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"Diese Welt ist wunderbar!" Glamour und Inhalt - alles Gute, Iris Berben

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Iris Berben: Glamour und Inhalt gleichermaßen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit Iris Berben zu sprechen ist wie mit einer vertrauten, guten Freundin zu reden. Sie ist aufmerksam, blitzgescheit, lustig - und wunderschön. 70 Jahre alt wird sie heute und mit ihrer Erscheinung kann sie einem wahrlich die Angst vor dem Alter nehmen. Im Interview spricht die Grande Dame des deutschen Film mit ntv.de auch über Schönheit und Glamour, aber vor allem spricht sie als Mensch, dem die Welt am Herzen liegt. Und sie spricht als Frau, die noch viel vorhat. Alles Liebe zum Geburtstag, Iris, vor allem Gesundheit, wie unsere Großmütter schon immer zu sagen pflegten.

ntv.de: Lassen Sie uns kurz über Schönheit sprechen, vor allem innere Schönheit, und Glamour. Aber Glamour bedeutet ja schon lange nicht mehr, dass etwas inhaltslos sein muss.

Iris Berben: Genau, das hat sich überholt. Man braucht beides: Glamour und Inhalt, denn das verschafft Aufmerksamkeit. Wenn man diesen Ansatz zum Beispiel auf die Berlinale beziehen würde, denn das wer letzte größere Event vor dem Lockdown, dann hieße das: Sie ist und bleibt ein politisches Festival - damit unterscheiden wir uns auch von anderen Festivals - sie ist aber auch ein besonders schönes Festival.

Eine Frau kann inzwischen alles sein: schön, witzig, politisch engagiert und auch in einem "gewissen Alter". Allerdings - das Gesicht für eine Kosmetikmarke zu sein mit nun 70, ist noch nicht lange selbstverständlich.

(lacht) Das ist wohl wahr! All diese Attribute sind kein Widerspruch mehr. Diese Ära der Ausgrenzung wollen wir verlassen - das ist nicht immer einfach, aber wir sind auf einem guten Weg. Wichtig ist mir, dass wir auch männliche Mitstreiter haben, denn es wäre schön, wenn wir gar nicht mehr über Ausgrenzung sprechen müssten, sondern vielmehr über das Miteinander. Wir haben viele kluge Männer um uns herum, die diesen Gedanken mittragen und unterstützen. Für diese Themen ist es eine gute Zeit gerade!

Leider nicht in jeder Hinsicht, oder?

Natürlich, politisch ist das keine gute Zeit, in der wir uns befinden. Es ist alles sehr wackelig. Wir befinden uns auf dünnem Eis. Wir haben leider noch nichts überwunden, wir werden mit vielen Herausforderungen umgehen müssen. Aber ich befürchte, das ist nichts Neues - schon immer haben sich Menschen zurückgesetzt gefühlt und unsere Aufgabe wird sein, Menschen mitzunehmen. Umso wichtiger ist es, politische Statements durch Filme und durch Reden, die gehalten werden, durch Begegnungen zu manifestieren. Ein Film, ein Festival, ein Artikel in der Zeitung kann und muss wachrütteln, denn die Zeit der Zurücklehnens, des reinen Genusses - wenn es diese Zeit denn wirklich gegeben hat - die ist vorbei. Das sollte uns aber nicht ängstigen!

Ist es nicht manchmal frustrierend, wenn man - wie Sie - schon lange wachrüttelt und auf Missstände hinweist?

Wir lernen einfach nicht! Was mich traurig macht, ist, dass wir aus der Geschichte, aus Vorkommnissen nicht lernen. Aber vielleicht ist das die Aufgabe, die jede Gesellschaft immer wieder hat und die jede Generation aufs Neue lösen muss. Wir könnten so viel Energie in Neues, in Positives stecken, aber trotzdem müssen wir uns immer wieder einfinden, um das zu verteidigen, was vielen von uns als Selbstverständlichkeit erscheint. Wir müssen auf jeden Fall erkennen, dass wir eine Demokratie haben, die es zu schützen gilt. Wir müssen uns klar sein darüber, dass diese Demokratie sehr brüchig und rissig ist und ich befürchte, wir haben das ein bisschen vergessen in den letzten Jahren, weil wir es als selbstverständlich hingenommen haben. Wir dachten, das ist gesetzt. Aber jeder muss in seinem Umfeld etwas tun!

Wir leben in einer - positiv ausgedrückt - spannenden Zeit …

... ja, und ich bin gerne in dieser Zeit! Auch wenn ich immer wieder Sätze höre, die ich vor 50 Jahren schon gesagt habe (lacht).

Haben wir bisher, bis Anfang des Jahres, in einer Art Blase gelebt?

Ja, schon, und es ist vor allem traurig, dass wir unter bestimmte Kapitel unserer Geschichte keinen Schlussstrich ziehen können. Es ist dennoch wichtig, dass wir nicht resignieren. Das ist natürlich erschöpfend, aber wir müssen uns immer wieder neu definieren und darüber verständigen, was für eine einmalige Möglichkeit diese Welt und die Gesellschaft ist, in der wir leben. Uns muss klar sein, wie wunderbar Fortschritt ist. Diese Welt ist vor allem etwas ganz Wunderbares! Man muss sich nur immer wieder motivieren, besonders in Zeiten wie diesen!

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In diesem Jahr wird die Landesverfassung von NRW 70 Jahre alt. Aus diesem Anlass zeichnet Ministerpräsident Armin Laschet zehn Persönlichkeiten für ihre Verdienste um das Gemeinwohl mit dem Verdienstorden des Landes aus - wie hier Iris Berben.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Sie bekommen Preise, weil Sie so engagiert sind - und machen damit garantiert auch anderen Mut!

Ich will gar nicht abstreiten, dass damit auch eine gewisse Form der Eitelkeit unterfüttert wird (lacht), aber viel wichtiger ist an einer Auszeichnung, dass ein wichtiges Thema wahrgenommen wird. Jede Stimme zählt!

Ihre Homepage - die ist voll mit Arbeit. Heißt das, dass Frauen über 30 doch noch ganz gut im Geschäft sein können? Wenn nicht gerade ein Virus die ganze Welt anhält?

(lacht) Das heißt es wohl. Ja, das heißt, dass ich wirklich viel gedreht habe in letzter Zeit und auch wieder drehen werde. Hoffentlich! Frauen sind nicht mehr in der unterdrückten Stellung wie früher, aber wir haben dennoch einen weiten Weg vor uns. Wir müssen uns Komplizen suchen, mit denen wir Veränderung wollen, und das sind Menschen, egal ob Männer oder Frauen. Ich will natürlich nicht verleugnen, dass Frauen in vielen Ländern in vielen Berufen immer noch Opfer sind, aber wir sind schon einen ganzen Schritt weiter!

Wir können viele Entscheidungen treffen!

Ja, und die Debatte um Männer und Frauen, Sexismus, Unterdrückung und so weiter ist leider eine endlose Diskussion.

Sie drehen nicht nur fleißig, Sie stehen auch mit Ihren jungen Kolleginnen Lena Meyer-Landrut und Stefanie Giesinger für L'Oréal Paris als Vorbild für Millionen Frauen vor der Kamera. Für diese Generation ist vieles doch sehr viel selbstverständlicher, oder?

Wunderbare Frauen! Und ja, für diese Generation sind Dinge selbstverständlicher, als es für meine Generation in diesem Alter war, aber das ist der Lauf der Dinge, das ist schon immer so gewesen. Mein Rat ist dann immer: Seid auf der Hut und schützt es. Es mag selbstverständlich wirken, aber es ist sehr bewusst erkämpft worden, werft diese Errungenschaft nicht weg, um die man immer wieder kämpfen muss. Man kann einer jungen Generation ja nicht vorwerfen, dass es so ist, wie es ist. Sie haben genug Aufgaben, denen sie sich stellen müssen, die Welt wird sich nicht beruhigen und sie werden noch genug zeigen können, was sie drauf haben. Sie müssen und sie werden ihre Aufgabe finden.

Ihre andere Beauty-Kollegin ist Helen Mirren - was fasziniert Sie an dieser Frau besonders? Sie haben sie sogar in der "Vogue" selbst interviewt.

Oh ja! Helen ist eine Frau, die ich seit Jahren immer wieder treffe, auf Veranstaltungen oder auch auf einem Dreh. Mich fasziniert ganz einfach ihr Wesen: ihr Humor, ihre Lässigkeit, ihre Klugheit und ihr unbestreitbares Talent. Mit ihr zu reden ist beeindruckend, witzig und entspannt, einfach eine schöne Begegnung. Sie steht für die Unterschiedlichkeit ihrer Filme, über die vielen Jahre. Ihre Rollen und sie selbst - das deckt sich so oft! Sie ist und bleibt neugierig, mutig, offen, man redet gern mit ihr, egal ob ernst oder albern (lacht).

Sie haben in einem Gespräch, das wir vor ein paar Monaten geführt haben, mal gesagt, dass Sie sich in Ihren Rollen manchmal besser finden als im wahren Leben, weil Sie da Ihr wahres Ich ausleben können?

Man traut sich was in Rollen, das stimmt. Aber in meinem privaten Leben habe ich die Neugier und die Offenheit und die Lust zur Peinlichkeit (lacht), und zur Nichtperfektion!

Was ist das Schöne am Alter?

Dass man nicht mehr so viele Wünsche hat, weil man sich die im besten Fall schon erfüllt hat. Ich nehme allerdings staunend zur Kenntnis, dass es besonders schön ist in dem Alter, Geschichten erzählen zu können. Ich bin glücklich, das Gesicht eines Kosmetikkonzerns zu sein, der sich mit realen Frauen schmückt und keine Versprechungen abgibt, die eh nicht zu halten sind. Die ewige Jugend ist eine Illusion.

Der ultimative Tipp am Schluss?

Auf Partys nicht zu viel Alkohol, auch wenn's schwerfällt, und die gute Laune bewahren, wenn man weiß, dass man grundsätzlich privilegiert ist, weil man interessante Menschen treffen kann und ein selbstbestimmtes Leben führt.

Mit Iris Berben sprach Sabine Oelmann

Quelle: ntv.de

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