Infografik

Auffälliges Nord-Süd-Gefälle Wo Deutschland im Lockdown vorankommt

42094205.jpg

Niedrige Fallzahlen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern: "Bisher einfach wahnsinnig Glück gehabt."

(Foto: picture alliance / dpa)

Die verschärften Corona-Auflagen zeigen in Deutschland nur zaghaft Wirkung. Hunderte Regionen liegen beim Fallaufkommen weiter massiv über der Obergrenze. Nur wenige Landstriche im Norden verzeichnen Erfolge. Was läuft dort anders?

Der November-Lockdown in Deutschland ist bereits mehr als drei volle Wochen in Kraft. Trotzdem gehen die Fallzahlen in der Summe kaum zurück. Bundesweit bewegen sich kurz vor dem anstehenden Bund-Länder-Treffen zur Neuausrichtung der deutschen Pandemie-Abwehr noch knapp 91 Prozent der 412 Städte, Bezirke und Kreise über der Obergrenze. Insgesamt 374 Regionen überschreiten den jüngsten Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge das Limit von 50 Neuinfektionen im zurückliegenden Zeitraum von sieben Tagen je 100.000 Einwohner.

Die Zahlen werfen dunkle Schatten auf die bevorstehende Weihnachtszeit und die Zeit bis zum Frühjahr: Kurz vor dem Corona-Krisengipfel am Mittwoch, an dem die Länderregierungen mit dem Bund bundesweit einheitliche Regelungen im Umgang mit Lockdown-Maßnahmen vereinbaren wollen, gibt es weiter keinen Anlass zur Entwarnung.

*Datenschutz

Einzelne Landstriche Deutschlands liegen mit ihren Fallzahlen teils um ein Vielfaches über dem Limit. Ginge es allein nach den vereinbarten Obergrenzen-Regeln, müssten in Dutzenden Städten und Kreisen längst sehr viel härtere Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungswelle gelten. Bisher ist eine schnelle Trendwende bei der Sieben-Tage-Inzidenz nicht absehbar.

Ein Blick auf die Zahlen aus dem Berchtesgadener Land zum Beispiel zeigt, dass selbst energische Einschränkungen das Fallaufkommen nicht rasch unter die Obergrenze von 50 drücken können. Die Region im Grenzgebiet zu Österreich ging bereits Mitte Oktober in den verschärften Lockdown, inklusive Ausgangsbeschränkungen und gravierender Folgen für die lokale Wirtschaft. Seitdem hat sich die Sieben-Tage-Inzidenz zwar halbiert, liegt aber mit aktuell 156,7 noch immer weit über dem Limit.

*Datenschutz

Es gibt allerdings auch Lichtblicke: Die Zahl der Neuinfektionen steigt bundesweit nicht mehr an. Die exponentielle Ausbreitung konnte durch die seit 2. November geltenden Maßnahmen zumindest gebremst werden. In den zurückliegenden sieben Tagen bis Sonntag, den 22. November, meldeten die Landesbehörden in der Summe erstmals weniger neue Ansteckungen (rund 128.600) als in der Vorwoche (rund 131.000). Das ist der erste Rückgang seit Anfang September.

Einzelne Nord-Regionen mit niedrigen Werten

In mehreren Bundesländern schwächt sich zudem das Fallaufkommen auf Landesebene tendenziell ab. Dabei zeigt sich ein bemerkenswertes Gefälle: Im hohen Norden scheinen die Aufrufe zur Kontaktbeschränkung und zur Einhaltung der AHA+L-Regeln insgesamt besser zu fruchten als etwa in Bayern, Baden-Württemberg oder auch Nordrhein-Westfalen. In einzelnen Regionen im Norden und Osten leuchten einzelne Regionen mit auffallend niedrigen Inzidenzwerten auf. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind derzeit die einzigen Bundesländer, die insgesamt unter der Obergrenze bleiben.

Liegt das nur an der geringeren Bevölkerungsdichte - oder an der generell geringeren wirtschaftlichen Aktivität in strukturschwachen Gebieten? Oder tun sich die Einwohner im Norden leichter damit, die seit Anfang November geltenden Corona-Auflagen einzuhalten? Die bundesweit niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz weist laut RKI derzeit der Kreis Schleswig-Flensburg an der deutsch-dänischen Grenze auf. Dort meldeten die Gesundheitsämter vor Ort in den zurückliegenden sieben Tagen nur sieben Neuinfektionen je 100.000 Einwohner ans RKI nach Berlin.

Auch die Kreise Plön (12,4) und Rendsburg-Eckernförde (23,3) - beide ebenfalls in Schleswig-Holstein - ragen mit Sieben-Tage-Inzidenzen unter 25 aus der Masse des deutschen Infektionsgeschehens heraus. Warum diese Regionen bei den Ansteckungen bundesweit vergleichsweise gut dastehen, ist auch für die Experten vor Ort nicht leicht zu erklären.

"Wir sind eine ländliche, nicht so dicht besiedelte Region", meinte etwa Josef Weigl, Leiter des Gesundheitsamts im Kreis Plön. Aufgrund des geringen Fallaufkommens könnten seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Kontaktnachverfolgung derzeit noch "sehr genau" hinschauen. "Das spielt sicherlich beides eine Rolle", sagte er. "Aber ansonsten haben wir bisher einfach wahnsinnig Glück gehabt."

Quelle: ntv.de