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Corinna Harfouch wird 60 "Altern scheint ein Modeproblem zu sein"

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Kann mit der Diskussion ums Älterwerden nichts anfangen: Corinna Harfouch.

dpa

Herbe Schönheit mit großer Ausstrahlungskraft: Corinna Harfouch verleiht ihren Film- und Theaterfiguren stets eine temperamentvolle Abgründigkeit. Jetzt feiert die Schauspielerin ihren 60. Geburtstag und hat gar keine Lust, übers Alter zu reden.

Der wache Blick immer ein bisschen kritisch und distanziert. Die Empfindsamkeit einer starken Frau stets hinter einer gewissen Ruppigkeit versteckt. Die von Corinna Harfouch im Film und auf der Theaterbühne gespielten Figuren fesseln den Zuschauer mit ihrem Temperament, ihrer Leidenschaft und Tiefgründigkeit.

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Uwe Ochsenknecht und Corinna Harfouch im Juli 2000 bei den Dreharbeiten zu "Vera Brühne".

(Foto: dpa)

Harfouch verkörpert oft gebrochene Charaktere in tragischen Geschichten. In "Was bleibt" von Hans-Christian Schmid, uraufgeführt bei der Berlinale, ist sie eine depressive Ehefrau und Mutter, die ihre Medikamente absetzen will. In "Im Winter ein Jahr" von Caroline Link sieht der Zuschauer sie als unnahbare und souverän wirkende, tatsächlich aber unsäglich trauernde Mutter, die ihren geliebten Sohn verloren hat. Im düsteren Ensemble-Film "Finsterworld" von Frauke Finsterwalder spielt sie eine elitäre Mutter und Ehefrau.

Für den 2011 gestorbenen Produzenten Bernd Eichinger, mit dem sie zeitweise auch privat liiert war, stand Harfouch als "Vera Brühne" unter doppeltem Mordverdacht vor der Kamera. In seinem Kinofilm "Der Untergang" über Hitlers letzte Tage spielte sie die fanatische Magda Goebbels.

In der Sat.1-Serie "Blond: Eva Blond!" ermittelte Harfouch als Kommissarin im Multikulti-Berlin. Im ARD-Film "Der Fall Bruckner" war Harfouch gerade als Jugendamtsmitarbeiterin zu sehen, die sich gegen alle Widerstände für einen kleinen, möglicherweise misshandelten Jungen einsetzt.

Zweites Standbein Theater

Neben dem Film ist das Theater seit Jahrzehnten Harfouchs zweites Standbein. Furore machte sie an der Berliner Volksbühne in Zuckmayers "Des Teufels General" in der Regie von Frank Castorf. Für ihren Part als Fliegergeneral Harras wurde sie mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring ausgezeichnet.

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Mit Kurt Naumann in der Berliner Volksbühne in "Des Teufels General" (1996).

(Foto: dpa)

Vor stets ausverkauftem Haus lieferte sie sich am Deutschen Theater Berlin in Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" einen Ehekrieg mit Ulrich Matthes. Im Dezember wird Harfouch in einem weiteren Theater-Duell auf der Bühne stehen: Am Schauspiel Stuttgart feiert das Mutter-Tochter-Drama "Herbstsonate" nach dem Film von Ingmar Bergman Premiere. Harfouchs Bühnen-Tochter wird Fritzi Haberlandt sein, Regie führt Jan Bosse. 

Der Einstieg in die Schauspielerei wurde der heute auf dem Land in Brandenburg lebenden Harfouch nicht leicht gemacht. Nach dem Abitur in der DDR wurde sie an der Schauspielschule zunächst abgelehnt. Daraufhin machte sie eine Lehre als Krankenschwester, studierte Textiltechnik, um dann schließlich doch 1978 an der Hochschule für Schauspielkunst Berlin zu landen. In der Hauptstadt bekam sie auch ihre ersten Theaterengagements.

Bereits in der DDR erfolgreich

Schon zu DDR-Zeiten wurde ihr Können mit Preisen gewürdigt. Kritik und Publikum überzeugte sie mit Filmen wie "Die Schauspielerin" von Siegfried Kühn und "Treffen in Travers" von Michael Gwisdek. Als sie Gwisdek 1985 heiratete, hatte Corinna Harfouch bereits ihre erste Ehe mit einem syrischen Informatiker hinter sich. Einen Tag nach ihrem Geburtstag steht die Schauspielerin wieder auf der Bühne: In der Weltraumoper "Leben auf der Baldrianrakete" ihres heutigen Lebensgefährten Wolfgang Krause Zwieback, die am 17. Oktober in Bonn Premiere feiert.

Um das Älterwerden wird nach Ansicht von Harfouch zu viel Aufhebens gemacht. "Altern ist eine Selbstverständlichkeit. Und deshalb sollte man sich angemessen damit arrangieren", so Harfouch bei 3sat.

"Natürlich bin ich Schauspielerin und versuche, mich in jeden Menschen hineinzuversetzen. Und das Altern scheint ja jetzt so ein Massenproblem - vielleicht ein Modeproblem - zu sein", so Harfouch. "Trotzdem nervt mich allzu viel Gerede darüber. Ich kann mit der ganzen Diskussion nichts anfangen."

Quelle: n-tv.de, Elke Vogel, dpa

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