50. Ausgabe der PopmaschineKreischen bei "The Dome"
Was manche als "geballten Popschund zum Anfassen" beschreiben, gefällt anderen wiederum sehr. Auch die 50. Ausgabe der Chartshow "The Dome" lockt wieder Tausende Fans an.
500.000 Live-Zuschauer, mehr als 1000 Auftritte von über 500 Musikern und Bands, zwölf Jahre Dauer-Fernsehpräsenz: Die Chartshow "The Dome", Live-Event und RTL-II-Musikformat, ist eine Pop-Maschine. Am 22. Mai gastiert die 50. Ausgabe in der Münchner Olympiahalle, eine Woche später (30. Mai/16.00 Uhr) ist die TV-Ausstrahlung - ein Ende scheint derzeit nicht in Sicht.
"'The Dome' ist die größte Chartshow im deutschen Fernsehen", sagt Daniela Geißler, Leiterin Special Marketing bei RTL II. Vermutlich sogar die größte Popmusikshow, seitdem die Musiksender ebenso wie die Vollprogramme Musik an den Rand gedrängt haben - als Beiwerk von Spielshows oder als Vorwand für Castingformate.
Geißler hat "The Dome" Mitte der 90er Jahre entwickelt. "Wir haben damals sowas Ähnliches im französischen Fernsehen entdeckt, und uns gedacht: 'Das können wir auch.'" Seitdem läuft "The Dome" - vier Mal im Jahr eine Show in einer anderen Stadt mit durchschnittlich 10.000 Fans, vier Mal eine Fernsehsendung, die mit Erstausstrahlung und Wiederholung mehr als eine Million Zuschauer erreicht, und vier Mal eine CD mit bis zu 250.000 verkauften Stück.
Teilt sich den Markt mit "Bravo Hits"
Ganz ordentlich im schrumpfenden CD-Markt. Zusammen mit den "Bravo Hits" teilen sich die "Dome"-Alben praktisch den Markt der Hit-Zusammenstellungen, der sogenannten Compilations. Dabei wird naturgemäß penibel darauf geachtet, dass sich die Veröffentlichungen nicht gerade überschneiden, wie Johannes Cordes von Universal Music Deutschland erläutert. "Die Leute kaufen diese CDs, weil sie wissen, dass sie damit das Beste der aktuellen Charts bekommen."
Nur Universal-Künstler? "Nein, wer in den Charts oben steht, kann auch auf die Dome-CD." Aber da Universal mit mehr als 25 Prozent Marktanteil weltweiter Branchenführer ist, hat das Label einen hohen Anteil bei "The Dome": Tokio Hotel, Juli, Rosenstolz, Jeanette Biedermann oder Scooter - um nur einige zu nennen.
Die linke Tageszeitung "taz" nennt das Ganze abschätzig "geballten Popschund zum Anfassen" - doch genau dieses "Anfassen" ist vermutlich einer der Erfolgsfaktoren der Show, die bislang rund eine halbe Million Fans in deutsche Konzerthallen gelockt hat. Am Roten Teppich können sie ihren Pop-Idolen mal ganz nah sein, an einem Abend können sie in einer Show 15, 18, manchmal über 20 Popstars und -sternchen live auf der Bühne erleben. Zumindest leibhaftig, denn live singen und spielen ist nicht Jedermanns Sache - manche Künstler bevorzugen zum Gesang die Musik aus der Konserve (Halb-Playback), andere treten ganz ohne Live-Element auf, Voll-Playback eben.
Super-Show trotz Playback
"Die Fans stört das aber kaum", glaubt RTL-II-"Dome"-Fachfrau Geißler. "So viele Künstler hintereinander live zu bringen und dafür zu sorgen, dass alles gut klingt, ist kaum möglich. Viele Künstler wollen auch lieber auf Nummer sicher gehen - und liefern auch mit Playback eine Supershow ab."
Die Fans sind größtenteils Teenies, häufig kreischende noch dazu. Die freuen sich einfach, an einem Abend mal die Charts rauf und runter zu hören und nicht das Konzert eines einzelnen Künstlers, inklusive Albumtitel Nummer zwölf, unbekannten Songs und eigenwilligen Interpretationen. Deshalb rümpfen Kritiker ebenso wie Musikpuristen gerne mal die Nase über die Pop-Maschine. Dabei präsentiert die Show seit Jahren auch immer gestandene Musiker und nicht nur die Teenie-Sternchen - bei "The Dome 50" sind das a-ha, die Pet Shop Boys, Mando Diao, die Black Eyed Peas oder auch Selig.
Im Fernsehen kommen Interviews, Hintergrundinfos und Backstageberichte dazu, zusammengeschnitten zu einer kompakten Chartshow, die den Fans das Gefühl geben soll, noch näher an den Künstlern dran zu sein - unterstützt vom Webauftritt, über den die Show aber noch nicht per Internetstream verbreitet wird. "Aber das kommt vermutlich noch, denn die jungen Fans sind natürlich vor allem im Netz unterwegs", sagt Geißler. Ob die Show dann allerdings noch im Fernsehen genügend Fans anzieht, bleibt abzuwarten.
Patrick T. Neumann, dpa