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Der Fluch der Serie Ein Plädoyer für ein gutes Buch

Es ist Buchmessenzeit in Leipzig, da kommen die Verlage eigentlich mit faszinierenden neuen Büchern. Manchmal aber auch nur mit Band fünf einer schon viel zu langen Serie.

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Sie sollen lesen, aber nicht jeden Schmutz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Serien haben so ihren ganz eigenen Geschmack, Fernsehserien zum Beispiel oder Serienmörder und nun auch Bücherserien. Damit ist nicht der gefühlte 500. Band der drei Fragezeichen gemeint, sondern die schlichte Geschichte, die gleich in drei Bänden angelegt wird, obwohl sie auch gut auf knapp 200 Seiten erzählt werden könnte.

Besonders gut geht das offenbar mit der neuerdings so angesagten All-Age-Literatur, also mit jenen Titeln, die pubertäre 14-Jähre ebenso lesen sollen, wie nicht-recht-erwachsen-gewordene 40-Jährige. Deshalb handelt es sich zumeist um Fantasy-Schmonzetten wahlweise mit Vampiren, Werwölfen oder anderen möglichst phantasievollen Figuren. Dann braucht es noch die richtige Mischung aus nicht zu viel Sex, Action und dem richtigen Hangover für den nächsten Band.

Und so stehen die Buchhandlungen voll mit drei Bänden Biss-Saga, neun Bänden "Chronik der Unsterblichen", sieben Bänden "Schwestern des Mondes", bisher fünf Bänden Werwolf-Chroniken und und und. Die Liste ließe sich beliebig und leider auch nahezu unendlich ergänzen.

Auf der Suche nach der Geschichte

Was dabei leider auf der Strecke bleibt, ist zum Einen die Geschichte. Früher gab es Lektoren, die ihren Autoren beratend zur Seite standen, um das richtige Maß für die Geschichte zu finden. Sie rieten gelegentlich zur Mäßigung, wenn die Figuren zu aberwitzige Wendungen durchmachten und verhalfen der Geschichte damit zu einer gewissen Erzählstringenz. Heute scheint eine unheilvolle Allianz aus Autoren, Schriftsteller mag man sie kaum nennen, und Verlagsmarketing den umgekehrten Weg zu gehen. Kommt da einer mit einer gut erdachten und erzählten Geschichte, werden so lange immer neue Kapitel und Nebenfiguren und Abwege der Hauptfiguren erfunden, bis mindestens drei Bände zusammenkommen.

Zum Anderen überzeugen Band eins bis fünf jener gelegentlich hanebüchenen Stories auch sprachlich nur selten. Hier mal eine gute Beschreibung, da mal eine spannende Figur, dort eine durchaus faszinierende Wende. Aber selten eine schlüssige Geschichte in überzeugenden Worten, mit einem eigenen Sound vielleicht und dieser ganz bestimmten Enttäuschung, die Leser empfinden, wenn ein wirklich gutes Buch plötzlich zu Ende ist.

Sicher, auch Autoren, Verlage und Buchhandlungen müssen leben und dafür nun mal Bücher verkaufen. Aber Groschenromane zwischen Buchdeckel zu gießen und das dann auch noch in Serie, ist Betrug am Leser. Nicht umsonst stellen sich viele kleine Buchhändler des Vertrauens ihre Regale deshalb eben nicht mit diesen Serien voll, sondern setzen auf  überzeugende Titel, die manchmal sogar den Wunsch nach mehr davon wecken.

Quelle: n-tv.de

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