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Wolfenstein, die okkulte NazifestungUS-Spion Blazkowicz jagt General Totenkopf

24.05.2015, 16:17 Uhr
imageVon Roland Peters
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Rudi Jäger ist einer der Oberbösewichte und Hauptwidersacher in der ersten von zwei Kampagnen. (Foto: Bethesda / Machine Games)

Im Jahr 1946 greifen die Nazis nach der Weltherrschaft. Verhindern soll das im neuen Wolfenstein-Spiel einmal mehr US-Weltkriegsrambo Blazkowicz. Der legt sich mit der okkulten SS-Kommandeurin von Schabbs an. Aber wo ist General Totenkopf?

Kommandant Franz fährt in einem offenen Auto eine Bergstraße entlang. Burg Wolfenstein und die erste Passkontrolle sind bereits bedrohlich nahe, als er hervorstößt: "Amerika wird niemals fallen!" Er klingt trotzig, als müsse er sich selbst überzeugen. Kommandant Franz ist der Deckname von William "B.J." Blazkowicz. Der US-Soldat kann einen offenen Kampf nicht riskieren; niemand seiner Kameraden kann das. Die Alliierten müssen gegen das überlegene Nazideutschland auf erfolgreiche Sabotage hoffen. Es ist das Jahr 1946.

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Tarnkappenjäger fliegen über eine Seilbahn, die einzige Zugangsmöglichkeit zu Burg Wolfenstein. (Foto: Bethesda / Machine Games)

Die kurze Fahrt ist die eröffnende Szene des neuen Wolfenstein-Spiels "The Old Blood". In "The New Order", das vergangenes Jahr mit erzählerischen Zwischenszenen überraschte, war der Spieler bereits in die 1960er Jahre geworfen worden, in denen die Nazis Europa unterjocht hatten. Bei beiden Titeln ist der Held eben jener Blazkowicz, eine menschliche Kampfmaschine vom alten Schlag. "The Old Blood" eben. Und so viel vorneweg: Das neue Abenteuer ist zwar ein zeitlicher Rückschritt innerhalb der Serie, aber kein qualitativer. Ernst zu nehmen ist diese alternative Geschichtsschreibung bei beiden Spielen nicht; sie ist völlig überzeichnet. So entsteht ihr comichafter Anstrich.

Blazkowicz pflügt schon seit über zwei Jahrzehnten mit Messer, Pistole und Gatling Gun durch die deutschen Reihen. Bei seinem ersten Auftritt als Protagonist hatte id Software das Ego-Shooter-Genre 1992 gleich miterfunden. Sich in Ich-Perspektive frei beweglich durch Gegnerscharen zu kämpfen, so etwas hatte die Spielewelt noch nicht gesehen. Bei seinem ersten Auftritt schoss er sich aus Burg Wolfenstein heraus. Eben dorthin geht es nun zurück.

Joker in SS-Uniform

Was damals Hermann Göring alias General Fettgesicht und weitere zentrale Figuren Nazideutschlands in Pixelform waren, ist im neuesten Abenteuer des US-Soldaten Blazkowicz ein gewisser General Totenkopf. Um den Joker-Verschnitt in SS-Uniform drehte sich auch schon das exzellente "The New Order". Der Kommandeur ist kriegsentscheidend, sein Aufenthaltsort den Alliierten aber nicht bekannt.

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(Foto: Bethesda / Machine Games)

Mehr wissen soll Helga von Schabbs, die Herrin von Burg Wolfenstein. Die SS-Kommandeurin der Archäologischen Division ist besessen vom Okkulten, ebenso wie es ihr Vorfahre König Otto war, der die Festung in den Stein bauen ließ. Immer wieder findet Blazkowicz Briefe, die ihn über die Fortschritte der Forschung informieren. Von Schabbs befindet sich nahe der Burg an einer Ausgrabungsstätte des Dorfes Wulfburg. Allerdings geht bei der Suche einiges schief, was den Winkel der ohnehin schon schrägen Erzählung auf neue Spitzen treibt.

Die Unterschiede zum vorherigen Teil sind überall zu entdecken: Die germanisierte Welt war in den 60er Jahren von "The New Order" bereits stärker technisiert. Fast zwei Jahrzehnte zuvor ist hingegen das okkulte Element dominanter. Die Macher platzieren "The Old Blood" dadurch nachvollziehbar in den Erzählbogen und zwischen die beiden vorherigen Teile der Serie. So suchten die Nazis in "Return to Castle Wolfenstein" (2001) ebenfalls im Paranormalen den Schlüssel zum Sieg. Der Erfolg gegen die Alliierten ist im Jahr 1943 noch nicht so abzusehen, wie er in "The New Order" bereits offensichtlich wurde.

Erst die Erde, dann der Mond

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Manchmal hilft es, sich anzuschleichen, manchmal führt nur Feuerkraft an Gegner vorbei. (Foto: Bethesda / Machine Games)

Die Atmosphäre von "The Old Blood" entfaltet sich durch die sichtbaren Verbindungen von Militarismus und Fanatismus, Technik und dunkler Magie, wenig Geschichte und viel Fiktion. Dazu tragen eine Vielzahl von Details bei: Da liegen Ausgaben des Magazins "Erstaunliche Technologie" herum, wird per Plakat daran erinnert, dass "gute Bürger" pünktlich beim "Germanen-Express"-Zug sein sollten, oder für ein staatliches Mondkolonisierungsprogramm der Nazis geworben.

Elemente wie diese gibt es auf Burg Wolfenstein und in ihrer Umgebung einige. Erzählerische Zwischensequenzen fehlen dagegen. Die Macher von Machine Games berichten dem Spielemagazin Gamasutra, dass dies eine bewusste Entscheidung war, auch wenn sie wegen eines begrenzten Budgets und straffen Zeitplans kaum eine andere Wahl hatten. Die Vertrautheit des Spielers mit Blazkowicz muss sich diesmal in Mono- und Dialogen bilden. Das ist ungewohnt und überrascht, denn redselig war der Zweite-Weltkrieg-Rambo zuvor nie. Die Zwangsalternative funktioniert aber erstaunlich gut.

Das hat auch mit der Überzeichnung der Welt in Schwarz und Weiß zu tun, die in Filmen und Videospielen besonders häufig kultiviert wird. Und welche Bösewichte sind unkomplizierter als Nazis? Ihre moralische Verdorbenheit ist fraglos. Jeder, der sie bekämpft, ist ein Guter. So auch Blazkowicz. Der kantige Blondschopf ginge wegen seines Äußerlichen gemäß Klischee auch als Mitglied der SS oder Wehrmacht durch - was zu Beginn des Spiels geschieht, als von Schabbs' rechte Hand, Rudi Jäger, in den Ausweis von Kommandant Franz schaut und nach dessen Herkunftsstadt Frankfurt fragt.

US-Soldat Blazkowicz, der kaum ein Wort Deutsch beherrscht, übersteht die heikle Situation, indem er etwas von "Hot Dog" stammelt und wie durch eine glückliche Fügung die Kontrollstelle passieren darf. Danach verlässt sich Blazkowicz lieber auf seine Waffenfähigkeiten. Er ist eben vom alten Schlag.

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Quelle: ntv.de

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