Russen hatten leichtes SpielSelenskyj: Munitionsmangel behinderte Luftabwehr

Gezielt attackieren die Russen ukrainische Energieanlagen. Die Folgen sind katastrophal: Hunderttausende sind bei eisigen Temperaturen ohne Strom und Heizung. Dabei hätten viele der jüngsten Ausfälle vermieden werden können.
Einige der von den westlichen Verbündeten an die Ukraine gelieferten Luftabwehrsysteme konnten die jüngsten russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Landes nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj wegen eines Munitionsmangels nicht abwehren. "Bis heute Morgen hatten wir mehrere Systeme ohne Raketen", erklärte Selenskyj bei einer Pressekonferenz. "Heute kann ich das offen sagen, denn heute habe ich diese Raketen erhalten", fügte Selenskyj hinzu.
Russland attackiert seit Monaten insbesondere die ukrainische Energieinfrastruktur und hat bereits ganze Städte in Dunkelheit und Kälte getaucht. Auch Teile der Hauptstadt Kiew waren zuletzt stark betroffen. Viele Menschen können nur sporadisch oder gar nicht heizen - bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Am Donnerstagabend erklärte Selenskyj in der Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine seien nach einem russischen Luftangriff 440.000 Menschen ohne Strom.
Internationale Hilfsorganisationen warnen angesichts der eisigen Temperaturen in der Ukraine vor der Gefahr einer Unterkühlung für Kinder. Die Notvorräte an Stromgeneratoren gingen nach russischen Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur zur Neige, teilte das UN-Kinderhilfswerk Unicef mit. Die Temperaturen sinken nachts auf bis zu minus 18 Grad. "Kinder und Familien befinden sich in einem ständigen Überlebensmodus", sagte der Unicef-Landesbeauftragte für die Ukraine, Munir Mammadzade.
Ingenieure und Rettungskräfte müssen fieberhaft den Betrieb von Kraftwerken und Umspannwerken wiederherstellen, die in den vergangenen Tagen von russischen Drohnen und Raketen beschädigt worden waren. Aus Kiew gibt es Berichte über abgeschaltete Ampeln, geschlossene Geschäfte und Menschen, die in vom Staat aufgestellten Zelten ihre Mobiltelefone aufladen.
Mehr Strom aus dem Ausland
Energieminister Denys Schmyhal ordnete angesichts der Lage mehr Stromimporte aus dem Ausland an. "Staatliche Unternehmen, insbesondere die Ukrainische Eisenbahn und der Gasversorger Naftogaz, müssen dringend dafür sorgen, dass während der Heizperiode 2025-26 die Menge Strom beschafft wird, die nötig ist, um mindestens 50 Prozent des Gesamtverbrauchs zu decken", erklärte Schmyhal.
Der Minister machte keine Angaben dazu, wie viel Strom die Ukraine derzeit jeweils herstellt oder importiert - die Behörden halten die Zahlen wegen des Kriegs unter Verschluss. Laut Schmyhal gibt es in dem Land aber kein einziges voll funktionsfähiges Kraftwerk mehr.
Regierungschefin Julia Swyrydenko verkündete derweil eine Lockerung der zu Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 verhängten Ausgangssperren, damit die Menschen Notfallzentren aufsuchen können, in denen es Strom und Heizung gibt.