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Im Himmel ist Jahrmarkt Die Niederlage des Harald S.

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Abgang zu Sky - Himmel oder Hölle? Harald Schmidt.

(Foto: dapd)

Aus, Schluss, vorbei: Mit seiner letzten Show bei Sat.1 verabschiedet sich Harald Schmidt als Late-Night-Talker aus dem Free TV. So sehr manch einer den Wechsel des Entertainers zum Bezahlsender Sky auch schönreden mag - für den einstigen Überflieger Schmidt ist er eine schwere Schlappe.

Ach, wenn Sie uns von den vielen schönen bunten Medien nicht hätten. Dann wäre Ihnen ein Ereignis in der Nacht womöglich komplett entgangen. Nein, keine Sorge, die Zeit wird nicht schon wieder umgestellt. Die Uhren gehen lediglich für einen anders: Harald Schmidt. Um 0.15 Uhr fällt für ihn bei Sat.1 die letzte Klappe. Dann ist das Kapitel "Dirty Harry" wohl ein für allemal beendet - nur im Free TV, versteht sich. "Welcher Sender sollte ihn denn noch nehmen?", fragte sich und uns Ende vergangener Woche Schmidts ehemaliger Redaktionsleiter und Sidekick Manuel Andrack im "Spiegel". Seit Mittwoch kennen wir die Antwort: Es ist der Bezahlsender Sky - einst als Premiere wie Sat.1 ein Teil der Kirch-Gruppe. So gesehen bleibt der Entertainer ja irgendwie in der Familie.

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Geht mit Schmidt ungewöhnlich hart ins Gericht: Manuel Andrack.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Muss man sich Schmidts letzten Auftritt bei Sat.1 noch ansehen, ehe man einen Abgesang auf ihn schreiben kann? Nein, muss man nicht. Wenn man in den vergangenen Wochen auch nur gelegentlich in die Sendung gezappt hat, scheinen einige zentrale Versatzstücke der finalen Show eh schon klar: Schmidt wird noch einmal die Gelegenheit nutzen, über seinen treulosen Noch-Arbeitgeber Hohn und Spott auszukippen. Er wird triumphierend hervorheben, dass er ja - anders als von vielen prophezeit - nicht den Gang in die Late-Night-Arbeitslosigkeit antreten muss. Und er wird sich mit dem süffisanten Hinweis auf die Wiederholung der Wiederholung einer Folge der Krimi-Serie "Criminal Minds" im Anschluss von den Sat.1-Zuschauern verabschieden.

Interessant wäre das Ganze eigentlich nur dann, wenn eine Chance bestünde, dass Schmidt sich in Rage dazu hinreißen ließe, das Studio kurz und klein zu schlagen. Da er aber trotz seines Umzugs zu Sky vermutlich einfach aus derselben Örtlichkeit unverändert weitersenden wird, besteht kein Grund zu dieser Annahme.

Samthandschuhe gibt es nicht

So weit, so gut, so okay und so richtig - wenn man mal von zwei klitzekleinen Details absieht. Erstens: Schmidts Flop bei Sat.1 lässt sich nicht allein dem Sender in die Schuhe schieben. Im Schnitt brachte es der selbst ernannte Late-Night-Talker auf Lebenszeit in diesem Jahr noch auf 690.000 Zuschauer und magere 6,5 Prozent Marktanteil bei Sat.1. Dabei hatte er so viel Unterstützung wie kaum ein anderer in jüngster Vergangenheit von dem Medienunternehmen. Mit ähnlichem Tam-Tam wie er war lange niemand mehr vom "Kuschelsender" begrüßt worden. Als sich das Quoten-Desaster längst abzeichnete, kam man in Unterföhring gar dem Drängen nach, Schmidt für seine Show ab Anfang 2012 noch einen dritten Wochentag frei zu räumen. Und dass auch das nichts half, schaute man sich dann immerhin auch noch vier Monate an.

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Schmidts Comeback bei Sat.1 dauerte nur knapp neun Monate.

(Foto: picture alliance / dpa)

Niemand will und sollte den bisweilen schon ziemlich bizarren Quoten- und unmittelbaren Erfolgsdruck zu sehr bejubeln, der mittlerweile im Fernsehen Einzug gehalten hat. Und das, siehe das Beispiel Thomas Gottschalk, egal, ob bei den öffentlich-rechtlichen oder den privaten Sendern. Allerdings: Als er zu dem mittlerweile in der Hand von Finanzinvestoren befindlichen Sat.1 wechselte, wusste Schmidt, was für ein rauer Wind dort weht. Ihn selbst hielt das freilich nicht davon ab, Kollegen und Ex-Kollegen wie Oli Pocher ihr vermeintliches Scheitern genüsslich um die Ohren zu hauen. Samthandschuhe kann Schmidt unter diesen Umständen für sich nicht einfordern.

Auch das Argument, der Beginn der Sendung um 23.15 Uhr sei zu spät gewesen, kann eigentlich nicht gelten - selbst wenn darin ein Fünkchen Wahrheit liegt. Denn es ist ja richtig: Die Menschen, für die Schmidt einst ein Humor-Anker in ihrer Sozialisation war, sind älter geworden. Und viele von ihnen, die am nächsten Tag raus zur Arbeit oder den Kindern Frühstück servieren müssen, können nicht mehr bis nach Mitternacht vor der Glotze abhängen. Nur: Dies zeigt auch, dass der gealterte Entertainer für jüngere Generationen keine allzu große Rolle mehr spielt. Werbefinanzierte Sender mit der viel beschworenen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen können es sich auf Dauer jedoch nicht erlauben, an der Hälfte des gewünschten Publikums vorbei zu senden.

Schmidt allein zu Haus

Das, was Harald Schmidts einstigen Erfolg begründete, war sein respektloser Zynismus. Seine offen zur Schau getragene Überheblichkeit gegen scheinbar alles und jeden. Dies allerdings, so glaubte man, nicht zum puren Selbstzweck, sondern stets auch mit intellektueller Hintersinnigkeit. Doch tatsächlich scheint sich Schmidt längst in ganz realer Überheblichkeit verrannt zu haben. Das was Manuel Andrack und der frühere "Schmidteinander"-Kompagnon Herbert Feuerstein über ihren einstigen Mitstreiter im "Spiegel" auspackten, ist harter Tobak. "Wie ein afrikanischer Diktator" sei der Entertainer, sagt etwa Feuerstein. Und Andrack ist überzeugt, dass sein Ex-Chef sich selbst "für den größten Moderator aller Zeiten" halte.

Das schließlich bringt einen zu zweitens: Egal, wie man es dreht und wendet. Egal, wie sehr Schmidt es womöglich selbst schönzureden versuchen wird. Egal, wie viele Kritiker ihn für seinen Gang vom "Unterschichtenfernsehen" zum "Premium-TV" beglückwünschen werden. Und egal, wie glücklich sich treue Fans schätzen, dass ihr Idol wenigstens noch irgendeine TV-Heimat haben wird. Mit seiner Vorgeschichte, seiner Selbstwahrnehmung und seinem Ehrgeiz ist Schmidts Engagement beim Bezahlfernsehen natürlich nichts anderes als eine krachende Niederlage.

Sky Deutschland steckt seit jeher in den roten Zahlen. Mittlerweile zählt das Unternehmen nach eigenen Angaben zwar rund drei Millionen Abonnenten, doch kann man wohl mit Fug und Recht annehmen, dass viele von ihnen nur auf Grund des Fußball-Angebots bei der Stange gehalten werden. Haben ausgerechnet sie auf Schmidt gewartet? Nein, einem vergleichbaren Quotendruck wie im Free TV wird der Entertainer hier nicht ins Auge blicken. Aber mit Sicherheit auch noch einmal deutlich weniger Zuschauern. Wäre die Phrase, "er sendet quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit", bei 690.000 Zusehern in Sat.1 zweifellos noch unangebracht gewesen - bei Sky dürfte sie dann hinkommen.

Das jedoch passt so gar nicht ins Schema Schmidt. Es habe ihn stets "gewurmt, dass er nie 20 Millionen Zuschauer vorm Fernseher versammeln konnte wie Thomas Gottschalk mit 'Wetten, dass..?'", meint Manuel Andrack. Dass er damit Recht hat, lässt sich nun wirklich aus vielen Äußerungen Schmidts herauslesen. Seinen Wechsel zum Bezahlsender kommentierte der Entertainer mit nur einem Satz: "Late Night bei Sky - für mich der Himmel auf Erden." Und das ist natürlich himmelschreiender Unfug.

Quelle: n-tv.de

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