"Wer wird Millionär?"Doppelabsturz, aber der "schlechteste" FDP-Politiker triumphiert

Zwei Kandidatinnen stürzen gleich zu Beginn von "Wer wird Millionär?" ab. Der nächste Kandidat ist schon mal mit einer Abfuhr durch Jauch ("total fertig gemacht") viral gegangen und kann sein Glück kaum fassen. Der bundesweit schlechteste FDP-Kandidat räumt endlich ab.
Vom Doppelabsturz zum Triumph des größten FDP-Verlierers bei der Bundestagswahl: "Wer wird Millionär?" (WWM) hat am Montagabend sämtliche Register gezogen. Leider bedeutete das für Moema Scooci und Verena Gargiulo zu Beginn der RTL-Show den schnellen Abschied. "Ich kriege das erste Mal in der Sendung Angst, dass unsere sechs Kandidaten nicht reichen werden. Wenn das so weitergeht, sind wir in 20 Minuten durch", befürchtete Günther Jauch.
Überhangkandidatin Scooci musste leider mit zwei Jokern und nur 500 Euro die Heimreise nach Oberammergau antreten. Die angehende Grundschullehrerin war mit der 1000-Euro-Frage zurückgekehrt und brauchte dort ihren Publikumsjoker, weil sie nicht wusste, was "renitent" bedeutet. Trotz des 50-50-Jokers war dann in der nächsten Runde auch schon Schluss.
WWM: Zwei Abstürze
"Bei welchem Bestandteil einer Oper weist schon der Name darauf hin, dass es als Einführungsstück dient?", wollte Jauch wissen. Scocci loggte "Arie" ein, gesucht wurde jedoch die Ouvertüre. Sie nahm es gelassen und wollte mit ihrem Gewinn in Köln auf Shoppingtour gehen. Bei der nächsten Kandidatin schwante Jauch bereits Böses.
"Haben wir eben schon den Absturz einer Dame gesehen mit italienischem Namen und jetzt sitzen Sie hier", begrüßte er Gargiulo auf dem heißen Stuhl. Die Marketingexpertin in Elternzeit hätte zwar die "Ouvertüre" gewusst. Sie stürzte jedoch mit gleich drei verbliebenen Jokern auf 500 Euro herunter. Für 4000 Euro war die Kandidatin aus Mössingen leider sicher, dass der "Tennis-Tail", der ein Kleidungsstück hinten länger macht, bei Miniröcken zu finden ist. Gesucht wurden jedoch die Poloshirts.
Den letzten Rest Trübsal vertrieb der nächste Kandidat mit einem Jubelschrei. "Was ist denn mit Ihnen los?", fragte der Gastgeber. "Oh Gott, Herr Jauch", freute sich Luke Rothfuchs. Denn er hatte ein furchtbares Déjà-vu befürchtet. Im Januar 2022 hatte es Rothfuchs bei Jauch nicht nur nicht auf den heißen Stuhl geschafft. Sein Scheitern bei der Auswahlfrage war sogar viral gegangen.
Jauch ließ den Clip sogleich einspielen. Die Kandidaten hatten damals einen Zungenbrecher sortieren sollen. Rothfuchs schüttelte nur hilflos den Kopf, als Jauch ihm über die Schulter schaute. "In 9,33 Sekunden sind Sie zum Ergebnis gekommen: Ziegen zogen zum Zoo zehn zahme zehn Zentner Zucker", amüsierte sich der "Wer wird Millionär?"-Moderator und setzte noch einen drauf: "Haben Sie eine Grundschule besucht? Da wird man sich jetzt Sorgen machen."
Viraler Jauch-Spruch mit Happy-End
Allein auf YouTube wurde der Ausschnitt bislang 1,1 Millionen Mal geklickt. "Und jetzt sitze ich hier, Herr Jauch", freute sich der vor Aufregung vibrierende Kandidat. Die Abstürze zuvor hatten allerdings auch bei ihm Spuren hinterlassen. Seine Antwort bei der 200-Euro-Frage sicherte er sich deshalb unnötigerweise mit dem 50:50-Joker ab. "Das hätten Sie billiger haben können", schalt Jauch. "Ich weiß! Ich reg' mich über mich auf!"
Nachdem er alle Hilfsmittel aufgebraucht hatte, erspielte sich der 24-Jährige seinen Gewinn über 16.000 Euro am Ende aus eigener Kraft. Er war sich ziemlich sicher, dass Jana Ina und Giovanni Zarrella im September 2025 nach 20 Jahren Ehe Porzellanhochzeit gefeiert haben und nicht etwa Steffi Graf oder Heidi Klum mit ihren jeweiligen Partnern: "Eigentlich ist mir Geld bumsegal. Ich glaube, das sind die, würde ich ihnen gönnen", erklärte Rothfuchs, der an der Deutschen Sporthochschule Köln Sport, Medien- und Kommunikationsforschung studiert.
Dieselbe Summe holte im Anschluss der Mathematikprofessor Christian Weiss aus Köln. Er entschied sich für die Sicherheitsvariante. Denn die hatte sich in einem von ihm programmierten Simulator zu seinen Chancen bei "Wer wird Millionär?" als die beste Option erwiesen. Der Algorithmus ergab im Mittelwert einen Gewinn von rund 16.000 Euro und das wurde es dann am Ende tatsächlich. "Am Markt kriegen wir es nicht verkauft, das Modell", verabschiedete sich Jauch.
Als FDP-Mitglied ist Sören Henschel Kummer gewohnt. Daraus schien der Berliner, der gerade in Bologna seinen Master in internationalen Wirtschaftswissenschaften macht, eine gewisse Kraft zu schöpfen. Fast schon stolz berichtete der letzte Kandidat des Abends Jauch von seinem Versuch, in den Deutschen Bundestag einzuziehen. Er habe in seinem Wahlkreis in Berlin-Lichtenberg allerdings nur 1,4 Prozent der Erststimmen und 2,5 Prozent der Zweitstimmen erhalten: "Ich habe damit das schlechteste Ergebnis sämtlicher FDP-Bundestags-Direktkandidaten geholt."
Jauchs Kommentar zu FDP und AfD
In dem von der Linkspartei dominierten Stadtteil sei das Ergebnis aber nicht weiter verwunderlich gewesen, sagte Henschel: "Das hat mich gestählt." Außerdem sei er auf seinem Listenplatz so weit hinten gewesen, dass die FDP 36 Prozent hätte holen müssen, damit er es in den Bundestag geschafft hätte. "Da ist Christian Lindner knapp gescheitert", kommentierte Jauch.
Henschel hatte sich vor der FDP bereits bei einer anderen "Kleinstpartei" (Jauchs Wortwahl) engagiert. "Drei oder zwei Prozent für die Tierschutzpartei stören mich weniger als 25 Prozent für die AfD", betonte der Student. "Da sind wir alle beisammen", bestätigte Jauch unter dem Applaus des Studiopublikums.
Henschel kam dann derart unaufgeregt souverän durch die Runden, dass er seinen ersten Joker erst bei der 32.000-Euro-Frage benötigte. Spaß an der Freude reichte diesem Kandidaten nicht. "Ich bin hier für die Kohle", stellte Henschel klar. Für Jauch passte das voll ins Bild: "FDP!"
Der Liberale kam in den seltenen Genuss, bei der 125.000-Euro-Frage noch über einen Joker zu verfügen. Sein Helfer am Telefon konnte ihm aber nicht sagen, dass Korotkoff-Geräusche beim Messen des Blutdrucks zu hören sind (sie entstehen beim Lockern der Manschette). Henschel stieg mit 64.000 Euro aus und machte damit seine mitgereiste Großtante sehr glücklich. Jauch verriet das Alter der betagten Dame nicht, meinte aber: Dieser Gast hat womöglich einen neuen Altersrekord bei "Wer wird Millionär?" aufgestellt.
Nach Henschels Gewinn ertönte die Schlusströte. Jauch startet somit am nächsten Montag mit einer frischen Runde an Kandidaten.