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"Sing meinen Song" - Runde 5 Mit Milow im Tal der Tränen

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Rührt zu Tränen: Milow.

(Foto: TVNOW / Markus Hertrich)

Trauer, Tränen und Schmerzensschreie: Nach beschwingten Gute-Laune-Vibes aus dem Hause Soler kommt Lagerfeuer-Barde Milow mit einer Familienpackung Taschentücher um die Ecke.

Ein Abend mit Milow beginnt mit melancholischen Blicken, belgischem Bier und einer gefühlt halbstündigen Gruppenumarmung. Ja, die fünfte "Tauschkonzert"-Zusammenkunft hat noch gar nicht richtig angefangen, da steht bereits fest: Das wird hier heute richtig intensiv. Milow ist aber auch ein "sehr spezieller Typ", findet nicht nur Jennifer Haben. Auch Johannes Oerding und Alvaro Soler fahren sich nachdenklich mit ihren Fingern durch die Bartstoppeln. Humor hat er ja, der Milow, auch wenn man den Belgier nicht immer richtig versteht. Jeanette Biederman vergleicht den sympathischen Kahlkopf mit der Akustikgitarre im Arm gar mit einem "Krimi, der noch aufgeklärt werden muss."

Gastgeber Michael Patrick Kelly mimt den Chef-Profiler. Der ebenfalls mit allen Melancholie-Wassern gewaschene Globetrotter will alles wissen. Und der gute Milow steht bereitwillig Rede und Antwort. Zwischen groovigen Black-Keys-Vibes aus dem Hause Oerding ("You Don’t Know"), schmachtenden Evanescence-Erinnerungen von Metal-Queen Jennifer und einer biedermannschen Winterversion von "Howling At The Moon" gewährt Milow akzentuierte Einblicke in sein persönliches Top Secret-Archiv.

So erfährt die neugierige "Sing meinen Song"-Runde beispielsweise, dass die Demo-Single von Milows Durchbruch-Hit "You Don't Know" einst drei lange Jahre auf den Tischen sämtlicher belgischer Labels versauerte. Milows vierte Single "Ayo Technology" ist eine lyrische Ohrfeige in Richtung Justin Timberlake und 50 Cent. Und all die Bands, in denen der Belgier vor seiner Solo-Karriere spielte, fielen lediglich durch viel zu lange Bandnamen auf.

Auf der Couch gibt es kein Halten mehr

Der sonst eher im Hintergrund vor sich hin grinsende Milow kann sich vor offenen Mündern und aufdringlichen Blicken kaum noch retten. Als der Star des Abends dann auch noch die Akustikklampfe in die Hand gedrückt bekommt, gibt es auf der Couch kein Halten mehr. Milow trällert eigene Hits, singt irgendwas auf Flämisch und gibt den kahlgeschorenen Bruce Springsteen. Alle sind hin und weg.

Anschließende Indie-Pop- (Wincent Weiss wagt sich mit "You & Me" in Opulenz-Sphären) und Big-Band-Rock-Irrfahrten (Alvaro Soler singt "Lay Your Worry Down") werden nur noch am Rande wahrgenommen. Als Milow dann auch noch das private Vater-Sohn-Erinnerungsalbum aufklappt, saugen sich unzählige Taschentücher mit Tränenflüssigkeit voll.

Vor allem Michael Patrick Kelly fühlt sich, im aufwühlenden Milow-Universum umherirrend, an seine eigene Vergangenheit erinnert. "Wenn die Beziehung zum Vater nicht gesund und gut läuft, braucht es viele Jahre, um das gerissene Fundament wieder zu reparieren", schluchzt der Sänger, der sich kurz zuvor den eigenen Vater-Sohn-Schmerz von der Seele schreit ("Way Up High").

Nach dem berührenden Mir-gings-nicht-immer-gut-Outing von Jeanette Biedermann markiert Milow nun das zweite Musik-ist-nicht-alles-Ausrufezeichen innerhalb der diesjährigen "Tauschkonzert"-Staffel. Mal schauen ob Edelstahl-Princess Jennifer Haben in der kommenden Woche den Gute-Laune-Hebel wieder umlegen kann. Ein paar spaßige Wacken-Geschichten würden den Damen und Herren in Südafrika jetzt sicher ganz gut tun.

Quelle: n-tv.de

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