechselspiel der Antriebe für den Benzinverbrauch? Nun, der pendelt sich bei knapp sechs Litern ein. Und das ist unter dem Strich nicht deutlich weniger, als der Seat Leon Sportstourer mit dem 1,5 Liter TSI, Handschaltung und 130 PS im ntv.de-Praxistest verbraucht hat. Deutlich mehr wird es, wenn der Benziner des Plug-in-Hybrids genutzt wird, um den Akku zu laden oder - und jetzt kommen wir zur Marke Cupra - der Wagen konsequent sportlich bewegt wird. Wer den Pinsel hier richtig ins Blech prügelt, die Dynamik auslebt, die der Leon mit einem auf den Punkt abgestimmten Fahrwerk und einer ebensolchen Lenkung bietet, der hat nach sage und schreibe 15 Minuten freudvoller Hatz einen nahezu leeren Akku. Acht Prozent wurden nach dem Exzess von der Bordelektronik noch angezeigt.

Etwas Disziplin bitte

Was so allerdings nicht ganz richtig ist, denn der Akku behält immer, egal wie sportlich gefahren wird, eine Restleistung von 10 Prozent. Die dient dazu, dass bei einem spontanen Antritt immer noch der gewünschte Schub da ist und das Gefühl der 245 PS nicht verlorengeht. Wer jetzt allerdings weiter mit einem schweren Fuß die Leistungsgrenzen ausreizt, der muss sich mit herkömmlichen Sportwagenverbräuchen im zweistelligen Bereich anfreunden und dementsprechend den Tank häufiger mit Benzin füllen. Denn der Verbrenner sorgt jetzt nicht mehr nur für den Vortrieb, sondern lädt auch immer wieder den Akku auf. Natürlich wird er dabei von der Rekuperation, also der Energierückführung durchs Bremsen und Ausrollen unterstützt.

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Die Sportsitze gibts in Serie für den Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid und die sind echt Spitze.

(Foto: Holger Preiss)

Wie man es am Ende auch dreht und wendet, der Plug-in-Hybrid als Beigabe zu einem echt sportlichen Auto bleibt fraglich. Der Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid ist aber, gemessen an dem 2017 hier getesteten Seat Leon Cupra ST 300, trotz seiner 1,8 Tonnen dann dennoch ein Sparmeister. Der ST 300 fuhr seinerzeit mit einem Durchschnitt von 9,3 Litern aus dem Test. Allerdings konnte der auch 250 km/h schnell werden und war in 4,9 Sekunden auf Tempo 100. Letztlich gilt also: Hybrid-Fahren will gelernt werden und ist auch immer eine Frage der Disziplin. Und das nicht nur beim Erreichen der Ladestation, die im Test gute 1,5 Kilometer von der heimischen Wohnung entfernt ist und auch nur vier Stunden Standzeit zulässt.

Preislich durchaus attraktiv

Aber Bewegung ist gesund und in allen anderen Belangen muss der Fahrer eines Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid im Vergleich mit einem Seat Leon nur noch auf den Stauraum verzichten. Der beträgt nämlich nur noch 470 statt der sonst zur Verfügung stehenden 587 Liter. Alles andere, was fehlt, kann mit der entsprechenden Investition ausgeglichen werden. Denn die teilelektrisierte Sportskanone startet bei 39.084 Euro, in denen nicht alle Begehrlichkeiten eingepreist sind. Aber Moment, abzüglich der Umweltprämie von bis zu 6750 Euro, die es auch weiterhin für Plug-in-Hybride gibt, wäre der Endpreis mit 32.334 Euro dann vielleicht doch mehr als attraktiv. Wer will und das Geld hat, der kann angesichts dieses Preisvorteils dann auch in die von Cupra angebotenen Sonderausstattungen investieren.

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Beim Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid schrumpft das Kofferraumvolumen auf 470 Liter.

(Foto: Holger Preiss)

In Summe würden knapp 2200 Euro reichen, um sich das echt knackige "Supersport-Multifunktionslenkrad" mit Mode Selector Knöpfen für 697 Euro zu holen. Auch das Winterpaket für 395 Euro mit beheizbaren Vordersitzen ist drin oder die Anbindung für Apple CarPlay oder Android Auto für die Multimediaeinheit (190 Euro). Zu empfehlen ist unbedingt ein Ladekabel Mode 3 Typ 2 für 166 Euro und das Fahrassistenz-Paket XL mit automatischer Distanzregelung bis 210 km/h, vorausschauender Geschwindigkeitsregelung, Fernlichtassistent, Seiten- inklusive Totwinkelwarner, Travel Assist - Notfall Assistent, Spurhalteassistent und Verkehrszeichenerkennung für 887 Euro. Ob es ein Panoramadach, einen zusätzlichen Seitenschweller, eine spezielle Mattlackierung und schwarze 19-Zoll-Räder mit kupferfarbenen Felgenkranz und Speichen braucht, was in Summe 4407 Euro kosten würde, muss jeder für sich selbst entscheiden.

DATENBLATTCupra Leon Sporttourer e-Hybrid
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,66 m/ 1,80 m/ 1,46 m
Radstand2,69 m
Leergewicht (DIN)1717kg
Sitzplätze5
Motor/HubraumR4 Benziner mit Turbolader und 1395 Kubikzentimetern Hubraum
E-Motor 115 PS (85 kW)
Energiegehalt Batterie13 kWh
Getriebe6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Leistung Verbrenner150 PS (110 kW) bei 5000 - 6000 U/min
Systemleistung 245 PS (180 kW)
max.Drehmoment (Systemleistung) 400 Nm bei 1400 - 4000 U/min
KraftstoffartBenzin
Kraftstoffverbrauch im Test 6,1 Liter/100 km
Energieverbrauch im Test 14,1 kWh/100 km
Kraftstoffverbrauch kombiniert (Hersteller) 1,6 Liter/100 km
Energieverbrauch (Hersteller) 15,9 - 15,5 kWh/100 km
Tankinhalt45 Liter
Kofferraum470 / 1450 Liter
Höchstgeschwindigkeit225 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h7,0 s
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
35 g/km
EmissionsklasseEuro 6 AP
Grundpreis39.084,20 Euro
Preis des Testwagens47.153,00 Euro

Fazit: Der Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid ist mit seinen zwei Antrieben und den daraus resultierenden 245 PS, einem fantastisch abgestimmten Fahrwerk und einer absolut präzisen Lenkung eine echte Sportskanone. Was sein Potenzial als Stromer betrifft, ist er mit seiner Reichweite von realistischen 40 Kilometern doch recht limitiert. Hinzu kommt, dass die Ladezeiten mit 3,5 Stunden schon echt lang sind. Wer dann auch noch vermehrt den Verbrenner in den dynamischen Grenzbereich zwingt, wird am Ende auch nicht weniger verbrauchen als ein herkömmlicher sportlicher Kombi dieser Klasse. Insofern gilt am Ende, dass der, der sich für diese Mischung aus Sport und grünem Gewissen entscheidet, in allen Belangen, was das Stromtanken und den Gasfuß betrifft, ein gutes Maß an Disziplin mitbringt. Andernfalls geht das Konzept einfach nicht auf.

Quelle: ntv.de