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Vom Star zum Sexualstraftäter Bill Cosbys tiefer Fall

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Wurde als Sexualsttraftäter verurteilt: Bill Cosby.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Schauspieler Bill Cosby war lange Jahre eine Art Vorzeige-Vater auf den US-amerikanischen Fernsehbildschirmen, doch in der Realität nötigte er Frauen sexuell. Das Urteil gegen Cosby ist auch ein kleiner Erfolg der #MeToo-Bewegung.

Mit stoischem Gesichtsausdruck sitzt Bill Cosby auf der Anklagebank, als die Jury ihr Urteil vorträgt. Schuldig, in allen drei Anklagepunkten der schweren sexuellen Nötigung. Der US-Entertainer zeigt keine Reaktion. Doch als Staatsanwalt Kevin Steele dann auch noch fordert, dass Cosby nun direkt in Haft müsse, weil er doch sonst jederzeit mit seinem Privatflugzeug abhauen könne, bricht es plötzlich aus ihm heraus - zum ersten Mal während seiner gesamten Zeit vor Gericht. "Er hat kein Flugzeug, du Arschloch!", schreit Cosby.

Richter Steven O'Neill kann die Situation im Saal A des Gerichts rasch beruhigen, wie Beobachter schildern. Cosby darf auf Basis der bestehenden Kaution von einer Million Dollar das Gerichtsgebäude in Norristown (US-Bundesstaat Pennsylvania) verlassen und in sein nur wenige Kilometer entferntes Anwesen zurückkehren. Aber er ist nun ein verurteilter Mann. Die Jury sieht es als erwiesen an, dass er 2004 die damalige Universitätsangestellte Andrea Constand mit Tabletten hilflos machte und begrapschte.

Rund 13 Stunden berieten die zwölf Geschworenen, bevor sie zu dem Urteil kamen. Ein erster Prozess war im vergangenen Jahr gescheitert, weil die Jury sich auch nach tagelangen Beratungen nicht hatte einigen können. Cosby muss nun seinen Pass abgeben und darf sein Anwesen nicht verlassen. Auf jeden der Anklagepunkte steht eine Höchststrafe von zehn Jahren. Der 80-Jährige könnte den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.

Für den ehemaligen Vorzeige-Fernsehvater aus der weltweit erfolgreichen "Bill Cosby Show", der bis zuletzt auf einen Freispruch und die Fortsetzung seiner Karriere gehofft hatte, ist es ein tiefer Fall. Für die #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung, die vor rund einem halben Jahr nach Berichten der "New York Times" und des "New Yorker" über sexuelle Übergriffe von Hollywood-Mogul Harvey Weinstein ins Rollen kam, ist es der erste richtig große Sieg - auch wenn das Verfahren schon vor Beginn der Bewegung begonnen hat.

"Es wird den Frauen geglaubt"

"Endlich können wir sagen, dass Frauen geglaubt wird, nicht nur bei #MeToo, sondern auch vor Gericht", sagt Anwältin Gloria Allred, die zahlreiche Frauen vertritt, die Cosby Ähnliches vorwerfen, bei strahlendem Sonnenschein vor dem Gerichtsgebäude: "Ich bin so glücklich wie ich in 42 Jahren noch nie nach einer Gerichtsentscheidung war." Dutzende Menschen haben sich vor dem Gericht versammelt und protestieren gegen Cosby, einige aber auch für ihn. "Vergewaltiger" schreien viele, als Cosby schließlich das Gericht verlässt. Fotos zeigen, wie er kurz die Hand mit dem Gehstock zum Gruß erhebt.

"Heute sind wir endlich in der Lage, sagen zu können, dass es Gerechtigkeit gibt", sagt Staatsanwalt Kevin Steele, auf dessen Bestreben hin der Fall vor Gericht neu aufgerollt worden ist. "Wir haben gezeigt, dass Geld und Macht und wer du bist uns nicht davon abhalten, dich strafrechtlich zu verfolgen." Andrea Constand steht neben ihm und hat Tränen in den Augen. Cosbys Anwalt Thomas Mesereau macht aber unterdessen deutlich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Er kündigt Revision an. "Wir sind sehr enttäuscht von dem Urteil. Wir denken nicht, dass Herr Cosby sich etwas zuschulden kommen lassen hat, und der Kampf wird weitergehen."

Quelle: ntv.de, Christina Horsten und Johannes Schmitt-Tegge, dpa