Lady "Flashdance" - Schwarm einer Generation"What A Feeling"

Von der Tanz- und Aerobic-Heldin Anfang der 1980er-Jahre zur Lesben-Ikone in "The L Word" zum Beginn des 21. Jahrhunderts: Jennifer Beals hat sich immer einem festgelegten Image verweigert. Jetzt feiert die Schauspielerin ihren 50. Geburtstag.
Große, sanfte Rehaugen, braune Lockenmähne, nackte Beine und nur mit einem Sweatshirt bekleidet, das ihr sexy von den schmalen Schultern rutscht: Als Jennifer Beals 1983 in diesem Look vom Plakat ihres Erfolgsfilms "Flashdance" blickte, war nicht nur der männliche Part der Schöpfung verzückt. Die 18-jährige Alexandra "Alex" Owens, verkörpert von der damals 20-jährigen Beals, wurde eine der Symbolfiguren der 80er-Jahre.
Süß, wild und etwas naiv tanzte sie sich in der damaligen US-Stahl-Metropole Pittsburgh in die Herzen einer ganzen Generation. Am Tage in einem Stahlwerk als Schweißerin schuftend, frönte die junge Alex nachts ihrer wahren Leidenschaft: dem Tanzen. "Flashdance" gehörte zu den Auslösern einer gigantischen Tanz- und Aerobic-Welle. Frauen wollten sein wie Jennifer Beals - und Männer wollten einfach nur sie.
Als Film fällt "Flashdance" nach heutigen Kriterien natürlich auf ganzer Linie durch, aber die Tanz-Szenen wissen immer noch zu beeindrucken. Schnell geschnitten, roh und sexy fegt die leidenschaftliche Tänzerin übers Parkett oder lässt sich auf der Bühne eines Nachtclubs mit Wasser überschütten. Wer sieht nicht gern perfekt durchtrainierten Frauen, deren schwitzende Körper in hautengen Leggins und Bodys stecken, dabei zu, wie sie sich lasziv auf einem Stuhl rekeln? Und das ist nicht ironisch gemeint!
Das Geheimnis der Doubles
Dass Miss Beals bei ihren Dance-Acts von der französischen Tänzerin Marine Jahan gedoubelt wurde, war damals noch ein Geheimnis. In der finalen Tanz-Szene kam sogar ein Mann zum Einsatz, um den Break-Dance-Part zu performen. Heute würde man ihren Kopf natürlich einfach per Computer ins Filmmaterial einfügen und niemand würde auch nur ansatzweise etwas bemerken. Dass Beals gedoubelt wurde, hängten die Filmproduzenten ungern an die große Glocke. Deswegen wurden ihre Tanz-Doubles auch nicht im Abspann genannt.
Lady "Flashdance" nahm den Ruhm und Medienhype ihres Kinohits gelassen und beendete erst einmal artig ihr Studium in Yale. Amerikanische Literatur mit Auszeichnung liest sich in der Vita auch besser als Kellnerin im Coffeeshop um die Ecke. Anstatt als eine von vielen Sternschnuppen am Hollywood-Himmel zu verglühen, legte Beals Wert auf eine solide Ausbildung. Auch eine Fortsetzung ihres Kassenschlagers lehnte sie ab. In einem Interview zu diesem Thema sagte Beals: "Ich habe eine Menge Geld in den Wind geschossen und meine Agenten mit dieser Entscheidung fast in den Wahnsinn getrieben".
Eine Lesbe zum Verlieben
Obwohl Jennifer Beals in den letzten Jahrzehnten in vielen Kino- und TV-Produktionen präsent war, ist ihr der Aufstieg in die absolute schauspielerische A-Liga Hollywoods versagt geblieben. Dieser Umstand ist mit Sicherheit nicht mangelndem künstlerischen Talent geschuldet, sondern vielmehr ihre ablehnende Haltung dem Marken-Verhalten und Schubladen-Denken der US-amerikanischen Filmindustrie gegenüber. Ihr Privatleben hatte immer Priorität.
In den Nullerjahren des neuen Jahrhunderts gelang ihr mit der Darstellung der Lesbe Bette Porter in der US-Serie "The L Word" ein Comeback, das ihr weltweit eine neue Fangemeinde bescherte. "The L Word", von unseren deutschen Fernsehfreunden mit dem Zusatz "Wenn Frauen Frauen lieben" ergänzt, handelt von Frauen, die die Liebe in all ihren Varianten aus- und erleben. Eine Art "Sex and the City", nur eben mit etwas mehr Sex.
"The L Word" hatte nicht den Megaerfolg von Carrie Bradshaw und ihrer New Yorker Mädels-Clique, doch Beals' Darstellung des Parts in dem lesbischen Pendant zu der Kult-Serie war einfühlsam, glaubwürdig und schlicht authentisch. Die Themen von "The L Word" sind breit gefächert, angefangen von gleichgeschlechtlichem Sex über Adoption von Kindern durch Homosexuelle bis hin zu Brustkrebs. Eine manchmal sperrige, dafür aber umso sehenswertere US-Show.
Jennifer Beals identifizierte sich derart mit ihrem lesbischen Alter Ego Bette Porter, dass sie sich als Teil der Homosexuellen-Gemeinschaft fühlte und seitdem intensiv für die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare einsetzt.
Aus dem naiven tanzenden Rehäuglein von einst ist eine Frau mit klaren Ansichten die Gesellschaft betreffend geworden. Sichtweisen, die in Anbetracht der globalen homophoben Entwicklungen hochaktuell sind. Diesen Image-Wandel meisterte die Flashtänzerin mit Bravour.
Befreundet mit Tarantino
Seit Beals 1995 in dem Episodenfilm "Four Rooms" mitwirkte, bei dem ihr damaliger Ehemann Alexandre Rockwell unter anderem neben Quentin Tarantino Regie führte, ist sie mit dem "Pulp Fiction"-Regisseur und erfolgreichen Filmproduzenten eng befreundet.
Und wenn uns der Meister des skurrilen und eigensinnigen Films in den letzten Jahrzehnten eines gelehrt hat, dann ist es die Tatsache, dass er es immer wieder schafft, ältere und aus der Mode gekommene Stars erfolgreich gegen ihren Typus zu besetzen - oder international noch unbekannten Schauspielern zu Ruhm zu verhelfen. Im Fall von Christoph Waltz wurden Tarantinos mutige Entscheidung für den österreichischen Schauspieler sogar mit zwei Oscars belohnt. Vielleicht berücksichtigt der "Kill Bill"-Schöpfer seine gute alte Freundin Jennifer ja bei einer seiner nächsten Produktionen. Zu ihrem 50. Geburtstag kann man ihr das ruhig wünschen. Dass sie wandelbar ist, hat sie längst bewiesen.