Unterhaltung

Weltpremiere bei ntv.de Beethovens 10. Sinfonie ist vollendet

Sie trägt den Beinamen "Die Unvollendete". Denn von seiner 10. Sinfonie hat Ludwig van Beethoven der Welt nur eine Skizze hinterlassen. Doch nun wissen wir, wie sie womöglich geklungen hätte - dank künstlicher Intelligenz. ntv.de präsentiert das Ergebnis weltweit exklusiv.

Seit knapp 200 Jahren ist Ludwig van Beethoven inzwischen tot. Doch sein Vermächtnis, darunter neun vollständig ausgearbeitete Sinfonien, währt ewig. Hätte ihn 1827 im Alter von 56 Jahren nicht eine Leberzirrhose dahingerafft, hätte er womöglich auch noch eine zehnte Sinfonie hinterlassen. So aber blieb ihm nur die Zeit, Skizzen und Notizen zu dem Werk zu verfassen.

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Hätte Ludwig van Beethoven seine 10. Sinfonie womöglich ähnlich zu Papier gebracht?

(Foto: imago/Cinema Publishers Collection)

Knapp zwei Jahrhunderte hat die Menschheit gerätselt, wie "Die Unvollendete" womöglich geklungen hätte. Dass man davon nun eine Vorstellung bekommen kann, ist dem technischen Fortschritt zu verdanken. Genau genommen: der künstlichen Intelligenz (KI), auch artifizielle Intelligenz (AI) genannt. Denn was eigentlich noch immer unfassbar klingt, ist heute möglich. Maschinen können menschliche Denkprozesse nachahmen und so auch ihr potenzielles Ergebnis simulieren.

Ein Jahr Verspätung

Den Anstoß für das Experiment, Beethovens 10. mithilfe von KI zu vollenden, gab die Deutsche Telekom. Eigentlich hätte das Resultat schon 2020 präsentiert werden sollen - schließlich war es das "Beethoven-Jahr" aus Anlass des 250. Geburtstags des Komponisten. Doch die Corona-Krise hat auch diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht. So erscheint "Ludwig van Beethoven X - The AI Project" erst jetzt.

Eingespielt wurde die auf Algorithmen basierende Sinfonie schlussendlich vom Beethoven Orchestra Bonn unter Mitwirkung von Komponist Walter Werzowa und Dirigent Dirk Kaftan. Die Oberhoheit über das Projekt, Beethoven und KI zusammenzubringen, lag indes bei Matthias Röder. Er ist nicht nur Leiter des Karajan-Instituts, das sich um den Nachlass des legendären Dirigenten kümmert. Er ist auch Gründer der Institution "The Mindshift", die neue Möglichkeiten an der Schnittstelle von Musik, Kunst und Technologie auslotet.

Informationen und Kreativität

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Das Beethoven Orchestra Bonn hat das Werk eingespielt.

(Foto: Magdalena Spinn)

"In den Skizzen zur 10. Sinfonie befasst sich Beethoven mit dem Gedanken der Spiritualität. Er möchte den Choral 'Herrgott dich loben wir' vertonen, und zwar in alten Kirchentonarten. In den Notizen offenbart sich zudem ein sehr nach innen gewandter Komponist, ganz im Gegensatz zur weltumfassenden Sicht, die in der 9. Sinfonie ihren Ausdruck findet", erläutert Röder den musikwissenschaftlichen Blick auf das Werk.

Das vorausgesetzt, versammelte er ein Team von Komponisten, Programmierern, Musik- und Technik-Experten um sich, die sich daran machten, die KI zu füttern - mit den Notenfolgen, die Beethoven bereits für die 10. notiert hatte, aber auch mit weiteren Informationen zum Werk des Komponisten und zu zeitgenössischer Musik Dritter. Im nächsten Schritt wurde die KI zur Kreativität aufgefordert.

Röder erläutert dies so: "Die KI hat all das Wissen, das wir ihr bereitgestellt haben, aufgegriffen und weitergedacht. Über Nacht entstehen dann vielleicht 300 verschiedene Versionen eines Motivs, die alle denselben Anfang haben, sich aber von dort alle ein bisschen anders entwickeln. Aus dieser Vielzahl an Variationen hat der Komponist in unserem Team, Walter Werzowa, dann eine Auswahl getroffen, die KI abermals damit gefüttert und wieder Hunderte von neuen Vorschlägen bekommen. Das ist unendlich faszinierend, denn wenn es algorithmisch sehr gut gemacht wird, dann ist jeder Versuch plausibel."

Im Geiste Beethovens

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Mit anderen Worten: Ganz ohne den Menschen geht es dann doch nicht. Er muss am Ende der finalen Partitur die Richtung vorgeben und aus der emotionslos errechneten Notation ein lebendiges Werk formen. Den Anspruch, eine "echte" 10. Sinfonie vollendet zu haben, erheben die Macher daher auch nicht, sehr wohl aber den eines Werks im Geiste Beethovens.

Wie das klingt, ist bei einer feierlichen Uraufführung am 9. Oktober im Bonner Telekom-Forum zu hören. Und vorher schon auf dem zugehörigen Album, das am 8. Oktober erscheint. Den wirklich allerersten Vorgeschmack weltweit gibt es jedoch hier. ntv.de präsentiert exklusiv das Video zum "3. Satz Scherzo Allegro" von "Beethoven X - The AI Project".

Quelle: ntv.de, vpr

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