Das war Donnerstag, der 21. September 2017
Liebe Leser! In drei Tagen gibt es bereits die ersten Ergebnisse von der Bundestagswahl. Da kann sich schon mal so eine kleine Wahlkampf-Müdigkeit einstellen. Nun gut, "Merkel streichelt keine Flüchtlinge mehr", stellt unser Autor fest. Außerdem gibt es ein Interview mit Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir. Und - Überraschung - die FDP besteht nicht nur aus Christian Lindner.
Allerdings gab es heute zum Glück noch viele andere Themen:
Die USA und die EU weiten ihre Sanktionen gegen Nordkorea aus.
Die Lufthansa bekommt wohl den größten Batzen der insolventen Air Berlin.
In Dortmund muss ein Hochhauskomplex wegen des mangelhaften Brandschutzes geräumt werden.
Außerdem gibt es in Deutschland nun die ersten Klimadeiche.
In Hessen landet eine Satire-Aktion vor Gericht.
Und, ja, Gerhard Schröder hat eine neue Freundin.
Da kann man ja jetzt auch beruhigt ins Bett gehen. Markus Lippold wünscht Ihnen eine ruhige und erholsame Nacht. Morgen ist "Der Tag" wieder für Sie da.
Bibliothekar entdeckt Fragment einer Gutenberg-Bibel
Da sage noch jemand, es könne sich nicht lohnen, mal genauer durch Archive zu wühlen:
In Augsburg taucht ein Fragment einer kostbaren Gutenberg-Bibel auf - als Einband eines anderen Buches.
Die Buchseite wird bei der Vorbereitung der Jubiläumsausstellung zum 480-jährigen Bestehen der Staats- und Stadtbibliothek entdeckt.
Das von einem Buchmaler verzierte Pergamentblatt zeigt den Beginn der Apokalypse mit der Darstellung des Evangelisten Johannes.
Damals sei die Gutenberg-Bibel wohl in der Nähe von Hamburg auseinandergenommen und so weiterverwendet worden, sagt Diplom-Bibliothekar Wolfgang Mayer, der die Seite entdeckte, als er den Einband eines rund 400 Jahre alten theologischen Buches betrachtete.
US-Polizei erschießt Gehörlosen
Er kam der Aufforderung nicht nach, ein Rohr niederzulegen - daraufhin erschießen Polizisten einen gehörlosen Mann in Oklahoma City:
Ein Polizist hatte ursprünglich wegen Fahrerflucht in der Gegend ermittelt. Dabei traf er den 35-jährigen Magdiel Sanchez auf der Veranda seines Hauses an, er hatte eine etwa 60 Zentimeter lange Metallstange in der Hand.
Ein herbeigerufener Kollege des Polizisten schoss schließlich kurz nach seinem Eintreffen mehrmals auf den Mann. Das Opfer wurde noch am Tatort für tot erklärt.
Die Einsatzkräfte hätten nicht mitbekommen, dass Nachbarn herbeieilten und schrien, der Mann könne die Anweisung nicht hören, sagt nun Polizeichef Bo Mathews.
Der gehörlose Mann sei bekannt dafür gewesen, bei Spaziergängen immer das Metallrohr bei sich zu getragen, um streunende Hunde zu vertreiben, heißt es.
Freund von Unfallopfer prügelt auf Ersthelfer ein
In der Nacht zum Donnerstag fährt eine 23-jährige Autofahrerin in Düsseldorf eine gleichaltrige Fußgängerin an, die unvermittelt die Straße betreten hatte. Ein zufällig vorbeikommender 29-Jähriger will der am Boden liegenden Schwerverletzten helfen - und wird selbst zum Opfer:
Denn der angetrunkene Freund des Unfallopfers verprügelt den Ersthelfer - weil er diesen offenbar für den Unfallverursacher hält.
Der Ersthelfer erleidet schwere Verletzungen.
Der 29-Jährige und die Fußgängerin kommen ins Krankenhaus.
Die Polizei leitet Ermittlungen gegen den Schläger ein.
Atatürk-Flughafen nach Flugzeugabsturz gesperrt
Der größte Flughafen von Istanbul, der Atatürk-Airport, wird nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs gesperrt:
Das Kleinflugzeug sei bei der Landung von der Bahn gerutscht, berichtet die türkische Nachrichtenagentur Dogan.
Danach ging es demnach in Flammen auf.
Über Opfer oder Schäden ist noch nichts bekannt.
Gabriel gibt in UN-Generaldebatte Trump Kontra
Die aufsehenerregendste Rede hat in diesem Jahr Donald Trump gehalten. Aber natürlich kommen vor der UN-Generalversammlung auch alle anderen Staaten zu Wort. Für Deutschland spricht Sigmar Gabriel:
In seiner Rede warnt er vor "nationalem Egoismus" in der Weltpolitik.
"Das Motto 'Unser Land zuerst' führt nur zu mehr nationalen Konfrontationen und zu weniger Wohlstand. Am Ende gibt es nur Verlierer", sagt er an die Adresse von US-Präsident Trump, der "Amerika zuerst" zum Leitgedanken seiner Amtszeit gemacht hat.
Gabriel sprach sich im Gegensatz zu Trump für eine Stärkung der Vereinten Nationen aus.
Berlin deckelt Hermes-Bürgschaften für Türkei
Deutschland erhöht den wirtschaftlichen Druck auf die Türkei:
Die Bundesregierung beschließt eine Deckelung der staatlichen Absicherung deutscher Exporte in die Türkei. Der Schritt war bereits im Juli als Teil einer härteren Gangart gegenüber der türkischen Regierung angekündigt worden.
Die so genannten Hermes-Bürgschaften sollen 2017 für Waren im Wert von zusammen höchstens 1,5 Milliarden Euro gewährt werden, heißt es aus Regierungskreisen.
Kanzlerin Angela Merkel signalisiert derweil, den wirtschaftlichen Druck auf die Türkei noch weiter erhöhen zu können. Die wirtschaftlichen Kontakte zur Türkei seien bereits eingeschränkt worden, sagt sie dem MDR. "Und wenn notwendig - das möchte ich nicht - werden wir das noch weiter tun."
Auswärtiges Amt rät Spanien-Reisenden zur Vorsicht
Die Lage in Katalonien ist derzeit angespannt. Darauf sollten sich nach Auffassung des Auswärtigen Amtes auch Reisende aus Deutschland einstellen:
"Reisenden wird empfohlen, größere Menschenansammlungen in dieser Zeit zu meiden und den Anweisungen von Sicherheitskräften unbedingt Folge zu leisten", erklärt das Außenamt.
Wegen des von der katalanischen Regionalregierung gegen den Willen Madrids angesetzten Referendums sei insbesondere in Barcelona mit weiteren Demonstrationen zu rechnen.
Heute gingen in Barcelona erneut Tausende Katalanen für das am 1. Oktober geplante Referendum zur Unabhängigkeit von Spanien auf die Straße.
Die Videos des Tages
May strebt wohl Übergangsphase nach Brexit an
Morgen soll die britische Premierministerin Theresa May in Florenz eine Grundsatzrede zum Brexit halten. Die BBC berichtet nun, was sie dabei vorschlagen könnte:
Demnach strebt May für die Zeit nach dem Brexit eine zweijährige Übergangsphase an.
Das will die BBC-Reporterin Laura Kuenssberg nach einem Ministertreffen erfahren haben.
Zuletzt hatten auch mehr als 100 britische Unternehmen eine mehrjährige Übergangslösung gefordert.
Die Brexit-Gespräche verlaufen bislang nur stockend. "Wir erwarten, dass sich Großbritannien klar bekennt", fordert EU-Chefunterhändler Barnier.
Lufthansa soll größten Teil von Air Berlin übernehmen
Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin geht zu großen Teilen an die Lufthansa. Diese Entscheidung habe der Gläubigerausschuss getroffen, meldet Reuters unter Berufung auf zwei mit den Gesprächen vertrauten Personen. Hier lesen Sie mehr dazu.
Trump nennt Lage in Puerto Rico "sehr, sehr, sehr bedrohlich"
"Harvey", "Irma" und "Maria": Die USA erleben in diesem Jahr einen verheerenden Hurrikan nach dem anderen. Zum jüngsten Wirbelsturm, der Puerto Rico schwer traf, äußert sich nun auch Präsident Donald Trump:
Das US-Territorium sei "völlig zerstört" worden, sagt Trump. Die Situation dort sei "sehr, sehr, sehr bedrohlich".
Er kündigt an, sich selbst vor Ort ein Bild von der Lage zu machen, ohne jedoch einen konkreten Termin zu nennen.
Trump verhängt zudem den Katastrophenzustand für die Insel. Mit dieser Maßnahme bekommt Puerto Rico Geld aus Washington.
Als assoziierter Freistaat gehört Puerto Rico nicht zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Der US-Präsident ist aber das Staatsoberhaupt der Insel. Regierungschef ist der Gouverneur von Puerto Rico. Die Bewohner sind US-Bürger, dürfen aber nicht an der Präsidentschaftswahl teilnehmen.
Mercedes investiert massiv in den USA
Ist es Strategie oder doch ein Zugeständnis an Präsident Trump, der scharfe Kritik an deutschen Autoimporten geäußert hatte?
Mercedes weitet seine Produktion in den USA deutlich aus: Am Standort in Alabama investiert der Autobauer zusätzlich eine Milliarde Dollar (840 Millionen Euro).
In Tuscaloosa, wo vor 20 Jahren die Produktion begann, sollen voraussichtlich mehr als 600 neue Arbeitsplätze entstehen.
Ein Großteil der Investitionen soll in den Bau von Elektrofahrzeugen fließen. Zudem will die Daimler-Tochter EQ eine Batteriefabrik bauen.
Auch BMW hatte vor drei Monaten weitere Großinvestitionen in den USA angekündigt: Man will weitere 600 Millionen Dollar in die Fabrik in Spartanburg im South Carolina stecken.
L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt ist tot
Sie stand ziemlich weit oben auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt - und zwar als reichste Frau. Nun stirbt Liliane Bettencourt, Erbin des L'Oréal-Imperiums, nach Angaben ihrer Familie 94-jährig.
Zuletzt hatte sie vor allem für negative Schlagzeilen gesorgt, etwa wegen illegaler Parteispenden für Nicolas Sarkozy. Zudem hatte sie eine Milliarde Euro in Form von Immobilien, Gemälden und Schecks an den französischen Fotografen François-Marie Banier verschenkt, den sie zudem als Erben einsetzte. Bettencourts Kinder beantragten deshalb, ihre Mutter unter Vormundschaft zu stellen, was 2011 auch geschah.
Katzenkauf artet in Gewalt aus
Süße Katzengeschichten gibt es ja genug, hier geht es um Kriminalität. Weil nämlich der Kauf eines Katzenbabys scheitert, greift eine Frau im rheinland-pfälzischen Pirmasens zu rabiaten Mitteln:
Mit zwei Unterstützerinnen bedroht sie die Katzenbesitzerin in ihrer Wohnung mit einer Schreckschusspistole und raubt mehrere Katzenbabys.
Später kehren zwei der Frauen mit einem Mann zurück, um auch die Katzenmutter zu stehlen - was jedoch scheitert.
Das Opfer zieht sich eine blutende Kopfwunde zu.
Eine der Helferinnen wird nun vor dem Amtsgericht Pirmasens zu einer Geldstrafe von 1800 Euro wegen Diebstahls verurteilt. Vom Vorwurf der Körperverletzung wird sie freigesprochen.
Die anderen beiden Katzenräuber wurden bereits zu Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt.
Vater die Kehle durchgeschnitten - Haft
Ein 43-Jähriger versetzt im vergangenen Dezember seinem 80 Jahre alten Vater 17 Messerstiche in den Hals. Nun wird er dafür verurteilt:
Das Landgericht Darmstadt schickt den Mann für den tödlichen Messerangriff im hessischen Reinheim fünfeinhalb Jahre in Haft.
Die Kammer wertet die als Mord angeklagte Tat als Totschlag. Sie schließt sich damit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung an.
Der Mann habe im Affekt gehandelt, betont die Kammer. "Es war eine Augenblickstat", sagt der Vorsitzende Richter Volker Wagner.
Schlagzeilen zum Feierabend
Merkels Ehemann und Politiker erhalten weißes Pulver
Wenige Tage vor der Bundestagswahl schicken Unbekannte Briefe mit weißem Pulver:
Dieses geht etwa an den Ehemann von Kanzlerin Angela Merkel, Joachim Sauer.
Betroffen sind auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, der Berliner Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele sowie mindestens zwei weitere Politiker.
Die Briefe wurden laut Polizei von Kriminaltechnikern untersucht, das Pulver stellte sich als ungefährlich heraus.
Der Brief an Ströbele, über den der Politiker twitterte, enthielt auch eine Rasierklinge und einige arabische Worte, darunter "tödlich, nicht berühren". Der Staatsschutz ermittelt in dem Fall.
Trump plant neue Nordkorea-Sanktionen
US-Präsident Donald Trump will im Konflikt um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm neue Strafmaßnahmen gegen das Land verhängen. "Wir werden weitere Sanktionen gegen Nordkorea verhängen", sagte Trump am Rande der UN-Generaldebatte in New York. Auch die EU arbeitet derweil neue Sanktionen aus.
Dortmund räumt Hochhauskomplex
Aus Brandschutzgründen will die Dortmunder Feuerwehr noch heute einen großen Hochhauskomplex mit mehr als 400 Wohnungen räumen. Die Sicherheitsmaßnahme diene dem Schutz der dort lebenden Mieter und sei laut Beschluss des Krisenstabes unumgänglich, teilte die Stadtverwaltung mit. Mehr dazu lesen Sie hier.
Hacker knackten US-Börsenaufsicht für illegale Geschäfte
Ein Hackerangriff auf die US-Börsenaufsicht SEC hat Cyberkriminellen womöglich illegale Finanzgeschäfte ermöglicht:
Laut SEC war eine Datenbank von dem Hackerangriff im vergangenen Jahr betroffen.
Die Angreifer nutzten demnach eine Softwarelücke aus, die kurz nach der Cyberattacke geschlossen wurde.
Pikant an der Geschichte ist nun, dass die SEC jetzt erst feststellt, dass die erbeuteten Daten die Angreifer möglicherweise in die Lage versetzten, "illegale Gewinne" aus Börsengeschäften zu erzielen.
Mein Kollege aus der Wirtschaft hat eine ausführliche Geschichte dazu geschrieben.
Raser fährt mit fast 200 km/h durch Hamburg
Raser gefährden Leben - nicht selten auch das von Unbeteiligten. In Hamburg lieferten sich nun ein paar dieser - Entschuldigung für den Ausdruck - Vollidioten ein illegales Rennen:
Beamten waren zwei Autos aufgefallen, die am Mittwochabend auf der B5 stadteinwärts rasten.
Messungen ergaben einen Wert von 197 km/h - erlaubt sind auf der Strecke nur 80 Kilometer pro Stunde.
Ein Wagen konnte gestoppt werden, der andere entkam.
Der 31-jährige Fahrer muss nun mit einem Fahrverbot von drei Monaten rechnen, 1200 Euro Geldbuße und zwei Punkten in Flensburg.
Iran kritisiert "Leichtigkeit des Gehirns" von Trump
Die Rede von US-Präsident Donald Trump vor den Vereinten Nationen ging um die Welt - vor allem wegen seiner Drohungen gegen Nordkorea. Dabei waren seine Äußerungen über den Iran nicht weniger brenzlig. Teheran schlägt nun zurück - verbal:
Ajatollah Ali Chamenei, der mächtigste Mann des Landes, bezeichnet Trumps Rede als Zeichen seiner Wut und "Leichtigkeit des Gehirns".
Im Persischen bedeutet dieser Ausdruck so viel wie nicht mehr ganz bei Trost sein - klingt aber irgendwie poetischer.
"Die Rede war billig, hässlich, dumm und unwahr ... das war nicht ein Zeichen seiner Macht, sondern der Wut, Verzweiflung und Leichtigkeit des Gehirns", lautet Chameneis Zitat.
Trump hatte den Iran unter anderem als wirtschaftlich ausgelaugten Schurkenstaat bezeichnet, der vor allem Gewalt exportiere. Das Atomabkommen mit dem Land nannte er eine Erniedrigung für die USA - bald will er verkünden, wie er damit verfährt. Mir schwant nichts Gutes.
Flugsicherung baut Funkfeuer ab
Der Luftverkehr über Deutschland wird bisher über Funk gesteuert. Das will die deutsche Flugsicherung langfristig ändern:
Die An- und Abflugverfahren an 60 deutschen Flughäfen sollen auf Satelliten-Navigation umgestellt werden, teilt das bundeseigene Unternehmen in Langen bei Frankfurt mit.
Inzwischen sind 95 Prozent der in Deutschland verkehrenden Maschinen mit entsprechenden Transpondern ausgerüstet.
Die Umstellung von 2800 An- und Abflugverfahren soll bis 2029 über die Bühne gehen - dabei sollen einige der 58 über die Republik verteilten UKW-Drehfunkfeuer geschlossen werden.
Schichtwechsel
Liebe Leser! Volker Petersen hat sich aufgemacht in dieses undefinierbare Wetter, das derzeit in Berlin herrscht. Nun übernimmt Markus Lippold und versorgt Sie bis in die Nacht mit neuen Nachrichten.
Schlafen ist jetzt Kunst
Endlich, muss man sagen. Endlich bekommt der Schlaf den Stellenwert in der Kunst, den er verdient. Bislang nur als Randerscheinung in Form von zum Schlafen langweiliger Kunstwerke vorhanden, wird er nun selbst Thema.
Mit den verschiedenen Facetten von Schlaf beschäftigt sich ab Sonntag eine Ausstellung im Bremer "Paula Modersohn-Becker Museum".
Dabei treten 70 Gemälde, Fotografien, Installationen und Skulpturen von Künstlern wie Edvard Munch, Andy Warhol, Gustave Courbet und Sophie Calle in den Dialog.
Die Ausstellung "Schlaf. Eine produktive Zeitverschwendung" sei die erste in Deutschland, die sich diesem Thema aus künstlerischer Sicht umfassend widme, sagte Museumsdirektor Frank Schmidt.
Zehntausende Katalanen halten Polizei in Schach
Die gestrigen Razzien in Barcelona haben eine Schockwelle durch Katalonien gesendet. Zehntausende Anhänger der separatistischen Regionalregierung haben gestern in vielen Städten dagegen protestiert. Vor dem katalanischen Wirtschaftsministerium in Barcelona hatten sich aus Protest gegen die Razzien nach Angaben aus dem Rathaus der Stadt zeitweilig mehr als 40.000 Menschen versammelt. Auch in Lleida rund 150 Kilometer westlich der Metropole waren nachts nach Medienberichten noch rund 10.000 Unabhängigkeitsbefürworter auf den Straßen.
Asylbewerber hielt 250 Züge auf
Um auf seine Situation aufmerksam zu machen, klettert ein abgelehnter Asylbewerber auf einen der Stahlbögen der Hohenzollernbrücke in Köln. Die Protestaktion hat massive Folgen für den Bahnverkehr.
Weil die Brücke durch die Aktion gesperrt werden musste, waren 234 Züge verspätet, 11 Bahnen seien ausgefallen, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei.
Der 29-jährige Iraner wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, da er eine gültige Aufenthaltserlaubnis und einen Wohnsitz in Hamburg habe. Er werde wegen Störung öffentlicher Betriebe angezeigt.
Willy Brandt tritt in die SPD ein
Moment, Willy Brandt? In der SPD? Folgendes: In Nürnberg ist ein junger Mann der Partei beigetreten, deren größtes Idol Willy Brandt ist. Und er selbst heißt ebenfalls Willy Brandt.
Dem jungen Willy Brandt wurde in Nürnberg das rote Parteibuch vor der Plastik seines großen Namensvetters überreicht.
Ähnlichkeiten mit dem ehemaligen SPD-Parteichef hat der fränkische Willy Brandt allerdings nicht: Er trägt Vollbart und erschien lässig mit Turnschuhen und Pulli zum Fototermin. Er wolle für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit einstehen, sagte der frischgebackene Sozialdemokrat.
Geschäftsleute protestieren gegen "Helmut-Kohl-Allee"
Die Stadt Ludwigshafen möchte ihren Sohn Helmut Kohl auf klassische Weise ehren - eine Straße soll in "Helmut-Kohl-Allee" umbenannt werden. Doch dagegen regt sich Widerstand.
Die Gegner des Vorhabens in Ludwigshafen überreichten eine Petition, die nach ihren Angaben von mehr als 1000 Menschen unterstützt wird.
Darin beklagen sie, dass eine zweite Straßenumbenennung innerhalb weniger Jahre mit einem großen Zeit- und Kostenaufwand für die ansässigen Geschäftsleute verbunden sei.
"Uns geht es nicht um eine politische Äußerung", betonte die Unternehmerin Birgit Stärk, deren Geschäft an der Rheinallee liegt.
Mehr als jeder Vierte geht nicht zum Zahnarzt
Die Angst vorm Zahnarzt ist in Deutschland verbreiteter, als ich gedacht hätte. Gut ein Viertel der Deutschen gehen einfach nicht hin.
Rund 28 Prozent der gesetzlich Versicherten suchten im Jahr 2015 keine Zahnpraxis auf, wie die Krankenkasse Barmer mitteilte. Die meisten Zahnarztmuffel gibt es demnach im Saarland und in Bremen.
Im Saarland nahmen 2015 nur 65,1 Prozent der Versicherten einen Zahnarzttermin wahr. Ähnlich sah es in Bremen (67,5 Prozent), Hamburg (68,3 Prozent) und Rheinland-Pfalz (68,6 Prozent) aus.
Schlagzeilen zur Mittagspause
Vorbereitung der Pkw-Maut kostet 12 Millionen Euro
Bis die Pkw-Maut wirken kann, muss einiges getan werden - und die Kosten dieser Vorbereitungen belaufen sich mittlerweile auf zwölf Millionen Euro. Der Großteil der in den Jahren 2016 und 2017 ausgegebenen 12,2 Millionen Euro wurde mit 9,1 Millionen Euro für Sachverständige und Beratung verwendet, wie das Bundesverkehrsministerium auf eine Frage der Linksfraktion antwortete. Wie genau die Maut in Kraft tritt, soll aber erst nach der Bundestagswahl entschieden werden. Falls Grüne und FDP in die Regierung kommen, wollen sie sie abschaffen. Die SPD auch - aber die hat sie bisher ja auch nicht verhindert.
Bahn luchst Fernbussen wieder Passagiere ab
Mit teils ungewohnt günstigen Angeboten lockt die Bahn wieder Fahrgäste aus den Fernbussen in ihre Züge. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, stagniert der Fernbusverkehr im ersten Halbjahr 2017, dafür tummeln sich mehr Passagiere in den DB-Waggons. Etwa 68 Millionen Reisende nutzten die Bahn im Fernverkehr, ein Plus von 2,4 Prozent. Im Fernbus-Verkehr wurden 10,6 Millionen Mitfahrer gezählt, das war ein Minus von 0,5 Prozent im Halbjahresvergleich.
Gigantischer Eisberg treibt aufs Meer hinaus
Von der Antarktis ist ein riesiger Eisberg abgebrochen und treibt aufs Meer hinaus. Der Berg mit der Nummer A68 ist bereits 18 Kilometer vom Larsen-C-Schelfeis weggedriftet. A68 ist einer der größten Eisberge, die je beobachtet wurden. Er wiegt nach Angaben von Experten des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts mehr als eine Gigatonne und hat eine Fläche von 5800 Quadratkilometern. Der Eisberg war im Juli in der Westantarktis abgebrochen und hatte sich über Wochen kaum von der Stelle bewegt.
Zug in Rheinland-Pfalz mit Gegenstand beschossen
Die Polizei in Kaiserslautern steht vor einem kniffligen Fall. Zwischen den Orten Steinwenden und Obermohr wurde gestern Abend eine Regionalbahn beschossen. Die Frage ist nun: womit? Eine Reisende meldete laut Bundespolizei dem Lokführer, dass der Zug von etwas getroffen worden und eine Scheibe gesprungen sei. Beamte stellten danach eine etwa zwei Zentimeter große Einschlagstelle fest, der äußere Teil der doppelt verglasten Scheibe war komplett zersplittert.
Das war der Morgen bei n-tv
Miss-Honduras-Mörder muss 45 Jahre hinter Gitter
Der Mörder der ehemaligen Miss Honduras und ihrer Schwester soll für Jahrzehnte hinter Gittern verschwinden. Der Oberste Gerichtshof in Tegucigalpa verurteilte den 31-jährigen Angeklagten zu 45 Jahren Gefängnis.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er im November 2014 die damalige Miss Honduras María José Alvarado Muñoz sowie ihre Schwester Sofía Trinidad Alvarado erschoss.
Bei dem Verurteilten handelt es sich um den Verlobten der Schwester der Schönheitskönigin. Den Ermittlungen zufolge hatte er die Schwestern zu einer Geburtstagsfeier eingeladen.
Aus Wut darüber, dass seine Verlobte bei dem Fest mit einem anderen Mann getanzt hatte, habe er die beiden Frauen umgebracht.
Pegida-Prediger Pirincci wegen Tiraden vor Gericht
Akif Pirincci muss vor Gericht - dorthin brachten den deutsch-türkischen Autor seine Reden und Tiraden auf Pegida-Veranstaltungen in Dresden. Die Anklage wirft dem 57-Jährigen Volksverhetzung vor. Es sind zwei Verhandlungstage geplant, das Urteil soll voraussichtlich am 2. Oktober fallen.
Pirincci trat am 19. Oktober 2015 auf Einladung von Pegida-Gründer Lutz Bachmann bei einer Kundgebung in Dresden auf.
Pirincci sprach von einer "Moslem-Müllhalde" in Deutschland und warnte vor einer "Umvolkung" - ein Begriff aus dem NS-Vokabular, den Rechtsextreme und Rechtspopulisten in der aktuellen Flüchtlingsdebatte benutzen.
Weiter bezeichnete Pirincci Flüchtlinge als "Invasoren" sowie "künftige Schlachter" Deutschlands und nannte Politiker "Gauleiter gegen das eigene Volk".
Bund, Länder und Gemeinden bauen Schulden ab
Das billige Geld macht es möglich - in Deutschland bauen Bund, Länder und Gemeinden Schulden ab. Nun ist die Gesamtschuld unter zwei Billionen Euro gesunken, teilt das Statistische Bundesamt mit. Das sind 2,9 Prozent oder 59,8 Milliarden Euro weniger als ein Jahr zuvor. "Dabei konnten alle Ebenen ihre Verschuldung verringern", so die Statistiker.
Die Schuldenlast des Bundes nahm besonders deutlich ab. Sie sank um 3,3 Prozent auf 1,244 Billionen Euro ab.
Die Verbindlichkeiten der Länder schrumpften um 2,4 Prozent auf 592,9 Milliarden Euro.
Die Gemeinden und Gemeindeverbände verringerten ihre Schuldenlast um 1,8 Prozent auf 140,5 Milliarden Euro
Schlagzeilen am Morgen
Lufthansa bietet nicht für Langstreckenjets von Air Berlin
Die Lufthansa hält sich beim Bietergefecht um Air Berlin deutlicher zurück als erwartet. Die Fluggesellschaft will vom insolventen Konkurrenten keine Langstreckenjets übernehmen. Man habe ein Angebot für 38 bereits angemietete Mittelstrecken-Maschinen sowie 20 bis 40 weitere Flugzeuge abgegeben, nicht aber für die Langstrecke, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr.
Mehr dazu hier.
Bill Gates entschuldigt sich für Strg + Alt + Entf
Tja, diese Tastenkombination gibt es schon so lange, dass man sie gar nicht mehr hinterfragt. Aber Steuerung, Alt und Entfernen zu drücken ist schon relativ umständlich, um den Taskmanager in Windows zu starten und den Benutzer zu wechseln. Das tut Microsoft-Gründer und Windows-Erfinder Bill Gates leid, wie er nun bei einer Veranstaltung in New York sagte. "Wenn ich etwas verändern könnte, würde ich das auf eine einzelne Taste legen", sagte er laut CNN. Vor vier Jahren sagte er demnach bereits, dass die Schuld bei IBM liege. Der Computerhersteller habe sich geweigert, eine einzelne Taste in die Tastatur zu integrieren. Bei Apple gebe es das hingegen. Solange wir Strg + Alt + Entf nicht wegen Programmabstürzen verwenden müssen, geht's ja noch.
Viele Muslime fühlen sich in EU zu Hause
Es ist nicht so, dass die in die EU eingewanderten Muslime immer nur an die Heimat denken würden. Die meisten fühlen sich in ihrer Wahlheimat zu Hause, wie eine neue Studie zeigt.
76 Prozent der Befragten hätten ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu dem Land, in dem sie lebten, geht aus einer nun veröffentlichten Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) hervor.
"Die Ergebnisse unserer Erhebung zeigen, dass es vollkommen lächerlich ist, zu behaupten, Muslime wären in unseren Gesellschaften nicht integriert", erklärte FRA-Direktor Michael O'Flaherty.
In der oft diskutierten Frage zur Einstellung von Muslimen gegenüber Gewalt gibt die Umfrage eine zunächst recht deutliche Antwort: 87 Prozent lehnen Gewalt als Reaktion auf rassistische oder religiöse Beleidigungen als "niemals akzeptabel" ab. Aber elf Prozent finden Gewalt in diesem Zusammenhang "manchmal" oder "immer" akzeptabel.
Vizechef von Front National verlässt Partei
Beim rechtsextremen französischen Front National, der Partei von Marine LePen, gibt es einen Wechsel an der Spitze. Vizeparteichef Florian Philippot verlässt die Partei - Hintergrund ist ein Führungsstreit.
Google übernimmt Teile von HTC
Mit dem "Pixel" hat Google schon sein eigenes Top-Smartphone herausgebracht - da könnte künftig noch mehr kommen. Denn nun hat der Suchmaschinengigant Teile des Telefonherstellers HTC übernommen. Die Taiwanesen geben einen Teil ihres Unternehmens an die Kalifornier ab. Dafür bekommen sie 1,1 Milliarden Dollar. HTC hatte auch schon das Pixel entwickelt und gebaut, als Markenname stand aber "Google" drauf. Nun wechselt das "Pixel"-Team zu Google, ebenso erhält der US-Konzern Patente von HTC.
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Kalifornien verklagt US-Regierung wegen Mexiko-Mauer
Kalifornien ist der wirtschaftsstärkste und bevölkerungsreichste US-Bundesstaat und eine Bastion der Demokraten - insofern hat es einiges Gewicht, dass dessen Regierung nun die Bundesregierung in Washington verklagt. Es geht um die geplante Mauer an der Grenze zu Mexiko, die zum Teil auch in Kalifornien entstehen soll.
Die US-Regierung habe sich nicht an die Umweltauflagen gehalten, argumentierte Generalstaatsanwalt Xavier Becerra laut "L.A. Times". Zudem sei es ihr nicht erlaubt, das Bauprojekt in den Landkreisen San Diego und Imperial County zu genehmigen.
"Niemand darf die Gesetze ignorieren. Nicht mal der Präsident der Vereinigten Staaten", sagte Becerra laut Bericht. "Die Grenze zwischen den USA und Mexiko ist 2000 Meilen lang. Die Liste der Gesetze, die die Regierung des Präsidenten verletzt hat, um seine Wahlkampf-Mauer zu bauen, ist fast genauso lang."
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Gerhard Schröder hat neue Liebe
Vier Ehen hat Altkanzler Gerhard Schröder schon hinter sich - jetzt hat der 73-Jährige eine neue Liebe. Wie "Bild" und "Bunte" berichten und seine Ex-Frau Doris Schröder-Köpf via Facebook bestätigte, handelt es sich um eine Koreanerin, genauer gesagt die 48-jährige Dolmetscherin Kim Soyeon. Sie lebe in Seoul und habe Schröder vor anderthalb Jahren in Südkorea kennengelernt. Schröder-Köpf schrieb, Kim sei der Anlass, "wenn auch nicht der alleinige Grund", für die Trennung gewesen.
Mehr dazu hier.
Iran: Zukunft von Atomabkommen noch offen
Wie viel ist das Atomabkommen mit dem Iran noch wert, nachdem US-Präsident Trump es in der Generaldebatte der UN verbal in der Luft zerrissen hat? Dem Iran zufolge ist darüber noch nicht entschieden.
Die Frage war auch nach einem Treffen der Außenminister der USA, Russlands, China, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und der EU aufgekommen.
Irans Außenminister Mohamed Dschawad Sarif kritisierte, die USA hätten das Abkommen nicht eingehalten, obwohl auch sie verpflichtet seien, den Deal umzusetzen.
"Was die Amerikaner (über das Abkommen) sagen, ist absurd (...) und was sie tun, zeigt, dass sie außenpolitisch realitätsfremd sind", monierte der iranische Chefdiplomat.
Das wird heute wichtig
Frühmorgens kann man wieder Handschuhe tragen. Und Schal. Es ist so weit. Wurde aber auch höchste Zeit, wo nun schon seit Wochen Lebkuchenherzen und Stollen im Supermarktregal liegen. Das wird heute noch wichtiger:
In New York geht die Generaldebatte der UN weiter.
In Spanien blicken alle nach Katalonien - wie geht es dort nach den Festnahmen und Massenprotesten weiter? Wir berichten.
Für die Satire-Partei "Die Partei" geht es heute um alles - das Berliner Verwaltungsgericht fällt voraussichtlich ein Urteil über eine umstrittene Strafzahlung von 383.700 Euro. Muss die Partei tatsächlich zahlen, wäre sie pleite, sagte Parteigründer Martin Sonneborn.
Wir beobachten Hurrikan "Maria".
Außerdem berichten wir weiter über die Folgen des Erdbebens in Mexiko.
Ich heiße Volker Petersen und wünsche einen guten Morgen. Kontakt unter volker.petersen (at)nama.de oder bei Twitter. Nun denn.
Hoffnung auf Altweibersommer
Die feuchtkalte Luft der letzten Tage wird nun nach Osten abgedrängt. Denn von Westen her kommt ein Ableger des Azorenhochs mit dem klangvollen Namen "Queena" zu uns. Somit löst sich nach kalter Nacht örtlicher Frühnebel in den Vormittagsstunden auf und dann scheint im Südwesten die Sonne. Sonst bringt der Tag einen Mix aus Sonne und Wolken, aber nur an der Oder und Neiße sowie im Erzgebirge noch vereinzelt Schauer möglich. Die Höchstwerte steigen auf 13 bis 18, am Rhein bis auf 20 Grad. Auch in den kommenden Tagen erwartet uns ein Hauch vom Altweibersommer. Morgen gibt es nach Frühnebel zeitweise, im Süden und Südwesten häufig Sonne bei 15 bis 22 Grad. Am Wochenende bleibt es vor allem in der Westhälfte freundlich bis sonnig bei 18 bis 23 Grad. Im äußersten Osten sowie an den Alpen sind mehr Wolken und einzelne Regenschauer unterwegs. Hier werden 14 bis 18 Grad erreicht. Damit wünsche ich Ihnen einen schönen Tag. Ihr Björn Alexander