Zwei SchwesternSchillers Liebesleben
Jahrelang haben wir uns damit begnügt, dass sich Friedrich Schillers Liebesleben in den drei Charlotten erschöpft. Aber Schiller war ein Schlumich, am liebsten hätte er in einer Menage-a-trois gelebt und wahrscheinlich hat er dies sogar über eine bestimmte Zeit.
Jahrelang haben wir uns damit begnügt, dass sich Friedrich Schillers Liebesleben in den drei Charlotten erschöpft. Die Jugendliebe Charlotte von Wolzogen, dann die verheiratete Charlotte von Kalb und schließlich die Ehefrau Charlotte, geborene von Lengefeld. Nun, zu Schillers 200. Todestag, können selbst seine Verehrer die nackte Wahrheit vertragen.
Schiller war ein Schlumich, am liebsten hätte er in einer Menage-a-trois gelebt und wahrscheinlich hat er dies sogar über eine bestimmte Zeit. Ohne diese kleine Pikanterie kommt keine neue Schiller-Biographie aus, Kirsten Jüngling und Brigitte Rossbeck aber gehen noch weiter.
Sie widmen "Schillers Doppelliebe" ein eigenes, überaus akribisch recherchiertes und unterhaltsam geschriebenes Buch. Ausführlich beschreiben sie darin, wie Schiller in die Dreiecksbeziehung zu den Schwestern Caroline und Charlotte von Lengefeld gerät, ja wie die Schwestern geradezu einladend auf ihn wirken.
Dass er sich für die weniger leidenschaftliche Charlotte als Ehefrau entscheidet, ist ihm von vielen vorgeworfen worden, Jüngling und Rossbeck jedoch lassen keinen Zweifel daran, dass Liebe und Vernunft sich doch nicht vollends ausschließen. Wahrscheinlich dämmerte Schiller, dass sein Hang zu dominanten und temperamentvollen Frauen, wie seiner Schwägerin Caroline, seinem Werk vielleicht nicht unbedingt förderlich ist.
Deren erster Ehemann, Ludwig von Beulwitz, musste sich jedenfalls mit der Verweigerung der ehelichen Pflichten durch Caroline herumschlagen, der schließlich einem Gebärstreik gleich kam. Darüber hinaus war er ein permanent gehörnter Ehemann, nicht zuletzt auch durch Schiller. Diese Ehe endet denn auch mit Scheidung.
Schillers Ehe hingegen hält bis zu seinem Tod, ist mit vier Kindern gesegnet, denen der Dichter ein liebender Vater ist, und kann durchaus als glücklich bezeichnet werden. Dabei war Charlotte nicht frei von Eifersucht, aber die schwesterliche Loyalität kittete die kurzzeitigen Entzweiungen immer wieder.
Detailreich lassen Jüngling und Rossbeck den Leser teilhaben an den verschiedenen Phasen der Dreiecksbeziehung, die Annäherung, Reisen, Krankheiten, Geburten und Umzüge. Mit viel Zeitkolorit und umfangreichen Quellenmaterial kann man auf Schillers Spuren wandeln, bis hinein ins Schlafzimmer.
Kirsten Jüngling, Brigitte Rossbeck: "Schillers Doppelliebe"; Propyläen Verlag Berlin, 2005, 352 Seiten, 22 Euro