Praxistest

Schnittiger Brite im Praxistest Range Rover Evoque P250 - etwas ungestüm

IMG_2085.JPG

Er ist schon schick, der Range Rover Evoque. Als P250 ist er aber manchmal etwas ruppig im Antritt.

(Foto: Holger Preiss)

Der Range Rover Evoque hat bei seinem ersten Auftritt im Jahr 2011 für Aufsehen gesorgt: So schnittig war noch kein SUV. Jetzt fährt der Brite bereits in der zweiten Auflage. Zum Test bei n-tv.de erscheint er als P250 und gibt sich manchmal etwas ungestüm.

IMG_2081.JPG

Die versenkbaren Türgriffe hat sich der Range Rover Evoque vom großen Bruder Velar abgeschaut.

(Foto: Holger Preiss)

Seinerzeit hatte Chefdesigner Gerry McGovern mit dem Evoque seinen neuen und entscheidenden Federstrich gemacht, der die Marke auch in Zukunft prägen sollte. Aber nicht nur das: Der Mann hatte auch der Gattung SUV zu einer sehr sportlichen Optik verholfen. Eine so schmale Fenstergrafik und eine so konsequent abfallende Dachlinie gab es in diesem Segment bis dato noch nicht. Mit der Zeit haben andere Hersteller nachgezogen und sich mit ähnlich dynamischen Modellen zu Wort gemeldet, was dazu führte, dass der sportliche Brite nicht mehr ganz so einzigartig wirkte wie in seinen ersten Tagen.

Eingepackt in eine digitale Welt

Doch das Konzept ist gut, und so hat sich McGovern auch bei seinem zweiten Streich nicht beirren lassen und den neuen Evoque im Prinzip so gelassen wie den alten. Dabei hat er es aber nicht versäumt, Highlights wie die versenkbaren Türgriffe, die schon den Velar zieren, auch dem kleinen Bruder angedeihen zu lassen. In Summe ist das eine betont klare Oberflächenstruktur, die das 4,37 Meter lange SUV recht kompakt dastehen lässt. Noch dazu, wenn es mit 21 Zoll großen Rädern besohlt ist.

IMG_2097.JPG

Auch das Interieur des Range Rover Evoque erinnert stark an den Velar.

(Foto: Holger Preiss)

Nun war der Range Rover Evoque noch nie ein Raumwunder. In der Neuauflage muss man dem Briten aber zugestehen, dass er seine Insassen in der ersten Reihe zwar fest zwischen Tür und Mittelkonsole einpackt, ihnen aber nicht das Gefühl vermittelt, keinen Raum zu haben. Zumal der Fahrer sich ohnehin in einer sehr modernen digitalen Welt wiederfindet, in der Befehle an die Zentralen Steuereinrichtungen ohnehin nur noch mit sanftem Fingerdruck auf die TFT-Bildschirme in und oberhalb der Mittelkonsole ausgegeben werden. Dort und in der ebenfalls digitalen Armaturentafel findet der Pilot dann auch alle relevanten Fahrdaten.

Allein oder gemeinsam

Hier steuert er die bevorzugten Fahrmodi oder lässt den Automaten je nach Fahrweise die Programme bestimmen, feuert seine Lieblingssongs über das Soundsystem ab, fordert über die Zwei-Zonen-Klimaanlage den Sturm oder den lauen Wind ab oder lässt sich durch das Echtzeit-Navigationssystem den rechten Weg zum Ziel weisen. Auf dem Weg dorthin kann nicht nur das adaptive Fahrwerk, das allerdings zusätzlich 1145 Euro kostet, sondern auch der adaptive Spurhalteassistent und ein ebensolcher Abstandsradar für entspanntes Gleiten sorgen. Wenn das Fahrtziel erreicht ist, dann schiebt der ebenfalls selbstständig arbeitende Parkassistent den Evoque gekonnt auf den anvisierten Stellplatz, ohne dass der Fahrer hier Hand anlegen muss. Ihm obliegt es lediglich, Gas zu geben und die bissig zugreifenden Bremsen zu dosieren.

Innenraum.jpg

Die fantastischen Sitze im Range Rover Evoque gibt es auch mit Bezügen aus recycelten PET-Flaschen.

(Foto: Holger Preiss)

Aber ab und zu mag der Mann am Volant, der sich in einem sehr bequemen Sitz weiß (mit Kvadrat-Stoff bezogen, der aus recycelten PET-Flaschen und Kunststoffen hergestellt wurde), gerne selber Chef im Cockpit sein. Bietet sich an, denn unter der Haube des Testwagens ist der von den Briten in Eigenregie entwickelte Vierzylinder-Ingenium-Motor verbaut. Hier pumpt er in der mittleren Leistungsstufe als P250 mit 249 PS. Diese Kraft und ein maximales Drehmoment von 365 Newtonmetern schöpft er aus 2.0 Litern Hubraum. Daten, die dafür sprechen, dass das nicht ganz zwei Tonnen schwere SUV locker aus dem Startblock schießt. Noch dazu, weil die Kraftverteilung durch eine Neungangautomatik von ZF übernommen wird.

Der geht ungestüm nach vorn

Und tatsächlich geht der Evoque als P250 locker nach vorn. Gemessen dauert es 7,5 Sekunden, bis die digitale Tachonadel an der 100 vorbeisaust. Allerdings muss man dem Turbo für den Spontanstart eine Sekunde Zeit geben, bis er die Luft zum Sturmlauf bereitstellt. Das Gleiche gilt für spontane Überholmanöver. Hier hat man das Gefühl, dass das große Suchen losgeht. Der Fahrmodus "Auto" überlegt kurz, ob wohl "Dynamik" das Richtige wäre, das Automatikgetriebe sucht ebenfalls die optimale Schaltstufe, und der Turbo ist wie gesagt am Luft holen. Wenn sich alles gerödelt hat, gibt es kein Halten mehr. Jetzt stürmt der Brite los. Leider wirkt das häufiger als gewollt sehr ungestüm.

IMG_2073.JPG

Auch in der Silhouette ist der Range Rover Evoque sehenswert. Noch dazu, wenn er auf 21-Zoll-Rädern fährt.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn man hier der Leistungskurve keinen solch spontanen Peak gegeben hätte und den Schaltautomaten nicht zu diesen ruckartigen Gangwechseln provozieren würde, könnte der Evoque als P250 sehr harmonisch voranstürmen. Zumal der Wagen eine exzellente Geräuschdämmung zum Motorraum hat. Die Arbeit des Triebwerks ist auch im oberen Drehzahlbereich und bei Tempo 230 kaum wahrnehmbar, was Mitreisende veranlasste, zu fragen, ob es sich beim Testwagen um ein Elektroauto handle.

Wider der Rüpelhaftigkeit

Natürlich nicht, und so muss der Fahrer Mittel und Wege finden, den oben geschilderten Zustand der Rüpelhaftigkeit abzufedern. Der Sportfahrer wird alle Modi auf Dynamic stellen und vielleicht sogar, wie im Testwagen für 521 Euro extra, den konfigurierbaren Dynamic-Modus bestellt haben. Wer jetzt noch die Gänge mit der Hand über die Schaltwippen einlegt, der sollte weniger von der oben geschilderten Unruhe spüren. In der Stadt empfiehlt sich dann alternativ der Eco-Modus, der durch das Herabsetzen der Drehzahlen die Wildheit etwas mindert.

IMG_2102.JPG

Das Triebwerk des Testwagens muss vor dem Besuch bei n-tv.de schon schlechtere Wege gesehen haben.

(Foto: Holger Preiss)

Doch egal, wie man mit dem Evouqe P250 unterwegs ist, ein Sparwunder wird nicht aus ihm. Im Test genehmigte sich der Benziner über 100 Kilometer im Schnitt 12 Liter. Das ist definitiv zu viel, zumal Land Rover den Verbrauch im Datenblatt im Drittelmix mit maximal 7,9 Litern angibt. Und dabei hatte der Testwagen nicht mal schweres Gelände zu durchlaufen, was er zweifelsohne auch kann. Denn die Briten haben natürlich darauf geachtet, dass auch der sportlichste Range Rover mit den Genen der Marke ausgestattet wird. Dazu gehört die Bodenfreiheit von 21 Zentimetern ebenso wie der Böschungswinkel von 19,5 Grad vorn und 30,6 Grad hinten sowie die Wattiefe von 60 Zentimetern.

Am Ende nicht billig

Die Wahrscheinlichkeit, dass man diese Tugenden im Alltag ausreizt, ist allerdings recht gering. Zumal der Evoque, so wie er n-tv.de zur Verfügung gestellt wurde, nicht ganz billig ist. In der Ausstattung R-Dynamic und den damit verbundenen Extras wie 21-Zoll-Felgen, Panorama-Glasdach, LED-Scheinwerfern, dunkel getönten Scheiben, Fernlichtautomatik und einer ganzen Reihe von Hoheitszeichen müssen auf den Grundpreis von 65.700 Euro bereits über 5000 Euro draufgepackt werden. Nimmt man noch das brillante Head-up-Display dazu und elektrisch verstellbare Vordersitze, sind weitere 1300 Euro aufgeschlagen. Für Dynamik, Infotainment und Assistenzsysteme werden 2500 Euro fällig. Unterm Strich stehen dann 74.811 Euro.

IMG_2101.JPG

Schade, dass die Ladefläche bei umgelegter Rückbank im Range Rover Evoque nicht plan ist. 1383 Liter Stauraum bietet sie aber auch so.

(Foto: Holger Preiss)

Man kann in einen Evoque auch preiswerter einsteigen: für 38.100 Euro. Dafür gibt es dann aber einen relativ nackten Wagen mit einem 150 PS starken Vierzylinder Diesel. Was der allerdings auch hat, ist ein Gepäckabteil, das 591 Liter fasst. Legt man die Rückbank um, entsteht zwar keine wirklich plane Fläche, aber ein Stauraum von 1383 Litern. Das ist ebenso beachtlich wie der Platz in der zweiten Reihe. Dadurch, dass die Sitzbank etwas nach hinten geneigt ist, entsteht trotz der stark abfallenden Dachlinie kein Problem für den Kopf. Auch die Knie finden ausreichend Platz, vorausgesetzt der Fahrer oder sein Nebenmann überschreiten das Maß von 1,90 Meter nicht. Dann kann es im Fond ziemlich knapp werden.

Fazit: Der Range Rover Evoque gehört nach seiner Neuauflage wieder zu den schönsten SUV im mittleren Segment und bietet alles, was man von dieser Gattung Auto erwarten darf, bis hin zu Offroadfähigkeiten, von denen andere nur träumen. Der P250 ist zudem ein leistungsstarker Motor, der auch sportliche Fahrer beflügeln dürfte. Was echt stört, ist die Nervosität des Automatikgetriebes, der ungestüme Antritt und die Trinkgewohnheiten des Vierzylinders. Von allem etwas weniger und die Kombination aus Außenhaut und Innenleben wären nahezu perfekt. Ob der Preis von über 70.000 Euro für ein solches Fahrzeug in Ordnung geht, müssen Interessenten am Ende mit ihrem Bankkonto ausmachen.

DATENBLATTRange Rover Evoque HSE P250
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,37 / 2,10 / 1,65 m
Radstand2,68 m
Leergewicht (DIN)1893 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen591 / 1383 Liter
MotorIngenium 2.0 Liter 4-Zylinder-Turbobenziner
Getriebe9-Gang-Automatik von ZF
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor249 PS (183 kW) bei 5500 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit230 km/h
Tankvolumen67 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)365 Nm bei 1400 - 4500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h7,5 Sekunden
max. Böschungswinkel vorn in Grad19,5°
max. Böschungswinkel hinten in Grad30,6°
max Rampenwinkel in Grad20,7°
Bodenfreiheit in mm212
max Wattiefe in mm600
Normverbrauch kombiniert  nach NEFZ27,9 - 7,7 Liter
Testverbrauch (kombiniert)12,0 Liter
CO2-Emission kombiniert nach WLTP220 - 205 g/km /EU6
Grundpreis65.700 Euro
Preis des Testwagens74.811 Euro

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema