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Hollywoods Gratwanderer Terrence Malick wird 65

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Terrence Malick bei einem Dreh 1974.

(Foto: AP)

Er kann nur eine Hand voll Filme vorweisen, doch Terrence Malick zählt zu den gan z Großen des US-amerikanischen Films. Der Regisseur wird als "Poet der Leinwand" und als Meister magischer Bilder verehrt. Den Ruhm hat er nicht nur Glanzstücken wie "Die Glut des Südens" und "Der schmale Grat" zu verdanken. Seit Jahrzehnten gibt Malick durch sein oft jahrelanges Verschwinden Rätsel auf. Der Einzelgänger, von dem es kaum Fotos gibt, lässt sich nur selten in der Öffentlichkeit blicken. Legenden ranken sich um den fernab von Hollywood in Texas lebenden Künstler, der am 30. November 65 Jahre alt wird.

Gute Nachrichten für Malick-Fans: Sein fünfter Film ist bereits abgedreht und in der Nachbearbeitung. Im Jahr 2009 soll "Tree of Life" ins Kino kommen, "nur" vier Jahre nach "The New World". Zwischen "In der Glut des Südens" (1978) und "Der schmale Grat" (1998) hatte sich Malick zwanzig Jahre Zeit gelassen. Nur wenig ist über das neue Drama nach einem Drehbuch von Malick bekannt, aber wie bei allen seinen Projekten spielen hochkarätige Stars mit, diesmal Brad Pitt und Sean Penn. Zeitweise waren auch Colin Farrell und der inzwischen verstorbene Heath Ledger im Gespräch.

Das unbekannte Genie

Malicks Werdegang ist filmreif: Er arbeitete als Handlanger auf einer Farm in Texas, bevor er an der Eliteuniversität Harvard Philosophie studierte. Mit einem Stipendium kam er nach Oxford, wo er über den Philosophen Martin Heidegger promovierte, seine Arbeit aber wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinem Betreuer abbrach. Zurück in New York schlug er sich als Journalist durch, entdeckte seine Liebe zum Film und schrieb sich 1969 als Filmstudent in Los Angeles ein. Mit dem Schreiben von Drehbüchern verdiente er Geld und Ansehen. 1972 verfasste er "Zwei glücklose Cowboys", einen modernen Western, der mit Paul Newman und Lee Marvin verfilmt wurde.

Ein Jahr später gab er mit "Badlands" (Zerschossene Träume) sein Regiedebüt. Der Neuling, der mit einem knappen Budget ohne Rückendeckung eines großen Studios mit der eigenen Firma produzierte, konnte Martin Sheen und Sissy Spacek für die Rollen eines mörderischen Paares gewinnen, das in der weiten, menschenleeren Landschaft von Nebraska und Wyoming eine Blutspur hinterlässt. Die Kritiker ließen den unbekannten Malick als Genie hochleben.

Rückzug trotz Erfolg

Diesen Ruf verfestigte er fünf Jahre später mit dem Eifersuchtsdrama "Days of Heaven" (In der Glut des Südens), das er ohne künstliches Licht nur in den milden Farben bei Sonnenaufgang und -untergang drehte. Der Film um die Dreiecksbeziehung von Bill, Abby und einen Farmer im amerikanischen Texas des Jahres 1916 ist mit Richard Gere, Brooke Adams und Sam Shepard prominent besetzt und wurde 1979 in Cannes mit dem Regie-Preis ausgezeichnet.

Trotz seines Erfolgs zog sich Malick aus dem Filmgeschäft zurück, er lebte mal in Frankreich, mal in seiner Heimat. Zwanzig Jahre mussten seine Fans auf ein Lebenszeichen warten. Als er Mitte der 90er Jahre ein Drehbuch für den Anti-Kriegsfilm "Der schmale Grat" (The Thin Red Line) vorlegte, stand Hollywoods Prominenz Schlange. "Ich habe zugesagt, weil ich unbedingt mit Terrence Malick zusammenarbeiten wollte", sagt Sean Penn, "als er sich vor zwanzig Jahren aus dem Filmgeschäft zurückzog, hatte ich das Gefühl, als ob eine bestimmte Gattung großer Künstler plötzlich ausstirbt." Penn und seine Kollegen Nick Nolte, Woody Harrelson und George Clooney verzichteten auf hohe Gagenforderungen.

Sie spielen US-Soldaten, die auf der Pazifikinsel Guadalcanal gegen die Japaner kämpfen und in ein unberührtes Naturparadies eindringen. Das Kriegs-Drama, das 1999 bei der Berlinale den Goldenen Bären gewann, ging damals mit sieben Nominierungen ins Oscar-Rennen, eine davon auch für den deutschen Komponisten Hans Zimmer. Am Ende ging das unkommerziell inszenierte Soldatenepos völlig leer aus, während Steven Spielbergs pathetisches Kriegsdrama "Der Soldat James Ryan" fünf Oscars holte.

2006 meldete sich Malick mit dem Historiendrama "The New World" wieder. Colin Farell spielt den englischen Forschungsreisenden John Smith, der sich in der Wildnis Amerikas in die Häuptlingstochter Pocahontas verliebt. Man kann sich nur wünschen, dass der Trend anhält und die Abstände zwischen Malicks Filmen immer kleiner werden.

Quelle: n-tv.de, Barbara Munker, dpa

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