Macht, Gier, TodDas Böse ist zurück im Camp Donkerbloem
Von Thomas Badtke
Ein sorbisches Mädchen wird tot im Wald entdeckt. Kurz darauf gibt es ein zweites Todesopfer, ebenfalls ein Sorbe. Ist ein Serienkiller am Werk? Tatortspuren führen zu einer Kriminalpolizistin. Sie muss jemandem "ganz weit oben" auf den Schlips getreten sein. Ihre Rettung: ein Campingplatz in den Ardennen.
Durchatmen. Energietanken. Kräftesammeln. Was lädt mehr dazu ein, als ein idyllisch in der Natur gelegener Campingplatz in den Ardennen? Camp Donkerbloem. Geleitet wird er von einem jungen Türken, der sich einst als Boxer versuchte und dann als Türsteher und rechte Hand des Kölner Kleinkriminellen Wout Mertens verdingte. Mittlerweile sind Tayfun und Wout Best Buddies. Sie vertrauen einander blind - und bei Wout will das etwas heißen.
Aber es gibt Ärger im Bro-Paradies. Natürlich ist eine Frau daran schuld: Frieda Stahnke, Hamburger Kriminalpolizistin. Tayfun hat ein Auge auf sie geworfen. Frieda wiederum nimmt Wout etwas genauer unter die Lupe, denn sie wird gestalkt und Wout ist diesbezüglich kein unbeschriebenes Blatt. Wout weist alle Vorwürfe zurück. Er hat eine feste Freundin, die er liebt, und als Eigentümer der Kölner Bar "Golden Diamond" überhaupt keine Zeit für derlei Sperenzchen.
Zwei tote Sorben
Als eine 13-Jährige tot aufgefunden wird, nackt, in einem Wald liegend, getötet mit einem einzigen Messerstich ins Herz, und ein Haar von Frieda am Tatort entdeckt wird, nimmt die Sache Fahrt auf. Ein zweiter Toter, ebenfalls Sorbe, hingerichtet in seinem eigenen Schlafzimmer, unter dem Bett eine Visitenkarte Friedas, erhöht den Druck weiter. Will ihr irgendjemand ans Bein pinkeln? Wout ist es nicht, immerhin das ist nun sicher. Aber wie steht es um ihren Kollegen bei der Polizei? Ihren neuen Chef? Oder steckt noch mehr dahinter? Die Interne hatte sie zumindest schon einmal am Hals, weil sie gegen einen in ihren Augen bis über beide Ohren korrupten Immobilientycoon ermittelt hat. Also Rache?
Frieda will aus der Schusslinie und Camp Donkerbloem kommt da gerade recht. Tayfun ebenso. Sie mag den herzensguten Türken, harte Schale, weicher Kern. Tayfun wiederum wendet sich an Katinka, eine Freundin, die über Tech-Skills verfügt und Kontakt zu einem veritablen Hacker hat. Es wird ja wohl möglich sein, etwas über Friedas neuen Chef oder ihren Kollegen herauszubekommen. Dumm nur, dass Katinka bei Wout wohnt und der seinen Kumpel Tayfun wegen Frieda ins Verderben rennen sieht. Es hat schon Gründe, weshalb Wout die Polizei an sich nicht leiden kann.
Weitere Tote - und ein Cliffhanger
Eine Polizistin, ein Kleinkrimineller, ein sympathischer Türsteher und eine geheimnisvolle junge Frau mit Hacker-Connections: Das hat bereits zum Start der "Camp Donkerbloem"-Trilogie von Bestsellerautor Linus Geschke hervorragend funktioniert. Und diese vier sind auch der Adrenalin-Lieferant für den zweiten Band "Das Camp", erschienen bei Piper. Tayfun muss man einfach mögen. Aber auch Wout hat seine guten Seiten: Er ist für die Sprüche verantwortlich, für Witz und gute Musik. Und bei den beiden Frauen ist es im Gegensatz zum Erstling "Der Trailer" nun Frieda, die Katinka etwas die Show stiehlt.
Aber Geschke wäre nicht Geschke, wenn er nicht das ein oder andere Unvorhergesehene für die Leser parat hätte. Und einen Cliffhanger für den Abschluss der Trilogie, der nervenzerreißend daherkommt - und zumindest etwas darüber hinweghilft, dass Geschke auch einen emotionalen Tiefschlag zielsicher setzt. Der Leser hat daran zu knabbern. Alles andere wäre unmoralisch und eiskalt. Aber genau das ist Camp Donkerbloem eben nicht. Also: Durchatmen und Krafttanken bis zum Abschluss der Reihe. Sie werden es nicht erwarten können.
