Robert Ingpen zeichnet Tom SawyerBlick in ein Jungenleben
Der Waisenjunge Tom Sawyer lebt bei seiner Tante Polly und ist ein frecher Angeber, der wenig von gutem Benehmen hält. Doch dann wird er Zeuge eines Verbrechens. In Robert Ingpens fantastischen Illustrationen werden Twains unwiderstehliche Charaktere 135 Jahre nach dem ersten Erscheinen zu neuem Leben erweckt.
Tom Sawyer, Mark Twains klassische Geschichte über die Kindheitsabenteuer eines Jungen in einer kleinen Stadt am Mississippi vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, war schon im Erscheinungsjahr 1876 ein Erfolg und ist es bis heute geblieben. 135 Jahre später hat der Knesebeck-Verlag den Kinderbuch-Klassiker gerade wieder neu aufgelegt, illustriert von Robert Ingpen.
Ingpen ist gerade 75 Jahre alt geworden. Schon 1986 bekam er für seine Kinderbuch-Illustrationen die Hans-Christian-Andersen-Medaille. Im Lauf seiner Karriere, die er einst mit der Illustration von naturwissenschaftlichen Texten begann, hat er über 100 Romane und Sachbücher ausgestaltet. Der Australier hat ein ungemein feines Gespür dafür, welche Bilder der Text noch vertragen kann. Viele seiner Zeichnungen sind seitenfüllend, andere fast winzig.
Bei Tom Sawyer ist es manchmal nur ein Stillleben, bei dem sich der Inhalt einer Jungshosentasche aufblättert – eine Eichel, zwei Murmeln, eine zerdrückte Blume, ein Schlüssel und ein Käfer. Dann wieder sind es zwei Jungen, in eine Rauferei vertieft, "Gesichter und Nasen mit Schmutz und Ruhm" bedeckt, wie es bei Twain heißt. Klar ist, wer gerade die Oberhand hat, aber ein leichter Sieg wird das nicht.
Das Leben in ganzer Fülle
Ingpens Bilder erzählen Freundschaft und Einsamkeit, die Süße eines endlos langen Kindersommertages und den beinahe wahr werdenden Traum, einen wirklichen Schatz zu finden. Mit unzähligen Strichen entstehen diese Illustrationen, in denen man Rauch zu schmecken und Abendkühle zu fühlen meint. Dabei nimmt er seinen Stoff ernst und drückt sich auch in den Bildern nicht um die harten Seiten in Toms Leben. Ein Toter ist ein Toter, auch bei Ingpen.
Die Kindheit des Australiers war gefüllt mit Büchern und Zeichnungen. Über Jahre habe er die Fähigkeit entwickelt, Bilder zu malen, die Geschichten erzählen, erzählte er in einem Interview vor einigen Jahren. Er lauscht auf den Klang der Geschichte und sucht dann einen Weg, die Vorstellungskraft des Lesers zu entzünden.
Es heißt, Twain habe in "Tom Sawyer" die nostalgischen Erinnerungen an seine eigene Kindheit verarbeitet. Ingpen hat die seinen in Bildern noch dazu getan, und Twain hätte sich keinen besseren Illustratoren wünschen können.
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