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Springer, Forsyth und Turton Viel mehr als Krimi

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Der Einsatz einer Spezialeinheit endet bei Frederick Forsyth mit einer Überraschung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Ort verschwindet in einem Krater, ein gefährlicher Cyberterrorist entpuppt sich als leicht autistischer Teenager und ein Mann erlebt in einer fatalen Zeitschleife den gleichen Mord immer wieder. Zwischen den Buchseiten lässt sich jedes dieser Abenteuer miterleben.

Erinnerung an einen verschwundenen Ort

"Zum ersten Mal sackt der Erdboden unter Preuß' Schmiede und Reimanns Kaufladen ab. Ein Krater entsteht, so groß, dass ein ganzes Pferdefuhrwerk Platz darin fände". Kurz darauf versinken tatsächlich Pferde mitsamt Pflug in einem trichterförmigen Loch, ein anderes Mal ist am Morgen in einem Garten plötzlich der Kirschbaum buchstäblich vom Erdreich verschluckt.

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Kupferberg: Der verschwundene Ort
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Diese Szenen beschreibt der polnische Journalist Filip Springer in seinem Buch "Kupferberg. Der verschwundene Ort". Heute erinnert kaum noch etwas an die später Miedzianka genannte Stadt in Niederschlesien. Dort, wo einmal Häuser standen, wächst Gras und Gestrüpp. Der Abbau von Kupfer (ab dem 19. Jahrhundert) und Uran (nach 1945) hatte die Stadt komplett unterhöhlt, die Gebäude waren Ruinen, der Alltag lebensgefährlich. Anfang der 70er-Jahre wurden die letzten Bewohner in Plattenbauten ins nahegelegenen Jelenia Góra umgesiedelt, dann kamen die Planierraupen.

Für seine literarische Reportage hat Springer Archive durchforstet und mit ehemaligen Einwohnern gesprochen - mit Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Kupferberg vertrieben wurden, und mit Polen, die als ebenfalls Vertriebene aus den Ostgebieten kamen und sich in Miedzianka niederließen. Die vielen Einzelschicksale montiert Springer zu einem plastischen und vielschichtigen Erinnerungsmosaik, in dem sich nicht nur der langsame Untergang des 700 Jahre alten Kupferbergs, sondern auch die Höhen und vor allem Tiefen der europäischen Geschichte spiegeln. (kse)

Ein Superhirn wird zur Geheimwaffe

Die Special-Forces-Soldaten staunen nicht schlecht, als sie zu nächtlicher Stunde in ein britisches Vorstadthaus eindringen. Sie sind darauf vorbereitet, gefährliche Cyberterroristen zu überwältigen, die sich Zugang zur hochgesicherten Datenbank der NSA verschafft haben. Doch sie treffen auf einen 18-Jährigen mit Asperger-Syndrom und 08/15-Computer, der jede Firewall knacken und jedes Waffensystem manipulieren kann. Der britische Geheimdienst MI6 wittert seine Chance und lässt den Jugendlichen für sich arbeiten. Als erstes bekommen die Russen dessen Fähigkeiten bei der Präsentation eines neuen Kriegsschiffs zu spüren. Als sie spitzkriegen, wer hinter der Demütigung steckt, setzen sie ein Killerkommando auf das Superhirn an.

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Der Fuchs: Thriller
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Frederick Forsyth gilt, neben John le Carré, als Altmeister des Spionagethrillers. Seit seinem Debüt im Jahr 1971 ("Der Schakal") folgte Bestseller auf Bestseller. Nun hat der 81-Jährige mit "Der Fuchs", so der Codename des Cybergenies, nach eigener Aussage seinen allerletzten Thriller geschrieben. Gewohnt sachlich und detailreich bespielt er die ganze geheimdienstliche Klaviatur von Tricksen, Täuschen und "Wer ist wem den entscheidenden Schritt voraus".

Die geopolitischen Machtverhältnisse sind dabei glasklar zweigeteilt: Hier die Guten (Großbritannien, USA), dort die Bösen (Russland, Nordkorea, Iran). Der Strippenzieher beim MI6, der die Cyberaktionen leitet, ist dementsprechend ein echter "Kalter Krieger". Er hat noch diverse Rechnungen mit KGB und Co. offen und kehrt nun aus dem Ruhestand zurück, um den "Schurkenstaaten" eins auszuwischen. Auch beim übrigen Personal setzt Forsyth auf Virilität, neben der britischen Premierministerin hat nur eine weitere Frau mehrere Auftritte: Die Mutter des Hackers, die sich ein Kind von ihrem Bewacher wünscht. Auch sonst ist ein differenzierter Blick nicht unbedingt Forsyth' Sache, Whistleblower Edward Snowden bezeichnet er als "Überläufer und Verräter". Keine Frage: Der Thriller ist spannend. Doch mit seinen Vorgängern kann er nicht ganz mithalten. (kse)

Sieben Tode und ein fast unlösbares Rätsel

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Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle: Kriminalroman
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Auf Blackheath, dem Anwesen der Familie Hardcastle, findet ein Maskenball statt. Die Gästeschar ist prominent, vertreten sind die Spitzen der Gesellschaft: Offiziere, Bankiers, Ärzte. Sie alle treffen sich, um die Rückkehr der Tochter des Hauses, Evelyn Hardcastle, zu feiern. Dann fällt ein Schuss und Evelyn ist tot. Zu den Gästen gehört Aiden Bishop, der vor dem Ball eine geheimnisvolle Nachricht und den Auftrag bekam, diesen Todesfall aufzuklären.

Das klingt nach einem eher durchschnittlichen Krimiplot. Doch was Stuart Turton in seinem Debüt "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" auf 600 Seiten entwickelt, ist alles andere als das. Denn die Hauptfigur erwacht jeden Tag im Körper eines anderes Gastes und kann auch dessen Wissen nutzen. Solange Bishop den rätselhaften Fall jedoch nicht löst, wiederholt sich die Todesszene in jeder Nacht und Bishop darf das Anwesen auch nicht verlassen.

Dieser Krimi ist viel mehr als ein Kriminalroman. Es ist ein Rätsel, das mit jedem vermeintlichen Hinweis nur scheinbar lösbarer erscheint. Ein wirkliches Lesevergnügen und eine echte Überraschung. (sba)

Quelle: ntv.de