Unterhaltung

"Tatort" im Schnellcheck "Böser Boden" mit Möhring & Weisz

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Diese nicht unproblematische Energie zwischen Falke und Grosz ...

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Wenn wir "Zombie" sagen, was macht das bei Ihnen? Es kiekst? Und nochmal? Sie haben jetzt einen Ohrwurm? Dann ist ja alles ok. In ihrem zweiten Fall bekommen es Falke und Grosz mit einem Mord auf dem Land zu tun, vieles erinnert an ein "The Walking Dead"-Casting.

Das Szenario

Vor wenigen Monaten erst ist Arash Naderi nach Deutschland gekommen, jetzt liegt er ermordet am Rand einer großen Erdgas-Anlage. Die Kommissare Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) vermuten einen politisch motivierten Mord, die Lage ist jedoch ungleich komplizierter. Die Bevölkerung des Landstrichs hat mit Hautkrankheiten und Wesensveränderungen zu kämpfen, die Schuld soll beim Energie-Konzern und dessen Eingriffen in die Natur liegen. Die Öko-Aktivisten unter Führung des latent verstrahlten Jan Kielsperg (Rainer Furch) scheinen in ihrer Verzweiflung zu allem fähig zu sein, Naderis Bruder hat familiäre Probleme und selbst der Sachverständige vom Amt, Henry Fohlen (Christian Hockenbrink), sieht nach einem Bad im ortsnahen See aus, als hätte er mit dem Ding im Sumpf gerungen.

Die eigentliche Botschaft

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Die Kommissarin und das Dorf ...

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Mit der Botschaft hat es dieser "Tatort" nicht so wirklich, da er sich im Spagat zwischen Okö-Ambitionen einerseits und einem Herz für Untote und entsprechende Genre-Zitate andererseits nicht entscheiden kann bzw. auch gar nicht will.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Da gibt es sicher einiges: Den grob eingearbeiteten Auftritt von AnnenMayKantereit zum Beispiel. Oder warum Tatort-Ermittler immer solchen Stress mit dem Nachwuchs haben müssen, wieso hier, und das so kurz nach dem kontroversen "Fürchte Dich" aus Frankfurt, schon wieder im Zitateschränkchen des Hollywood-Horrors gewildert wurde. Und sicher auch darüber, dass man selbst am Tag nach der Ausstrahlung immer noch diesen Song von den Cranberries im Ohr hat.

Der Plausibilitätsfaktor

Siehe oben. Mit Schwerpunkt Erdgas-Förderung hätte "Böser Boden" zum Öko-Thriller vor realem Hintergrund getaugt, mit Fokus auf die angenagten Landbewohner zu einer Zombie-Variante nach Detlev-Buck-Art. Beides zusammen geht, Stichwort Glaubwürdigkeit, nicht. Unterhaltsam gerät der Fall dennoch, das Script tritt seinen Figuren - von den tollwütigen Kids über den verschrobenen Protest-Führer bis zur zwischenmenschlich nicht unproblematischen Energie zwischen Falke und Grosz - mit Leidenschaft in den Allerwertesten. Selbst die Verzahnung von Umweltproblematik und dörflichen Untoten wäre zu wuppen gewesen, im Kontext eines seriellen Formats mit Typen-Entwicklung und linearer Charakterisierung haut das jedoch nicht hin.

Die Bewertung

6 von 10 Punkten. Die angenagten Provinz-Zombies kommen durchaus überzeugend daher. Als Ökothriller mit real-ökologischem Unterton funktioniert "Böser Boden" nur bedingt.

Quelle: ntv.de