Halbzeitauswertung zur RTL-ShowDiese "Let's Dance"-Stars tanzen aus der Reihe
Von Laura StresingEs ist fast Halbzeit bei "Let’s Dance": Nach sechs Folgen der RTL-Show scheinen die Felder abgesteckt. Doch während die Favoriten gen Finale trippeln, bringen sich im Mittelfeld noch Überraschungskandidaten mit ins Spiel.
Insgesamt 13 Mal tanzen die Promis bei "Let’s Dance" übers RTL-Parkett. Eine Mischung aus Juryurteil und Zuschaueranrufen entscheidet am Ende jeder Sendung, wer eine Runde weiter kommt. Nächste Woche ist Halbzeit in der aktuellen Staffel und das Kandidatenfeld hat sich schon ausgedünnt. Eine Auswertung der bisherigen Juryurteile zeigt, wer Talent bewiesen und gute Chancen aufs Finale hat. Aber auch hartes Training und Individualität machen sich bemerkbar, wenn manche Stars mit einer einzigen Performance so richtig punkten können.
In der Gesamtschau stehen derzeit zwei Männer an der Spitze: Die Tänze von Profisportler Joel Mattli und seiner Partnerin Malika Dzumaev wurden von der Jury im Schnitt mit 25 Punkten bewertet. Schauspieler Jan Kittmann und Profitänzerin Kathrin Menzinger sind ihnen mit 24 Punkten dicht auf den Fersen. Auf Platz drei der Gesamtwertung folgt Schlagersängerin Anna-Carina Woitschack an der Seite von Evgeny Vinokurov mit im Schnitt 22,5 Jurypunkten.
Ein Vergleich zur Durchschnittsleistung aller Kandidaten (graue Linie in der Grafik unten) macht deutlich, wie sehr sich diese drei Paare vom Rest abheben. Vor allem aber der Schweizer Mattli sticht heraus. Das RTL-Publikum kennt ihn bereits als erfolgreichen "Ninja Warrior" aus der gleichnamigen Parcours-Sendung. Bei "Let’s Dance" stellt er einmal mehr unter Beweis: Mattli ist durch und durch Athlet und weiß seinen Körper einzusetzen. Nach nur sechs Folgen hat er bereits zwei Mal die Höchstwertung von 30 Punkten kassiert. Ähnlich erfolgreich war zuletzt nur die Siegerin der 16. Staffel, Anna Ermakova.
"Das war kein Tanzen - das war Kunst!"
Am anderen Ende des Spektrums finden sich die bereits ausgeschiedene Influencerin Nessi Borck und der Komiker Simon Gosejohann wieder. Letzterer konnte sich nur dank eines Bonuspunktes seiner Tanzpartnerin Ekaterina Leonova bis in die dritte Show retten - was ihm aber immerhin noch die Chance gab, einen geradezu legendären Abgang hinzulegen. Denn: "Das war kein Tanzen mehr", rief Jurymitglied Jorge Gónzalez fassungslos aus. "Das war Kunst!"
Mittlerweile hat sich die Spreu vom Weizen getrennt und das Niveau steigt mit jeder Sendung. Zwar sind die Leistungsunterschiede nach wie vor sichtbar. Doch gerade im Mittelfeld bleibt es spannend. So musste etwa die "No Angels"-Sängerin Nadja Benaissa nach Show drei noch um ihr Weiterkommen zittern. In dieser Woche feierte sie jedoch mit einem genialen Grusel-Charleston ein triumphales 30-Punkte-Comeback. Die Performance an der Seite von Vadim Garbuzov - der nicht umsonst als "King Choreo" bekannt ist - katapultiert sie auf Platz vier in der Gesamtwertung. Sänger Milano, der Jüngste in diesem Bunde, hängt nun auf Platz fünf. Die Jury sieht zwar viel Potenzial in ihm, mahnt aber Schwächen in den Standardtänzen an.
Die unterschiedlichen Tänze enthüllen aber nicht nur Stärken und Schwächen, sondern auch Persönlichkeit. Sänger Ross Anthony etwa ist zwar nicht der beste Tänzer. Doch er hat zweifellos die größten Entertainer-Qualitäten und vertanzt eine geradezu ansteckende Lebensfreude.
Herz geht vor Talent
Auch Gustav Schäfer hat viele überrascht - am meisten wahrscheinlich sogar sich selbst. Der "Tokio Hotel"-Schlagzeuger hätte seinen Auftritt in der letzten Sendung fast verpasst, holte dann aber überraschend seine persönliche Bestleistung heraus. 27 Punkte vergab die Jury für den Charleston mit Anastasia Maruster. Mit seiner nonchalanten und bescheidenen Art ist Schäfer ein großer Sympathieträger und kann es damit in der Staffel noch weit bringen.
Doch bei keinem anderen Kandidaten wird die Macht des Tanzes so offensichtlich wie bei Willi Banner. Auf Social Media kommt der volltätowierte, durchtrainierte Influencer rüber wie ein harter Macker. Beim Paso Doble aber stampft und stakst Banner so unüberzeugt und unsicher übers Parkett, dass Jurymitglied Motsi Mabuse den sehr treffenden Satz sagt: "Man merkt, du bist so ein lieber Junge!"
Eine schönere Mahnung an das Publikum, wie sehr Social Media oder auch ein erster Eindruck täuschen können, kann es gar nicht geben. Und trotz aller technischen Schwächen merkt man, wie Banner mit jeder Folge aus sich herauskommt und sich weiterentwickelt. So was kommt beim Publikum gut an und vermutlich hat es ihn schon mehrmals aus dem roten Licht gerettet, in dem die Tanzpaare mit der geringsten Wertung und den wenigsten Zuschaueranrufen am Ende einer Sendung stehen müssen.
Genau darin liegt die Magie von "Let’s Dance": Selbst der schwächste Kandidat in der verbliebenen Aufstellung hat die Möglichkeit, die Herzen zu gewinnen und das Publikum von sich zu überzeugen. Jeder der verbliebenen Tänzerinnen und Tänzer ist ein Phänomen für sich, doch sie haben eins gemeinsam: Man sieht ihnen gerne dabei zu, wie sie trainieren, lachen, fluchen, gewinnen und scheitern - und man will sie auch noch weiter tanzen sehen.
