Unterhaltung

Zum Ende von "Wetten, dass …?" Schuld daran ist nur ... die Redaktion!

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N'Abend! Thomas Gottschalk hat "Wetten, dass ...?" geprägt wie kein Zweiter.

(Foto: REUTERS)

Verantwortlich für das Ende von "Wetten, dass …?" sollen vor allem zwei sein: Der kleine Markus Lanz und der große Medienwandel. Dabei waren es redaktionelle Fehlplanungen und Pannen, die das Zuschauen zuletzt immer häufiger zum Fremdschämen werden ließen.

Ein bisschen nachsichtig konnte man schon werden, als am Samstag die letzte Ausgabe von "Wetten, dass …?" über den Bildschirm ging. Spätestens als Kati Witt gemeinsam mit Lanz herausfand, dass sie dereinst die erste DDR-Bürgerin auf dem "Wetten, dass …?"-Sofa war, da schoss einem durch den Kopf: Hach, es war doch nicht alles schlecht. Und man fragt sich: War das Ende der Sendung nach 33 Jahren wirklich unvermeidlich?

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Als pixelige Digital-Anzeigen ziemlich futuristisch wirkten: "Wetten, dass ...?"-Premiere 1981 mit Frank Elstner.

(Foto: picture alliance / dpa)

Deutschland, ein Volk von Hobby-Medienwissenschaftlern, weiß: die ganze Familie vor dem Fernseher zu versammeln ist 2014 eine bedeutend größere Herausforderung als noch 1981. Da ist natürlich etwas dran. Und doch hat das Ende von "Wetten, dass …?" auch mit simplen, vermeidbaren Fehlern in der Sendungsplanung zu tun. Auf den Zuschauer wirkte die Sendung durch diese Fehler häufig amateurhaft bis peinlich und auch ein bisschen lieblos. Die Verantwortung dafür liegt bei denen, über die man als Zuschauer nur selten nachdenkt: bei den Redakteuren im Hintergrund der Sendung.

Pannen unter Lanz und Gottschalk

Größere Pannen gab es in der Sendung vom Samstag zum Glück nicht, doch Beispiele aus der jüngeren Show-Geschichte finden sich genügend. Als Hape Kerkeling vor ein paar Monaten als Wetteinlösung für Cameron Diaz ein Taxi zum Flughafen bestellen sollte, stimmte die Abstimmung mit dem Taxiunternehmen nicht. Minutenlang musste verhandelt werden, ob nun ersatzweise ein Wettkandidat die Diaz im Cabrio durch den Offenburger Abend fahren sollte. Das war wohl lustig gemeint, führte aber bei Diaz, ihrem Management und auch bei den Zuschauern eher zu Irritation als zur Erheiterung.

Zu Gottschalks Zeiten war das zuletzt ähnlich. Zum Beispiel als Sylvie und Raphael van der Vaart vor zwei Jahren dazu verdonnert wurden, mit dem Fahrrad einen Wohnwagen hinter sich herzuziehen. In der Redaktion hatte keiner bedacht, dass Frau van der Vaart einen kurzen Rock tragen könnte, der sie am jugendfreien Besteigen eines Fahrrades würde hindern können. Als eine Kandidatin vor vier Jahren wettete, sie könne auf besonders schnelle Art und Weise Geldscheine zählen, hatte keiner in der Redaktion sich ein Verfahren überlegt, wie denn die erbrachte Leistung seitens des Moderators nachgeprüft werden sollte. Gottschalks und Hunzikers Scheitern daran, eine schnelle (!) Lösung für das Problem zu finden, waren von einer kaum zu überbietenden Absurdität.

Christine Neubauer auf dem Zehn-Meter-Brett

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Wolfgang Lippert war kein Glück beschieden - Gottschalk übernahm 1994 wieder das Ruder.

(Foto: picture alliance / dpa)

Noch schlimmer war nur der Moment, als die Schauspielerin Christine Neubauer 2010 ihre Wette verlor und zur Strafe in einem Hallenbad vom Zehn-Meter-Brett springen sollte. Neubauer zierte sich, das Publikum johlte, sie zierte sich immer noch, es dauerte und dauerte. Irgendwann kletterte man dann doch die Sprungtürme hoch, verhandelte zwischendurch noch über die Sprunghöhe, bis die Neubauer schließlich einwandte, sie könne ja schlecht komplett verkabelt ins Wasser hüpfen.

Gottschalk machte sich daraufhin daran, die Dame von Mikrofon und Sender zu befreien, was nicht recht gelingen wollte, weil die Redaktion den Sender tief im Rock der Neubauer vergraben zu haben schien. Währenddessen muss Frau Neubauer eingefallen sein, dass sie nichts zum Wechseln dabei hatte. Und die Redaktion, die versuchte, sie in ein Schwimmbecken zu befördern, wohl kaum die passende Wechselgarderobe bereitgelegt haben würde.

Auch mag sie die Angst überkommen haben, ihr Rock könnte beim Sprung vom Turm hochflattern und ihre Unterwäsche der Fernsehöffentlichkeit präsentieren. Jedenfalls verweigerte sie auf dem Sprungbrett endgültig den Sprung ins Becken. Gottschalk versuchte die Situation zu retten, indem er beschloss, nun seinerseits den Sprung vom Turm zu wagen - was er auch tat, allerdings nicht bevor er sich selbst umständlich von der Verkabelung hatte befreien lassen.

In dem Moment, als der Moderator sich in der Luft zwischen Sprungbrett und Wasseroberfläche befand, waren Ewigkeiten vergangen und die Sendung stand für quälende Momente ohne Moderator da. Wer also das Ende der Sendung auf den großen Medienwandel schiebt, der sollte die Frage beantworten, was eine unpraktisch verkabelte Christine Neubauer mit Streaming-Diensten, Smartphones und Twitter zu tun haben soll.

"Wetten, dass …?" war die Schönheit des Nutzlosen

Dass die Gründe für das Ende der Sendung eher im Kleinen, im Handwerklichen zu suchen sind, macht den Abschied von "Wetten, dass …?" umso betrüblicher. So werden in Zukunft Fernsehmomente fehlen, wie nur "Wetten, dass …?" sie produzieren konnte. Momente, in denen Hollywood-Größen oder Spitzenpolitiker für ein paar Minuten alles andere vergaßen und nur noch wissen wollten, ob nun ein Wettkandidat aus Niederfranken es tatsächlich schaffen würde, mit dem Bagger in drei Minuten fünf Gläser saure Gurken aufzumachen und dabei in ein Alphorn zu blasen.

Das war immer der eigentliche Zauber von "Wetten, dass …?": Die Freude daran, dass kleine, nebensächliche, vielleicht nutzlose Dinge, für einen Moment zum Wichtigsten überhaupt werden konnten und dabei eine ganz eigene, absurde Schönheit entwickelten. Das ist keine ganz schlechte Definition von Unterhaltung und die hätte es, Lanz hin, Medienwandel her, in Form dieser besonderen Sendung noch lange, lange im deutschen Fernsehen geben können.

Quelle: n-tv.de