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Elizabeth TaylorGlamour und Abgrund

09.03.2009, 15:00 Uhr
imagevon Markus Lippold

Sie war eine der schönsten, aber auch der begabtesten Schauspielerinnen Hollywoods. Doch das Können von Elizabeth Taylor wurde zu oft überschattet von Affären, Skandalen - und acht Ehen.

Nachgeborene haben Elizabeth Taylor in den letzten vierzig Jahren vor allem aus vier Gründen kennengelernt: Als Kinderdarstellerin in sonntäglichen Lassie-Filmen, durch diverse Süchte, Entzüge, Krankheiten und schlagzeilenträchtige Skandale, als Busenfreundin von Michael Jackson, vor allem aber durch die etlichen, teils nicht mal ein Jahr haltenden Ehen, von denen einem spontan nur die mit Richard Burton ins Gedächtnis kommen (die Reihenfolge: Hilton Jr., Wilding, Todd, Fisher, Burton, Burton, Warner, Fortensky).

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1948 hat sie es bereits auf den Titel der Zeitschrift "Life" geschafft. (Foto: Magnum Photos - Philippe Halsman)

Dass sie in ihrer Glanzzeit zu den schönsten, aber auch besten und bestbezahlten Hollywood-Schauspielerinnen gehörte, gerät da schnell in Vergessenheit. Zumal die Zeit der großen Diven seit den 70ern und der Etablierung des New Hollywood vorbei ist. So scheint Elizabeth Rosemond Taylor, am 27. Februar 1932 in London geboren, als ein Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit, als die letzte Diva eines alten Hollywood-Studiosystems.

Glänzende Augen

Der Bildband "Elizabeth Taylor - Bilder eines Lebens" (Henschel Verlag) verfolgt das Leben des Leinwandstars und ihm gelingt zwar kein intimes Porträt Taylors - denn welche Diva würde einen Fotografen schon zu nah an sich heran lassen -, wohl aber ein subtiler Blick in die glänzenden Augen der britisch-amerikanischen Schauspielerin. Und diese Augen können Bänden sprechen.

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Die Momente des familiären Glücks sind selten: 1957 mit Tochter Eliza, den Söhnen Michael und Christopher und Ehemann Mike Todd, der ein Jahr später stirbt. (Foto: Tonnie Frissell)

Die frühesten Fotos, seien es nun Standbilder von Filmaufnahmen oder - freilich gestellte - Bilder aus dem Privatleben, dienen vor allem einem Zweck: Sie sollen einen sauberen amerikanischen (Kinder-)Filmstar aufbauen. Nur ein Bild zeigt die jugendliche Taylor ungezwungen, frei von Zwängen, mit einem Freund am Strand umhertollend - da ist sie 16 Jahre alt. Elizabeth Taylor kannte es aber wohl nicht anders, denn schon früh wurde sie auf eine Karriere vorbereitet: "Ich wollte nie Karriere machen. Ich wurde dazu gedrängt", heißt es im Eingangszitat.

Ohne Kindheit

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Elizabeth Taylor im Jahr 2006. (Bild nicht im besprochenen Band enthalten) (Foto: AP)

1936 hat Taylor ihren ersten Bühnenauftritt, drei Jahre später zieht die Familie wegen des Kriegsbeginns nach Hollywood. Elizabeth nimmt Gesangsunterricht, Tanz- und Reitstunden. 1941 hat sie ihren ersten halbjährlichen Vertrag mit Universal in der Tasche und dreht ihren ersten Film, "There's One Born Every Minute". Da ist sie zehn Jahre alt. 1942 unterschreibt sie bei MGM.

Zwei Jahre später schafft sie in "Kleines Mädchen, großes Herz" an der Seite von Kinderstar Mickey Rooney ihren Durchbruch. Es folgt "Lassie - Held auf vier Pfoten". Die Karriere ruft, die Kindheit bleibt auf der Strecke: "Meine Kindheit war in dem Moment zu Ende, in dem ich anfing, Filme zu drehen", heißt es später im Band.

Und: "Ich habe den Körper einer Erwachsenen und die Seele eines Kindes." Die Eltern trennen sich 1946. Mit 15 folgt der erste Filmkuss, ein Jahr später hat sie ihre erste Beziehung mit einem sechs Jahre älteren Football-Spieler. 1950, sie ist gerade 18, heiratet sie das erste Mal - eine perfekte heile Hollywood-Welt.

Der Band fasziniert gerade dadurch, dass man nachverfolgen kann, was aus dem Kinderstar wurde: vom zehnjährigen Mädchen, das für Filmaufnahmen posiert, über die junge Schauspielerin, die ersten Erfolge in "Ein Platz an der Sonne", "Ivanhoe", "Giganten" und "Die Katze auf dem heißen Blechdach", bis zur Verleihung des Oscars 1960 für "Telefon Butterfield 8" - da ist sie 27.

Die Freunde sterben früh

Es ist der Höhepunkt ihrer Karriere. Doch privat läuft nicht alles so perfekt. Sie ist zu dieser Zeit zum vierten Mal verheiratet. Ihr dritter Mann war 1958 bei einem Flugzeugabsturz gestorben, danach heiratete sie den Trauzeugen - ein Skandal. 1963, noch während der Dreharbeiten zu "Cleopatra", beginnt sie eine Affäre mit Richard Burton, die ebenfalls großes Geschrei hervorruft - das Paar kommt für die nächsten Jahrzehnte nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus.

Auch zwei ihrer guten Film-Freunde - Montgomery Clift und James Dean - sterben früh. Bei Taylor hinterlässt all das Spuren: Ihre glänzenden Augen strahlen nicht mehr nur Verführung aus, sondern auch Melancholie. Wirklich glücklich scheint sie nur auf den Bildern mit ihren Kindern, die 1953, 1955 und 1957 geboren werden.

Fanal des Studiosystems

"Cleopatra" war das Fanal des alten Hollywood. Eine neue Generation von Filmemachern steht in den Startlöchern. Taylor bekommt 1966 ihren zweiten Oscar, für "Wer hat Angst vor Virginia Wolf", doch in den 70ern zieht sie sich aus dem Filmgeschäft zurück. Auch der Band bricht hier abrupt ab. Nur acht Bilder zeigen sie nach 1971 - sie ist 39 Jahre alt -, aus den 90ern ist nur ein Bild enthalten. So beschränkt sich der Band letztlich auf die Schauspielkarriere der Taylor. Daneben gibt es einige Privatbilder, von denen neben den Fotos mit ihren Kindern vor allem jene mit Richard Burton hervorstechen. Eines der berühmtestes Liebespaare Hollywoods wird ausgiebig gefeiert.

Was bleibt, ist eine nicht ganz lückenfreie Huldigung an eine große Schauspielerin, an eine Hollywood-Schönheit, deren schauspielerische Leistung oft im Schatten privater Skandale und Affären blieb. Für die Nachgeborenen lohnt sich deshalb durchaus ein Blick in das Leben der Elizabeth Taylor.

Der Band wird vervollständigt durch einen ausführlichen biographischen Essay von Alexandre Thiltges.

Yann-Brice Dherbier (Hrsg.): "Elizabeth Taylor. Bilder eines Lebens" Henschel Verlag Berlin, 192 Seiten, 150 farbige und s/w-Abbildungen, Hardcover, 34,- (D). ISBN: 978-3-89487-625-8