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In der Nachmittagssonne
auf der Karibikinsel Mustique.
In der Nachmittagssonne auf der Karibikinsel Mustique.(Foto: Privatarchiv Jerry Hall, Schirmer/Mosel)
Samstag, 02. Juli 2011

Model, Mutter und Micks Muse: Jerry Hall: Eine Biografie in Bildern

von Thomas Badtke

Jerry Hall ist der lebende Beweis, dass Texas mehr zu bieten hat als Öl und die Bush-Familie. Sie ist Supermodel der ersten Stunde, Schauspielerin und die Muse von Rockstars. Sie hat eine Menge erlebt und viel zu erzählen. Ihre Autobiografie beweist das - vor allem mit Bildern.

Zwischen Glory, Glamour und Rock - besser kann man das Leben von Jerry Hall nicht charakterisieren. Das Supermodel kann auf Mode-Shootings mit den bedeutendsten Fotografen und Designern der vergangenen 40 Jahre zurückblicken. Die Muse ist der Star diverser Dinner-Partys mit dem Who’s who aus Musik und Film, sie schafft es sogar als Mutter, ein Leben im Jetset zwischen Paris, London, New York und Los Angeles zu führen. All das hat sie nur einem Autounfall zu verdanken.

Die am 2. Juli 1956 in Texas geborene Hall ist 16, als ihr Leben eine schicksalhafte Wendung nimmt. Auch wenn sie das erst später einsehen wird. Ihre Kindheit ist nicht einfach. Ihr Vater muss jung in den Krieg und kommt als ein anderer Mann zurück. Er trinkt viel und ab und zu schlägt er Jerry, eine von vier Töchtern, mit dem Gürtel. Im Kindergarten wird sie - ohne ersichtlichen Grund - von der Erzieherin immer wieder in einen dunklen Schrank gesperrt. In der Highschool hänseln sie die anderen Schüler als "Bohnenstange" oder "Tall Hall". Sie will weg aus Texas, hinaus in die Welt ziehen.

800 Dollar und ein Häkelbikini

Jerry Hall in jungen Jahren in Texas(Privatarchiv Jerry Hall)
Jerry Hall in jungen Jahren in Texas(Privatarchiv Jerry Hall)(Foto: Privatarchiv Jerry Hall, Schirmer/Mosel)

Dafür braucht sie Geld. Sie jobbt als Serviererin und spart. Wie jeder Teenager genießt sie aber auch das Leben. Sie lässt sich auf ein Blind Date ein. Bei einer Autofahrt mit dem Mann wird der Wagen von einem anderen Fahrzeug frontal gerammt. Hall kommt ins Krankenhaus und bekommt Penicillin, gegen das sie aber allergisch ist. Die Ärzte sollten das wissen. Das Krankenhaus zahlt ihr eine Entschädigung. 800 Dollar. Mit diesem Geld macht sich die junge Blondine auf nach Europa, nach Frankreich. Sie will Model werden.

Dieser Entschluss ist lange gereift. Den Anstoß dazu erhält sie auf der Hausparty einer Freundin. Dort nimmt sie das erste Mal LSD - ob es das letzte Mal gewesen ist, bleibt offen. Auf ihrem Trip steht sie dann vor einem Spiegel und stellt fest: "Du bist echt schön."

In Frankreich zieht es sie zuerst nach Paris, dann nach St. Tropez. Dort brezelt sie sich auf und hofft, bekleidet mit einem pink-metallicfarbenen Häkelbikini und pink-silbernen Plateauschuhen mit Korkabsatz, genügend Blicke am Strand auf sich zu ziehen, um entdeckt zu werden. Es gelingt. Ein Agent sieht sie, spricht sie an und lädt sie nach Paris ein. Ihre Modelkarriere beginnt sich rasend schnell zu entwickeln. Ihr Ruf eilt ihr voraus und in den USA wird man auf die noch nicht einmal 18 Jahre alte texanische Schönheit von Paris aufmerksam.

"Jung, verliebt und glücklich"

1974 geht sie nach New York. Sie ist der Star mehrerer Werbekampagnen, unter anderem für Coca Cola und Calvin Klein. Sie dreht Werbespots und ist auf dem Titel mehrerer Hochglanzmagazine. Sie zieht mit einer Mädels-Clique um die Häuser im Village, lernt Andy Warhol kennen - und in London bei einem Shooting für das neue Album seiner Band Roxy Music, Brian Ferry.

Es knistert sofort zwischen ihr und der "blendenden, glamourösen Erscheinung". Nach dem Shooting lädt Ferry sie ein, bei ihm bis zum Rückflug zu wohnen. Die Liebesgeschichte zwischen der damals 19- und dem 30-Jährigen nimmt ihren Lauf. "Wir waren jung, verliebt und glücklich", schreibt Hall dazu in ihrer Autobiografie "Mein Leben in Bildern".

Die berühmte Tasse Tee

Jerry und Mick in ihrem Haus inLa Fourchette.(Privatarchiv Jerry Hall)
Jerry und Mick in ihrem Haus inLa Fourchette.(Privatarchiv Jerry Hall)(Foto: Privatarchiv Jerry Hall, Schirmer/Mosel)

Aber auch Liebe ist vergänglich: Als die beiden ein Konzert der Rockgruppe Rolling Stones besuchen, hat Hall nur Augen für Mick Jagger - und Jagger nur Augen für sie. Als Roxy Music dann auf Welttournee gehen, ist Hall mit Ferry verlobt, bekommt aber auch Jagger nicht aus ihrem Kopf. Er kann sie ebenso nicht vergessen. Bei einer Dinner Party in New York treffen sie sich zufällig wieder - es ist der 21. Mai 1977, "der Tag, an dem wir zusammenkamen". Sie ziehen nach dem Dinner durch die Stadt, landen auf einem Lou-Reed-Konzert, danach auch noch im Studio 54 und zum Abschluss "bei einer Tasse Tee" in Jaggers Haus: "Ab da ging Mick auf Freiersfüßen."

Aus der Affäre wird bald mehr, denn Hall entscheidet sich, "hin- und hergerissen" zwischen den beiden Rockstars, für den Stones-Frontmann. Sie wird Teil der großen Rolling-Stones-Familie. Sie genießt das glamouröse Leben, die Partys mit den Stars aus Musik, Film und Politik und das Leben und die Liebe mit Jagger.

Ein einziger Makel

"Jerry Hall - Mein Leben in Bildern" ist bei Schirmer/Mosel erschienen.
"Jerry Hall - Mein Leben in Bildern" ist bei Schirmer/Mosel erschienen.(Foto: Privatarchiv Jerry Hall, Schirmer/Mosel)

Mehr als 20 Jahre sind sie zusammen, vier Kinder und diverse Stones-Songs wie "Miss you" sind das Ergebnis ihrer Liebe. Hall bringt Jagger auch dazu, den Drogen abzuschwören. Seine Sexsucht kann sie allerdings nicht heilen. "In sexueller Hinsicht war Mick ein gefährliches Raubtier", schreibt sie dazu. Es soll diverse Affären gegeben haben. Jagger soll etwa Eric Clapton einst dessen damalige Freundin Carla Bruni ausgespannt haben. Aber erst als eine Geliebte mit einem Kind von Jagger an die Öffentlichkeit tritt, zieht Hall einen Schlussstrich und trennt sich Ende der 1990er. Hall und Jagger bleiben aber befreundet, treffen sich öfter und können immer noch ganz gut zusammen: "Es ist gut, keinen Groll zu hegen und sich fortentwickelt zu haben", so Halls Resümee.

Diese Einschätzung passt auch auf ihr gesamtes Leben. Ein Leben, das sie mit ihrer bei Schirmer/Mosel erschienenen Biografie bildstark offenlegt. Mehr als 300 Fotos in Farbe und Schwarz-Weiß sind darin zu finden, darunter auch etliche Aufnahmen aus dem Familienalbum. Sie alle zeigen die schöne Seite von Halls Leben, die glücklichen Momente: ihre Modelkarriere, ihr Leben und ihre Liebe zu Ferry, Jagger und ihren Kindern. Es sind fantastische, makellose Aufnahmen. Und das ist der einzige Kritikpunkt an ihrer Autobiografie: Sie ist zu schön, um wahr zu sein.

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Quelle: n-tv.de