Unterhaltung

Brandenburger "Polizeiruf" Hurra, hurra, die Schule brennt

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Die strenge Direktorin und Kommissarin Lenski kommen sich immer wieder in die Quere.

(Foto: rbb/Oliver Feist)

In Brandenburg herrscht der Ausnahmezustand: Zehntklässer fressen ihre Lehrer bei lebendigem Leib, irre Helikoptermütter halten ihre schützende Hand darüber und die autokratische Direktorin entgeht nur knapp einem Anschlag. Opfer gibt es trotzdem - eines davon ist der Zuschauer.

Kann sich irgendjemand noch an die Rütli-Schule erinnern, diese Berliner Bildungsanstalt mit dem latenten Gewaltproblem? Knapp zehn Jahre sind vergangen, seitdem die Lehrer der Schule einen Brandbrief an den Berliner Innensenator geschrieben haben und die Boulevardpresse daraufhin den Untergang des Abendlandes einläutete. Viel ist seitdem passiert: Die Schule steht noch und macht sich prima, Neukölln ist längst befriedet - statt brandschatzender Jugendbanden muss man sich hier nur noch vor bärtigen Hipstern im Start-Up-Wahn fürchten. Was ja auch nicht so viel besser ist, wenn man genauer darüber nachdenkt. Alles gut also im deutschen Bildungskosmos? Von wegen, die Situation ist schlimmer denn je. Befürchtet zumindest der Brandenburger "Polizeiruf".

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Alle verdächtig: Der Chemielehrer und seine Schüler.

(Foto: rbb/Oliver Feist)

Ein paar Dutzend Kilometer östlich der Hauptstadt liegt Bad Saarow, das nur auf den ersten Blick beschaulich ist. Hinter den Kulissen, genauer in den Klassenräumen der Mark, tobt ein darwinistischer Überlebenskampf: Junge Referendarinnen kommen unter die Räder der gnadenlosen Jugendlichen, psychotische Helikoptermütter wollen ihre geliebten Sprösslinge allen Widrigkeiten zum Trotz zum Abitur prügeln - und über allem thront eine autokratische Direktorin, neben deren dunkler Macht Darth Vader vor Neid erblassen würde.

Über Rütli, da hätten diese Schüler und ihre Chefin nur gelacht, will uns Regisseurin Angelina Maccarone verklickern. In Brandenburg wird aus Protest gegen die Obrigkeit nämlich nicht in Mülleimer defäkiert, sondern gleich mit einem Rohrbombenanschlag auf Direktorin Strasser reiner Tisch gemacht. Die juckt das, zumindest nach außen hin, nicht die Bohne. Was sie allerdings nicht davon abhält, ihre knapp 500 Schüler plus Lehrpersonal unter Generalverdacht zu stellen: "Wenn sie Schwäche zeigen, rächt sich das". Schule, das ist eben nur was für die ganz Harten.

Fundus der Erwartbarkeiten

Das klingt nicht nur alles verdächtig nach einem Fall für die Klischeetonne, das ist es auch. Bis auf die Kommissare ist ausnahmslos jeder auftretende Charakter maßlos überzeichnet. Auf 90 Minuten gestreckt fühlt sich das für den Zuschauer in etwa so an, als würde man einem Haufen Clowns beim Aussteigen aus einem Kleinwagen zusehen: Immer wenn man denkt, das muss es doch jetzt gewesen sein, quetscht sich schon der nächste in Philosophie promovierende Hausmeister aus dem Fundus der Erwartbarkeiten.

Als angenehme Ausnahme stechen dabei die beiden Ermittler heraus: Horst Krause als Horst Krause steht auch mit 72 Jahren noch seinen oft unterschätzten Dorfpolizisten und Maria Simon spielt Kommissarin Olga Lenski herrlich trocken und unaufgeregt. Zusammen mit der stimmigen Moral von der Geschicht' - dass das deutsche Schulsystem dringend reformbedürftig ist - rettet das Ermittlerduo diesen "Polizeiruf" vor dem Totalabsturz, wenn auch nur um Haaresbreite.

Quelle: ntv.de

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