Eine Nacht, eine Party, eine Leiche"Sally in the Wood" wird dich holen!
Von Thomas Badtke
In den Wäldern von Thorncombe spukt es. So sagt es die Legende von "Sally in the Wood". Der Wald ist damit die perfekte Location für eine Halloween-Party von Schülern des örtlichen Internats. Am Morgen darauf wird eine Leiche gefunden. "Bestrafen, Zerstören, Bereuen" steht mit Ruß auf ihrer Haut.
Unfall? Selbstmord? Mord? Das sind die Fragen, die sich Detective Ben Chase stellt, als die Leiche eines Mädchens in den Thorncombe-Wäldern gefunden wird. Sie liegt am Fuß eines zwölf Meter hohen steinernen Zierturms mit offener Plattform und innen liegender, enger Wendeltreppe ohne Geländer. Er ist das Prestigeprojekt eines örtlichen Steinbruchbetreibers aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Turm an sich ist schon schaurig genug, wie er da vollkommen mit Efeu überwuchert düster in den Himmel ragt.
Aber er ist auch Teil einer unheimlichen örtlichen Legende: Ein Mädchen namens Sally wurde an ihrem Hochzeitstag auf der Plattform von ihrem Mann ermordet. Er hat sie in ihrem blutgetränkten Brautkleid den Krähen überlassen, die sich über das Gesicht des Mädchens hergemacht haben. Seitdem wird immer wieder eine weiße gespensterartige Gestalt in den Wäldern gesehen - mysteriöse, tödliche Unfälle inklusive. Nur eine Legende?
Die vor dem Turm gefundene Leiche trägt ein weißes Kleid. Ihr Gesicht wird von einer Karnevalsmaske mit langem, gebogenem Schnabel verdeckt. Und: Auf der Leiche prangen mehrere Worte, mit Ruß auf Arme und Beine gekritzelt: "Bestrafen, Zerstören, Bereuen". Chase ist geschockt und ratlos gleichermaßen.
Viel Geheimniskrämerei
Als sich herausstellt, dass das Mädchen Schülerin des örtlichen Internats war und auch noch zur reichsten Familie des Ortes gehört, ist die Kacke mächtig am Dampfen. Der Druck auf die Ermittler wächst. Und Chase ist bald außen vor.
Der Grund: Chases Ex-Frau arbeitet als Schulpsychologin im Internat, die Tochter der beiden ging mit dem Opfer in eine Klasse - und an ihrem Hoodie findet sich das Blut des Opfers. Ein Selbstmord kann damit zwar ausgeschlossen werden, ein Mord wird aber wahrscheinlicher. Erst recht, als sich herausstellt, dass die Party im Wald geheim gewesen ist und auch noch zwei ältere Jungs daran teilgenommen haben: der ältere Bruder eines Partygastes, polizeilich betrachtet kein unbeschriebenes Blatt; und dessen Freund, dessen Spitzname "Big Kev" ist, "ein Riese wie ein Scheißhaus".
Packend und düster
Es gibt also ein geheimnisvolles Internat, einen mysteriösen Wald, eine düstere Legende, Reichtum, Pubertät, Liebeleien und das große Ganze. Letzteres heißt für Ben Chase, das Leben mit seiner Ex so zu gestalten, dass die Tochter nicht leidet, und gleichzeitig aber auch weiterzumachen, voranzukommen, im Job und in der Liebe, neue Freundin samt Schwangerschaft inklusive. Aus all dem hat Bestsellerautorin Hannah Richell ("Das Wochenende") einen packenden Thriller gebastelt: "Das Internat", erschienen bei Rowohlt und als Hörbuch bei Argon. Mit Twists, falschen Fährten und einem Wald, um den man in der Halloween-Nacht einen großen Bogen machen sollte. Nicht zu vergessen der Zierturm.
Als Leser bleibt man von Anfang an am Ball, fiebert mit, spielt eine Reihe von Möglichkeiten und "What ifs" durch, hat den einen oder anderen Verdacht. Und wird am Ende doch irgendwie überrascht. So muss das sein, wenn man zu einem englischen Thriller greift! Also mutig sein, folgen Sie "Sally in the Wood"!
