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Mumins sind auch nur Menschen Tove Jansson wäre 100 geworden

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Tove Jansson wurde vor 100 Jahren in Helsinki geboren. Dort starb sie auch im Jahr 2001.

(Foto: dpa)

Sie sehen aus wie Nilpferde und sind so pfiffig wie tollpatschig: die Mumins. Ihre Schöpferin Tove Jansson wurde mit ihren Büchern über das Mumintal unsterblich. Dabei war sie auch eine äußerst schillernde Autorin.

Den Winter über kommt Mumin nicht aus seinem Bett - ab dem Frühling aber widerfahren ihm und den anderen Kreaturen im Mumintal die unglaublichsten Abenteuer. Seine Schöpferin, die Finnlandschwedin Tove Marika Jansson, hätte wohl manche der Abenteuer gern selbst erlebt, die sie mit feiner Ironie und viel Fantasie schildert. Sie liebte aber auch die Idylle ihrer Heimat.

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Eine gewisse Tollpatschigkeit kann man den Mumins nicht absprechen (Ausschnitt aus der Comic-Gesamtausgabe).

(Foto: Tove Jansson / Reprodukt)

Die Mumins machten die Künstlerin zu einer der bekanntesten skandinavischen Autorinnen des vergangenen Jahrhunderts. Eine der schillerndsten war sie auch. Vor 100 Jahren wurde Jansson geboren. Dass ihre an Nilpferde erinnernden Fabelwesen ihre Heimat so oft verlassen - auch schon mal auf rosa Wolken, die aus einem Zylinder aufsteigen -, spiegelt Janssons eigenes Fernweh wider: Die wilde und freiheitsliebende Mumin-Mutter liebte es, unterwegs zu sein.

Klein Mü, Sniff und Snorkfräulein

Ihre erste und ihre letzte Reise führte sie nach Paris. Italien, Griechenland, Nordafrika, Japan und die USA waren Stationen ihres bewegten Lebens, das am 9. August 1914 in Helsinki begann. Jansson, eine schmale Frau, die laut ihrer Nichte Sophia "höchstens 45 Kilo wog", war ein Phänomen für viele ihrer Mitmenschen. "Sie war ein Mensch, der die ganze Welt umfasste und sie zwischen den Händen hielt", sagte der Regisseur und Schriftsteller Lars Löfgren über sie.

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Auch im Mumintal ist es mitunter sehr heiß (Ausschnitt aus "Ein Urwald im Mumintal").

(Foto: Tove Jansson / Reprodukt)

Die Kinderbuchautorin erzählte so zeitlos, dass sie Generationen von Kindern und Erwachsenen mit ihren Geschichten verzaubert. Obwohl Mumin und seine Weggefährten wie Klein Mü, Sniff oder das Snorkfräulein schon fast 70 Jahre auf dem Buckel haben, sind sie heute genau solche Kultfiguren wie zu ihrer Geburtsstunde 1945, als "Mumins lange Reise" erstmals erschien. Seitdem sind die Geschichten millionenfach gedruckt und in über 40 Sprachen übersetzt worden - als Bücher, Bilderbücher und Comics.

Gerade die Comics erlebten zuletzt eine kleine Renaissance, seit der Berliner Verlag Reprodukt die edel gestaltete Gesamtausgabe herausgibt. Insgesamt gibt es bisher sechs Bände (zehn sind geplant) mit schwarz-weißen Zeitungsstrips, die Jansson in den 50er-Jahren für ein englisches Blatt zeichnete. Später gab sie diese Aufgabe an ihren Bruder Lars ab, der die Geschichten von 1961 bis 1974 fortführte (zu lesen ab Band sechs).

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Die Gesamtausgabe besteht bisher aus sechs Bänden, alle erschienen bei Reprodukt, Hardcover, zwischen 88 und 112 Seiten, je 24 Euro.

Zum 100. Jubiläum der Schöpferin gibt es aber auch noch etwas Neues aus dem Mumin-Universum: In kleinen, äußerst liebevoll gestalteten Bänden präsentiert Reprodukt erstmals kolorierte Comic-Abenteuer der Familie und ihrer Freunde. Jedes der bisher vier Bücher enthält eine kurze, abgeschlossene Geschichte aus der Gesamtausgabe und richtet sich - anders als die großformatigen Bände - vor allem an Kinder. So erleben die Wesen etwa, wie sich ihr Tal in einen Urwald verwandelt oder verfolgen die Bahn eines Kometen.

Für Jansson stehen dabei nicht nur die witzigen Abenteuer im Mittelpunkt oder die ulkigen Protagonisten, die sich immer wieder in die Haare kriegen. Die Geschichten transportieren darüber hinaus zutiefst menschliche und zeitlose Werte. Das dürfte auch der Grund für ihre anhaltende Popularität vor allem in Skandinavien sein.

Doch die Mumin-Mania ab den 1950er-Jahren machte Jansson, die Kunst in Helsinki und Stockholm studiert hatte, nicht nur glücklich. Dass die drolligen Trolle so im Vordergrund standen, behinderte ihre Karriere als Malerin.

Dass ihr Künstlername "Tove" nur noch mit ihrer Rolle als Mumin-Erfinderin in Zusammenhang gebracht wurde, passte der mutigen und bisweilen exzentrischen Frau nicht. Fortan signierte sie ihre Werke stattdessen mit dem unverbrauchteren Namen "Jansson". "Freiheit ist die beste Sache", schrieb sie unter eines ihrer Werke.

Feministin und politisch Radikale

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Auch die kolorierten Bände sind bei Reprodukt erschienen. 40 bis 48 Seiten im Hardcover, je 10 Euro.

Sie sei ihrer Zeit in vielen Dingen voraus gewesen, erzählte ihre Nichte Sophia Jansson der schwedischen Tageszeitung "Svenska Dagbladet": "Als Feministin. Als politisch Radikale. Aber auch als jemand, der seinen Partner nicht nach Geschlecht, sondern nach Gefühlen aussucht. Ob derjenige, den sie liebte, ein Mann oder eine Frau war, hatte weniger Bedeutung." Mit der Künstlerin Tuulikki Pietilä - "Tooti" - traf sie 1955 ihre Partnerin fürs Leben.

Die Künstlertochter Jansson schrieb Kurzgeschichten und Romane, illustrierte Bücher anderer Autoren und porträtierte sich immer wieder selbst. Der wunderbar-leichte Roman "Das Sommerbuch" (1972) stammt genauso aus Janssons Feder wie eine Sammlung melancholischer Kurzgeschichten.

Auch wenn sie zwischendurch Mumin-müde war, nahm Jansson ihre Fans ernst: Als Autorin hatte sie den Anspruch, jeden Brief zu beantworten, den sie bekam. "Sie unbeantwortet zu lassen stört meine Arbeit weit mehr, als zu antworten", meinte sie. Als sie durch Japan reiste, erhielt ihr Bruder Lars die Aufgabe, die Fans von der Verzögerung zu unterrichten.

Stofftiere, Handtücher und Geschirr

Heute würde es Jansson, die am 27. Juni 2001 starb, wohl nicht mehr gelingen, jeden Brief zu erwidern. An die Stelle von Autogrammen ist dafür ein ganzes Mumin-Merchandising-Universum getreten, das ihre Nichte verwaltet. Dazu gehören nicht nur Adaptionen in Form von Hörspielen oder Zeichentrickfilmen. Im Oktober geben die Figuren mit "Die Mumins an der Riviera" nun sogar ihr Kinodebüt.

Auch Tassen, Stofftiere, Handtücher und Rucksäcke, Frühstücksbrettchen und iPhone-Hüllen gibt es im Mumin-Design. Das erste Troll-Geschirr entwarf Jansson in den 50er-Jahren sogar noch selbst. Jetzt ist es in einer der Ausstellungen zu sehen, mit denen die Finnen den 100. Geburtstag der Mumin-Erfinderin und außergewöhnlichen Frau feiern.

Mehr Informationen zu Tove Jansson und Veranstaltungen zum 100. Geburtstag gibt es hier und auf der ihr gewidmeten Webseite.

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Quelle: ntv.de, mli/dpa