Auto

So gut wie BMW und Mercedes?Weltpremiere des neuen SUV Volvo EX60 - Plattform neu, Software neu

23.01.2026, 07:33 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich, Stockholm
00:00 / 06:21
Volvo_EX60_CC_VO
Der neue Volvo EX60 sortiert sich auch optisch zwischen EX30 und EX90 ein. Der hier abgebildete Cross Country wirkt einen Hauch rustikaler. (Foto: Volvo)

Wenn Volvo mit der deutschen Mittelklasse-Konkurrenz mithalten möchte, muss der neue EX60 ein richtiger Kracher werden. Bringt er das Zeug dazu mit? ntv.de war live bei der Weltpremiere und hat eine Bestandsaufnahme gemacht.

Als Premiumautohersteller hat man es nicht leicht. Zumindest dann nicht, wenn man gegen die deutsche Konkurrenz antreten muss. Denn sowohl BMW iX3 als auch Mercedes GLC legen in der Mittelklasse derart vor, dass man nur so staunt. Und das zeigt sich keineswegs bloß in der Summe der Features in der Ausstattungsliste, sondern darin, wie präzise und feingeistig die Ingenieure arbeiten bei Antrieb, Fahrwerk sowie Lenkung. Oder bei der Materialauswahl und dem Infotainment.

Selbst die Mittelklasse ist inzwischen so technisch geworden, dass einem der Atem stockt. Volvo gehört zu den wenigen Importeuren, die in dieser Liga mitspielen - zumindest ist das ihr Anspruch.

Volvo_EX60_CC_SE
Vor allem in der Seitenansicht erkennt man die verkleideten Radhäuser der Trekking-Variante Cross Country sehr schön. Sie kommt mit Luftfederung, um das Fahrzeugniveau anpassen zu können. (Foto: Volvo)

Und wie man jetzt am taufrischen EX60 sieht, stimmt die Richtung schon mal. Der Schwede wirkt auf den ersten Blick ausgeprägt hochwertig und dürfte designaffine Menschen ansprechen. Von der Formensprache reiht sich der EX60 nahtlos zwischen EX30 und EX90 ein - das gilt insbesondere für die Front. Bei der Heckgestaltung lässt sich eine dezente Weiterentwicklung erkennen, augenfällig ist der leichte Versatz zwischen dem oberen sowie dem unteren Teil der LED-Einheit.

Verschiedene Animationsszenarien unterstreichen den künstlerisch-technischen Anspruch. Neuartige Türgriffe in minimalistischer Ausprägung reagieren auf elektrische Impulse - in Europa geht das noch, aber hier muss sich Volvo für China eine andere Lösung einfallen lassen, denn eine veränderte Gesetzgebung dort verlangt in Zukunft mechanische Öffner im Sinne der Sicherheit.

Volvo_EX60_TG
Fancy Türgriffe zieren den EX60. In China sind solche schick aussehenden Kniffe bald vorbei aufgrund gesetzlicher Sicherheitsrichtlinien. (Foto: Volvo)

Volvos ästhetische Ader macht sich auch innen bemerkbar. Der Passagier trifft bei der schwedischen Marke traditionell auf eine ziemlich ausgefeilte Innenarchitektur. Beim EX60 haben sich Kreative gemeinsam mit Materialspezialisten an einen Tisch gesetzt und dem bisherigen Raumkonzept noch einen letzten Schliff verpasst.

Protagonist bleibt weiterhin der große Zentralscreen in der Mitte. Damit der Fahrer aber nicht ständig herüberlunzen muss, nur um zu erfahren, wie schnell er unterwegs ist (wie beim EX30), gibt es auch noch einen zusätzlichen Monitor als Kombiinstrument. Der ist jetzt allerdings viel weiter in Richtung Windschutzscheibe angeordnet, um weitsichtigen Usern entgegenzukommen.

Volvo_EX60_IN
Im neuen Volvo EX60 geht es zu wie in einer Designerwohnung. Die Materialien wirken auf den ersten Blick wertig. (Foto: Volvo)

EX60 soll ultraeffizient sein

Ein erstes kurzes Probesitzen bescheinigt den Sesseln vorn die nötige Bequemlichkeit und dem Abstand zwischen Vordersitzlehne sowie Rückbank im Fond das passende Maß, um dem Versprechen der Techniker Rechnung zu tragen. Die sagen nämlich, dass der EX60 bis zu 810 Kilometer weit fahren soll. Diese Reichweite gilt für das 680 PS starke Topmodell P12 AWD Electric mit 112 kWh (netto) Batteriekapazität.

Da diese Angabe allerdings auf dem kombinierten WLTP-Verbrauch beruht, der wiederum mit 16 kWh je 100 Kilometer beziffert wird, darf man Interessenten sicherheitshalber schon mal warnen: Zumindest unter praxisnahen Bedingungen wird daraus vermutlich nichts, auch wenn die Marketingabteilung eine noch so ausgeprägte Effizienz verspricht. Denn sogar moderate Autobahntempi crashen jeden WLTP-Kombi-Verbrauch, und wenn es dann auch noch frischer draußen ist, hat sich das Thema erledigt.

Dass es möglich sein soll, den Akku dank 800-Volt-Technologie binnen 19 Minuten von 10 auf 80 Prozent zu laden, ist plausibel, sofern die Konditionierung passt. Und natürlich bekommt der Kunde auch zivilere EX-60-Versionen: Es geht los mit dem P6 Electric - immerhin auch schon 374 PS stark. Er kommt mit 80 kWh netto an Bord und erlaubt bis zu 320 kW Top-Ladeleistung. Der mit 510 PS deutlich stärkere P10 AWD schöpft aus 91 kWh netto. Die beiden größeren Akkus laden übrigens mit bis zu 370 kW.

Wer Längsdynamik mag, ist bei dieser Mittelklasse freilich ebenfalls richtig. Schon die Basis mit Heckantrieb benötigt nur 5,9 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h, während die Allradler binnen 4,6 respektive 3,9 Sekunden auf Landstraßen-Tempo beschleunigen. Angesichts solch brutaler Werte mutet es nach wie vor befremdlich an, dass bei 180 km/h künstlich eingeregelt wird. Wer das nicht möchte, könnte bei künftigen Polestar-Produkten ein neues Zuhause finden.

Volvo_EX60_HI
Mithilfe leicht abgewandelten Lichtdesigns wird die neue Volvo-Mittelklasse wiedererkennbar. (Foto: Volvo)

Dafür soll der erstmals auf der sogenannten SPA-3-Plattform basierende Schwede seinen Usern das Leben mit einem neuen Betriebssystem erleichtern. Mehr Rechenpower und die Integration von Google Gemini soll ermöglichen, sich mit dem Fahrzeug in natürlicher Sprache zu unterhalten.

Auch produktionsseitig erhöht Volvo Effizienz wie Performance, setzt das beispielsweise aus dem Tesla-Konzern bekannte Mega-Casting-Prinzip um, bei dem die Anzahl der zu verarbeitenden Teile im Produktionsprozess erheblich reduziert werden können - diese Technik erlaubt die Fertigung großer Aluminium-Druckgussteile. Moderne Cell-to-Body-Technologie, bei der die Batterie als hochintegriertes Bauteil mit der Karosse verschmilzt, hilft nicht zuletzt, Gewicht zu sparen. Allerdings bringt die 4,80 Meter lange Mittelklasse dennoch 2,1 bis 2,4 Tonnen auf die Waage.

Und während Volvo sonst für lange Vorlaufzeiten bekannt ist, werden hier Nägel mit Köpfen gemacht: Der in Göteborg produzierte EX60 ist sogar schon konfigurierbar zu Preisen ab 62.990 Euro. Die etwas burschikoser auftretende Cross-Country-Ausgabe mit Luftfederung startet wohl etwas später. Für die jetzt bereits bestellbaren Varianten soll die Lieferzeit sieben bis acht Monate betragen.

Quelle: ntv.de

Volvo-Modelle