Aus der DDR in die WeltArmin Mueller-Stahl: Künstler undercover
Eigentlich wollte Armin Mueller-Stahl Musiker werden. In der DDR wurde er dann aber als Schauspieler zum Star. Obwohl er auf diese Weise sogar die USA erobern konnte, hat ihn eine ganz andere Leidenschaft nie losgelassen: die Malerei.
Der Name Armin Mueller-Stahl ist Kindern der Nachkriegsgeneration ein Begriff. Als Schauspieler feierte er Erfolge in der DDR und der BRD, bevor er nach Kalifornien auswanderte und dort für einen Oscar als bester Nebendarsteller für seinen Auftritt in "Shine - Der Weg ins Licht" nominiert wurde. Den Wenigsten ist bekannt, dass Armin Mueller-Stahl seit mehr als einem halben Jahrhundert auch künstlerisch tätig ist. In den Drehpausen am Set oder zum Entspannen nach einem langen Arbeitstag zeichnet und malt der Superstar.
Mueller-Stahls Schaffen ist durch eine expressive Pinselführung und provokante Konturen gekennzeichnet. In diesem Sommer widmet ihm das Osthaus Museum Hagen eine umfassende Werkschau. Es wird unter anderem eine neue Grafik von Che Guevara zu sehen sein, den Mueller-Stahl auf Kuba vor Jahren persönlich kennengelernt hat. Anlässlich des 50. Todestages des Revolutionärs erinnert sich Mueller-Stahl an die Begegnung und verarbeitet diese Erfahrung in Form eines Bildes.
Sein malerisches, zeichnerisches und seit einigen Jahren auch druckgrafisches Werk ist gespickt mit Berühmtheiten: The Beatles, Elton John, Bob Dylan oder David Bowie. Man kann seine Bilder als Erinnerungen an eine Begegnung unter Superstars lesen, eine Darstellung auf Augenhöhe. Oder aber man erkennt in ihnen die Träumereien eines jungen Mannes aus Ostdeutschland.
Armin Mueller-Stahl wurde 1930 im ostpreußischen Tilsit geboren. Seine Heimatstadt heißt heute Sowjetsk und liegt in Russland, 800 Kilometer von Berlin entfernt. Als er acht Jahre alt war, floh er mit seiner Mutter und seinen beiden Brüdern nach Prenzlau. Zehn Jahre später ging er mit nichts als seinem Geigenkoffer nach Berlin, überzeugt davon, Musiker zu werden. Doch es kam anders: Nach einer Ausbildung zum Musiklehrer arbeitete Mueller-Stahl als Schauspieler. Auftritte in DDR-Filmen machten ihn zu einem der beliebtesten Schauspieler des Landes, wie beispielsweise in dem DEFA-Spielfilm "Jakob, der Lügner" oder der TV-Serie "Wolf unter Wölfen".
Die Gunst der DDR-Regierung wurde Mueller-Stahl entzogen, als er 1976, wie viele andere Schauspieler auch, eine Resolution gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann unterschrieben hatte. Nach einem zweijährigen Berufsverbot wanderte er 1980 in die BRD aus. Am Ende des Jahrzehnts kehrte er den beiden Teilen Deutschlands den Rücken und emigrierte in die USA, wo er als einer von wenigen deutschen Schauspielern an seine Erfolge in der Heimat anknüpfen konnte.
Das künstlerische Werk Armin Mueller-Stahls ist frei von der politischen Realität seines bewegten Lebens und zeugt in seiner Vielschichtigkeit dennoch von Neuanfang und Aufbruch. In seiner Formensprache kann man den revolutionären Pinselstrich der klassischen Moderne wiedererkennen und so stehen seine Arbeiten in der Tradition des 20. Jahrhunderts: expressionistische Darstellungen von Menschen in der Großstadt - trinkend, tanzend, nachdenkend - und vielfarbige Landschaftsmalereien, irgendwo dazwischen das Brandenburger Tor in Berlin. Es sind Bilder, deren träumerische Leichtigkeit nicht nur von einem Leben als Schauspieler erzählt, sondern auch von der Freiheit, sich als Künstler nicht beweisen zu müssen.
Mehr zu den bei n-tv Art porträtierten Künstlern finden Sie unter n-tv art.