Der Mann, der nie James Bond warKomödienstar Cary Grant
Mit romantischen Komödien feiert Cary Grant seinen Durchbruch, für Hitchcock zeigt er seine dunklen Seiten, doch eine Rolle lehnt er ab: Zum ersten James Bond wird Sean Connery.
Archibald Alexander Leach ist vermutlich nicht der perfekte Name für einen großen Hollywoodstar, einen Herzensbrecher, der bis heute als Stil-Ikone gilt. Ein junger, britischer Schauspieler dieses Namens hatte glücklicherweise auch diese Einsicht und legte sich ein Pseudonym zu, mit dem er zum stilbildenden Darsteller wurde. Cary Grant ist für die Komödie, oder besser gesagt für die romantische Screwball-Komödie das, was John Wayne für den Western und Humphrey Bogart für den Krimi ist: die Personifikation eines Genres.
Im Anzug, im Smoking, immer sauber und adrett, verkörperte Grant in unzähligen Filmen den charmanten Playboy, den nie zynischen Charmeur, dem die Frauen reihenweise erliegen. Und er spielte neben den größten weiblichen Stars seiner Zeit: Mae West, Katharine Hepburn, Ingrid Bergman, Marilyn Monroe, Sophia Loren, Deborah Kerr, Jean Simmons, Doris Day, Audrey Hepburn – vor allem aber Grace Kelly.
Schönheit und Eleganz
Mit ihr trat er 1955 für Alfred Hitchcock vor die Kamera, nach einer mehrmonatigen Auszeit, nur um mit Kelly arbeiten zu können. Die Bilder von den Dreharbeiten zu "Über den Dächern von Nizza" ("To Catch A Thief") zeigen vor allem: Mehr Glamour gab es in Hollywood nie. Es war eine Glanzzeit für das alte Studiosystem, das damals noch eine wahre Traumfabrik war. Grant und Kelly waren die Stars dieser Zeit, sie waren ein Ideal an Schönheit und Eleganz. Bis heute gelten beide als Traumpaar der Leinwand. Ihre Freundschaft hielt auch noch, als aus Grace Kelly bereits Gracia Patricia geworden war.
Zu dieser Zeit war der 1904 geborene Grant bereits seit zwei Jahrzehnten ein Star. Der Band "Cary Grant – Bilder eines Lebens" aus dem Henschel-Verlag zeichnet mit teils unveröffentlichten Filmstills und -plakaten, mit Bildern von Dreharbeiten und aus Home-Storys das Leben des Schauspielers nach. Vom blutjungen Darsteller, der 1935 mit "Sylvia Scarlett" an der Seite von Katharine Hepburn seinen Durchbruch feiert, bis zum Grandseigneur Hollywoods, der 1970 einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk erhält.
Bond-Angebot mit 58
Mit "Leoparden küsst man nicht" und "Die Nacht vor der Hochzeit" wird Grant zum Superstar, doch neben diesen Komödien kann er sich auch in anderen Genres beweisen. Zu verdanken hat er dies zwar auch einigen Abenteuerfilmen, vor allem aber den Thrillern von Alfred Hitchcock. In Filmen wie "Verdacht", "Berüchtigt" und "Der unsichtbare Dritte" kann der Komödienspezialist seine dunklen, geheimnisvollen Seiten darstellen.
In den 50ern will sich Grant bereits zur Ruhe setzen, doch nach dem großen Erfolg von "Über den Dächern von Nizza" kehrt er doch noch einmal bis Mitte der 60er Jahre auf die Leinwand zurück und spielt in Filmen wie "Hausboot", "Unternehmen Petticoat" und "Charade". Eine Rolle lehnt er freilich ab: Zum ersten James Bond wird letztlich Sean Connery, obwohl Bond-Schöpfer Ian Fleming bekundet hatte, den Agenten nach Grants Vorbild geschaffen zu haben, als Mischung aus Eleganz, Männlichkeit und Sex-Appeal. Doch der Brite wollte sich nicht für mehrere Filme verpflichten, außerdem war er da bereits 58 Jahre alt, Connery war 32.
Gerüchte um die Männer-WG
Der Bildband ruft die besten Grant-Filme in Erinnerung, lässt in Hollywoods Glanzzeiten schwelgen, zeigt den Schauspieler aber auch privat und spart gerade da ein pikantes Detail nicht aus: Zehn Jahre lange lebte Grant mit dem B-Western-Star Randolph Scott zusammen in einem Haus in Hollywood. Gerüchte, die beiden hätten eine Liebesbeziehung, wies Grant, der fünfmal verheiratet war, stets zurück. Und doch strahlen diese Bilder eine Erotik aus, die in den züchtigen Filmen der 50er Jahren nicht zu finden ist.
Verbarg sich hinter der Fassade des perfekten Cary Grant doch noch jemand anderes, ein Archibald Leach etwa? Dieser Name errang übrigens auch noch Leinwandruhm – als der von John Cleese dargestellte Anwalt in "Ein Fisch namens Wanda" - eine Verbeugung vor dem König der Komödie.
Yann-Brice Dherbier (Hrsg.): "Cary Grant - Bilder eines Lebens", Henschel 2009, Hardcover 192 Seiten, € 34,- (D), ISBN: 978-3-89487-645-6
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