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Danke-Special bei WWM Jauch rührt Alltagshelden zu Tränen

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Franciska Matzke (r.) überraschte Oma Marlies Samesch.

Endlich trifft es mal die Richtigen. Alltagshelden bekommen bei  "Wer wird Millionär?" den Schock ihres Lebens und werden Kandidaten. "Ich war nicht beim Frisör, Herr Jauch", klagt die Oma aus Berlin. Zum Glück ist der Ouzo nicht weit.

"Wer wird Millionär?" hat einen entscheidenden Haken. Viele, die einen Geldregen verdient hätten, würden sich nie im Leben bei Günther Jauch bewerben. Das erste Danke-Special in der Geschichte der RTL-Show merzte diesen Makel aus. Drei Alltagshelden, die das Leben ihrer Mitmenschen unendlich bereichert haben, durften am Montagabend um die Million spielen. Sie saßen zu Beginn der Sendung nichts Böses ahnend im Publikum. Nicht jeder war sofort von seinem Glück begeistert. "Herr Jauch, machen Sie nicht so ein Ding mit mir. Ich krieg einen Schlaganfall. Ich weiß nichts", wehrte sich Rentnerin Marlies Samesch gegen das Rampenlicht. Zum Glück reichte es am Ende für die Traumreise um die Welt.

Die Überraschungskandidaten waren heimlich von Verwandten oder Freunden angemeldet und als vermeintlich normale Zuschauer ins WWM-Studio gelockt worden. Bei Samesch wollte Enkelin Franciska Matzke im ganz großem Stil Danke sagen. Sie hatte eine schwere Kindheit und war früh auf die schiefe Bahn geraten. "Aber in meinem Leben gab es immer einen Lichtblick und das warst du", würdigte Matzke ihre Großmutter und noch vor der ersten Frage lagen sich die beiden Frauen schluchzend in den Armen.

Die Oma im Sadomaso

Emotional ging es weiter. "Ich bin erschüttert, dass ich hier auf dem Stuhl sitze", sagte die Witwe aus Berlin. "Ich war nicht beim Frisör, Herr Jauch. Wie sehe ich denn aus?" Der Moderator beteuerte: "Aus meiner Sicht: Die Frisur sitzt." Als Samesch aber für 500 Euro buchstäblich die "Oma" in der "Sadomasoszene" finden musste, war es höchste Zeit für den Beruhigungsschnaps. Ouzo, ein Extra-Joker und der hilfreiche Moderator (Jauch las dem Telefonjoker die Frage vor, weil die Kandidatin zu aufgeregt war) brachten die Berlinerin immerhin zu 32.000 Euro. Die wusste zunächst aber gar nicht, wohin mit all dem Geld.

"Ich habe eigentlich keine Wünsche", sagte Samesch. Dann fiel ihr aber ein: Eine Weltreise wäre doch schön. Und endlich der Frisörbesuch, aber bloß nicht 08/15. "Man muss ja im Alter auch mal ein bisschen verrückt werden. Zum 80. hab ich Extensions", kündigte Samesch nach ihrem Auftritt an.

Die Kandidaten des Abends schwankten gefühlsmäßig zwischen "Ein Lebenstraum wird wahr" und "Wie konntest du mir das antun?". Der erste Überraschungskandidat Hans Kautz zuckte unübersehbar zusammen, als plötzlich sechs Mitglieder seiner Hamburger Kampfsport-Showgruppe im "Wer wird Millionär?"-Studio aufliefen und zeigten, was sie bei ihm gelernt haben. Der pensionierte Mitarbeiter des Jugendamts holt seit 40 Jahren als ehrenamtlicher Trainer Kinder buchstäblich von der Straße. Schützling Alexander Littau löste mit der Bewerbung bei WWM ein Versprechen ein, dass er seinem Mentor einst als Elfjähriger gegeben hatte. "Ah, ich erinnere mich", schwelgte der Rentner in Erinnerungen.

"Sie müssen mir einen Augenblick gönnen. Das ist schon sehr bewegend und auch erschreckend", bat der Kandidat Jauch um Rücksicht. Fast wäre er schon an der 100-Euro-Frage gescheitert. Dann aber kam der Hamburger bewundernswert gut durch die Runden. Die Frage für 32.000 Euro nach einem angeblichen Liebhaber von Kaiserin Sisi konnte er sogar beantworten, ehe die vier Alternativen eingeblendet wurden.

Alltagshelden teilen Gewinn

Kautz stieg schließlich mit 64.000 Euro aus. Mit dem Geld will er sich einen 20 Jahre alten Traum erfüllen: Endlich einen Neunsitzer für sein Kampfsportteam anschaffen. Aber er solle doch endlich mal nur sich selbst etwas Gutes tun, mahnte Jauch. "Das ist völlig in Ordnung so", widersprach der Hanseat. Er habe einfach unglaublichen Spaß an der Arbeit mit den Jugendlichen: "Ich beschenke mich mit allem, was ich tue, auch selber."

Der dritte Überraschungskandidat des Abends will seinen Gewinn ebenfalls teilen. Florian Christiansen arbeitet als Erzieher in einem Wohnheim für psychisch kranke Menschen und scheint von seinen Kollegen geradezu verehrt zu werden, wie die in einer Videobotschaft klarstellten. Der 38-jährige Schleswig-Holsteiner war am Ende mit 64.000 Euro überglücklich und will damit unter anderem einen Fitnessraum für seine Kollegen einrichten.

Irgendwie passte es, dass der Wohltäter an einer Frage zu den Darwin Awards scheiterte. Diese Preise werden seit 1994 posthum an Menschen "verliehen", die durch ihre eigene Dummheit ums Leben gekommen sind und sich damit (aus Sicht der Jury: netterweise) aus dem Genpool der Menschheit entfernt haben. Für Zynismus war an diesem Abend irgendwie kein Platz. Bei den Überraschungs-Specials werden normalerweise Besserwisser und Klugscheißer vorgeführt. Da waren die stillen Helden des Alltags eine schöne Abwechslung. Die darf gern eine Fortsetzung finden.

Quelle: ntv.de