Unterhaltung

Wandel in der WWE Frauen mischen Männerdomäne Wrestling auf

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Beim WWE Event in Berlin fliegen Fäuste - und Frauen durch die Lüfte.

(Foto: WWE)

Im Wrestling waren weibliche Charaktere lange nur Randerscheinungen. Mittlerweile zählen sie im Ring zu den Hauptattraktionen. In der WWE wird die Gleichberechtigung der Frauen zurzeit vorangetrieben wie in keinem anderen Sport oder Unterhaltungsbereich.

"Sie reißen sich den Arsch auf", beschreibt Wrestlingveteran AJ Styles den Einsatz seiner weiblichen Kolleginnen. "Ich sehe so viele Verletzungen und blaue Flecken in der Women's Division - sie wollen etwas erreichen und sich beweisen", führt er beim Mediengespräch in Berlin fort. Und Styles muss es wissen. Er ist seit über 20 Jahren selbst professioneller Wrestler und steigt für Schaukämpfe in den Ring. Mittlerweile werden Frauen in der WWE genauso in Szene gesetzt wie männliche Wrestler - eine Entwicklung, die sich erst in den letzten Jahren so abgezeichnet hat.

"Es hat sich definitiv verändert über die Jahre", bestätigt auch Styles diese Veränderung. Viele seiner Freunde in der WWE seien Frauen, sagt er. "Sie können zuhören. Wenn ich ihnen einen Rat gebe, dann saugen sie das förmlich auf. Ich hab Spaß, wenn ich ihnen eine Hilfe sein kann und genieße ihre Kämpfe." Mit einem Augenzwinkern sagt der 41-Jährige, dass er eifersüchtig auf die Frauen sei. "Sie sind athletisch und sehen dabei gut aus. Bei dieser Kombination, wer wäre da kein Fan."

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War neben der WWE bereits in Japan ein großer Wrestling-Star: AJ Styles.

(Foto: imago images / Photopress Müller)

Dabei hat sich das gesamte Rollenbild gewandelt. Vor über zehn Jahren waren Frauen oft nur die Ringbegleitung der männlichen Kollegen in der zwei- bis dreistündigen Show, die über die Bildschirme flimmerte. Kämpfe zwischen weiblichen Wrestlern bestanden zum größten Teil aus Haareziehen und übertrieben inszenierten Ohrfeigen. Doch das ist nicht mehr gefragt. Gutes Aussehen alleine reicht schon lange nicht.

Krafttraining, Ernährung, wenig Schlaf

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"Iconics" Peyton Royce (l.) und Billie Kay sind die amtierenden Champions in der WWE.

(Foto: imago images / Photopress Müller)

Denn mittlerweile setzt die größte Wrestling-Liga der Welt verstärkt auf Athletik und Technik. Bepackte Muskelberge gibt es zwar noch, doch schnelles und technisches Wrestling rückt immer mehr in den Fokus - auch bei den Frauen. Das betrifft auch die beiden Tag-Team-Champions Billie Kay und Peyton Royce. Beim WWE Media Event in Berlin beschreiben sie den besonderen Lebenstil, den auch weibliche Wrestler pflegen. "Da gehört Krafttraining, Ernährung und das stetige Reisen dazu - man bekommt in der Regel wenig bis keinen Schlaf", erklärt Royce.

Haareziehen und Ohrfeigen gehörten ihrer Meinung nach noch immer dazu, aber jeder weibliche Superstar in der WWE sei in erster Linie Athlet. "Wir belasten unseren Körper im Ring auf unglaubliche Weise", sagt die Australierin Royce." Statt Ohrfeigen bekommen die Zuschauer in aufwendig choreografierten Kämpfen Aktionen vom obersten Ringseil oder Griffe aus dem Bereich der Mixed-Martial-Arts zu sehen.

"Es gibt keine Divas mehr", meint auch Styles. Divenhaft darf höchstens die Rolle sein, in die die Wrestlerinnen schlüpfen. Das zeigen auch Billie Kay und Peyton Royce bei ihrem Auftritt in Berlin. Als "Iconics" stacheln sie gleich zu Beginn das deutsche Publikum in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena gegen sich auf - da hagelt es erst einmal Buh-Rufe von den Rängen. Das passt aber genau in das Rollenverständnis der WWE, die gerne polarisiert und "Faces" (Publikumslieblinge) gegen "Heels" ("Bösewichte") antreten lässt. Die Iconics gewinnen das Match gegen ihre Konkurrentinnen am Ende trickreich und hinterlistig.

Höhepunkt bei Wrestlemania 35

Der Aufschwung der Women's Division fand seinen Höhepunkt im April 2019. Bei der größten und wichtigsten Veranstaltung der WWE standen mit der ehemaligen UFC-Kämpferin Rhonda Rousey, Charlotte Flair und Becky Lynch drei Frauen im Hauptkampf vor über 82.000 Fans - ein Novum. Vor den Fernsehgeräten schauten weitere Millionen zu.

Und die WWE ist auch im finanziellen Sektor ein Millionengeschäft. Alleine Wrestlemania 35 feierte in diesem Jahr einen Rekordumsatz von 16,9 Millionen Dollar. Der hauseigene Streamingdienst des Wrestling-Konzerns verzeichnete einen Tag nach der Großveranstaltung zwei Millionen Abonnenten - für das börsendotierte Unternehmen ein großer Schritt, den auch die Frauen mittragen. Denn mit dem Aufschwung der Wrestlerinnen zu echten Superstars erreicht die WWE die wichtige weibliche Zielgruppe viel nachhaltiger.

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Sebastian Hackl kommentiert 52 Wochen im Jahr die WWE-Sendung "Raw" für den deutschsprachigen Raum.

(Foto: imago/STAR-MEDIA)

"Die WWE ist ja ein Familienprodukt. Ob auf der Couch die Oma, das Enkelkind, Mama und Papa sitzen - es verbindet Generationen", sagt der deutsche Ex-Wrestler Sebastian Hackl, der seit neun Jahren auf Live-Veranstaltungen der WWE und bei TV-Austrahlungen kommentiert und moderiert. Hackl selbst hat zwei Töchter. Vom Boom in der Women's Division profitieren aus seiner Perspektive alle Seiten. "Es sind Charaktere, die durchweg positiv sind", sagte er im Gespräch mit n-tv.de. Als Vater könne er sagen: "Die Wrestlerin, wie sie sich mit Training und Ernährung als Athletin vorbereitet, wie sie sich artikuliert, wie eloquent sie ist - das ist ein Vorbild für meine Kinder."

"Die Frauen stehen hier im Fokus und sind Vorbilder für junge Mädchen", meint Hackl. Das sei eine "Entwicklung, die er in keinem Sport und Entertainment-Genre auf vergleichbare Weise beobachte.

Beim Thema Gleichberechtigung geht es ohnehin nicht darum, dass groß darüber diskutiert wird, betont Hackl. Das Ziel müsse sein, dass man nicht mehr drüber reden müsse, ob Frauen gleichberechtigt sind "das gilt für Fußball, Schauspielerei oder Sports-Entertainment". Beim Wrestling dürfe es gar kein Diskussionsinhalt mehr sein, ob eine Frau oder ein Mann im Match steht. "Irgendwann wird keiner mehr darüber reden, ob AJ Styles oder Rhonda Rousey im Main Event steht - am Ende steht da ein WWE-Superstar", so Hackl. Genau da sei die WWE aber bereits auf dem besten Weg.

 

Quelle: n-tv.de

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