Unterhaltung

Immer authentisch, nie anbiedernd Peter Lustig wird 75

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Unterm Jackett trägt Lustig Latzhose - klar.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein blauer Bauwagen, ein ewig griesgrämiger Nachbar, eine sprechende Ukulele und mittendrin Peter Lustig, der mit seiner unbändigen Neugier den Alltag erfoscht - das ist das Szenario, auf dem "Löwenzahn" aufbaut, eine der besten Kindersendungen, die das deutsche Fernsehen je hervorgebracht hat. Heute hat Peter Lustig Geburtstag.

Wie wird die Milch zu Käse? Wie entsteht ein Zeichentrickfilm? Wie funktioniert ein Telefon? Und in welchem Gewässer schwimmen eigentlich die Stäbchenfische? Peter Lustig weiß es genauso wenig wie seine Zuschauer – doch eins ist klar: Wenn er am Ende der Sendung zum "Abschalten" auffordert, dann sind alle schlauer. 24 Jahre lang moderiert Peter Lustig "Löwenzahn", die Kindersendung, die auch Erwachsene vor den Fernseher lockt. Ende 2005 zieht er sich zurück, weil es gesundheitlich nicht mehr geht. Heute wird Deutschlands berühmtester Latzhosenträger 75.

Die Latzhose trägt Peter Lustig übrigens auch im echten Leben. Weil sie so schön praktisch ist, und das ist wichtig für Lustig, der nicht nur im Fernsehen den Tüftler gibt, sondern auch zu Hause gern in der Werkstatt sitzt und an Erfindungen wie dem Mausefallenrenner oder dem Solar-Vogel bastelt. Technik reizt den gebürtigen Breslauer schon von Kindheit an. Nach einer Ausbildung zum Rundfunktechniker und einem Elektrotechnik-Studium landet er zunächst beim Militärsender AFN und geht dann als Toningenieur zum SFB, schreibt nebenbei schon Hörspiele. Später wechselt er zum Fernsehen.

"Fernsehen ist scheiße"

Dort fallen einem Regisseur die ulkigen Sprüche des Mannes an den Reglern auf. Er setzt ihn vor die Kamera, wo sich Peter Lustig ein paar Eier auf den Kopf schlägt und "Fernsehen ist scheiße" sagt. Gesendet wird das nie, doch Peter Lustig gilt fortan als fernsehtauglich. Es folgen Engagements für den Bayerischen Rundfunk und bei der "Sendung mit der Maus", wo Lustig in der Reihe "Peter und Atze" einen verrückten Erfinder spielt. Verstellen muss er sich dafür nicht, zumal bei Lustig zu Hause gedreht wird. Als das ZDF später ein eigenes Gegenstück zur "Sendung mit der Maus" plant, ist Lustig erste Wahl. Schließlich kann er nicht nur gut erklären, sondern weiß als Ingenieur auch, wovon er spricht.

1979 wird die erste "Pusteblume"-Folge ausgestrahlt, zwei Jahre später nennt das ZDF die Sendung in "Löwenzahn" um und Peter Lustig zieht in seinen blauen Bauwagen im Elchwinkel 3 in Bärstadt. Die Adresse ist so fiktiv wie die Lindenstraße, tatsächlich steht der Wagen in Berlin, wo Lustig zu dieser Zeit wohnt. In der voll funktionablen mobilen Behausung übernachtet Lustig gelegentlich – ihm würde man den Dauerbewohner durchaus abnehmen, denn Peter Lustig wirkt nie wie einer, der nur eine Rolle spielt.

Das Gerücht vom Kinderhasser

Das liegt wohl auch daran, dass er an den Drehbüchern mitschreibt und sich seine Worte somit selbst in den Mund legt. "Ich habe mich bemüht, immer authentisch zu sein", sagt Lustig einmal in einem Interview. Nie sei es ihm darum gegangen, jemandem zu gefallen – auch nicht den Kindern vor dem Fernseher. Wenn er die längsten Spaghetti der Welt kocht, das Wattenmeer sucht oder sich die Arbeit der Feuerwehr erklären lässt, dann nicht auf eine anbiedernde Art, sondern im reinen Eigeninteresse: "Ich wollte etwas wissen und die Sendung hat mir die Möglichkeit gegeben, das rauszukriegen."

Der Moderator nimmt die Kinder ernst. Dass er sie nicht mag, ist Blödsinn, den die "Bild am Sonntag" vor elf Jahren in die Welt gesetzt hat. Er wolle keine Kinder in der Sendung haben, hatte Lustig damals gesagt, weil das Fernsehmachen für Kinder eine Qual sei. Die Zeitung machte daraus die Schlagzeile: "Peter Lustig: Ich kann Kinder nicht leiden".

Immer wieder neu

Wahr ist hingegen die Geschichte mit dem Lungenkrebs: 1984 bekommt Lustig die Diagnose, die Ärzte geben ihm noch fünf Jahre. Es folgen zahlreiche Operationen, am Ende wird die halbe Lunge entfernt. Peter Lustig überlebt den Krebs, stützt sich seither aber auf einen Stock, um besser Luft zu kriegen. Im Fernsehen ist das nicht zu sehen, doch 2005 muss Peter Lustig "Löwenzahn" an einen Nachfolger abgeben, weil die Gesundheit den Stress nicht mehr mitmacht. Der Erklär-Onkel vom ZDF geht in Rente und zieht sich zunächst nach Nordfriesland zurück. Sein altes Reetdachhaus muss Lustig allerdings 2011 aufgeben, aus Geldnöten.

Lustig nimmt es gelassen. Trennungen und Neuanfänge haben zu seinem Leben gehört, seit er 1945 als Flüchtlingskind über Thüringen nach Oldenburg und dann nach Berlin kam. Später wohnte Lustig eine Weile auf Mallorca, dann versuchte er ein Wohnprojekt in der Toskana aufzuziehen, die Krankheit kam dazwischen. Doch die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, ist geblieben. Heute lebt Peter Lustig mit seiner dritten Frau Astrid wieder in Berlin, dieser "Ansammlung von Dörfern", die Lustig schätzt, weil sie so untypisch unaufgeregt ist. Nicht wie eine Metropole, eher wie Bärstadt.

Quelle: ntv.de, dpa