Unterhaltung
Auch Helden fangen mal als kleiner Schreihals an.
Auch Helden fangen mal als kleiner Schreihals an.(Foto: © 2012 LUCKY COMICS)
Montag, 02. April 2012

Das letzte Geheimnis wird gelüftet: Woher kommt Lucky Luke?

von Markus Lippold

Der einsame Cowboy reitet durch die Prärie - weit weg von zu Hause. Oder nicht? Der neue Band der Comic-Legende Lucky Luke wagt sich an ein gut gehütetes Geheimnis: Woher kommt eigentlich der Mann, der schneller zieht als sein Schatten? Und war er als Kind schon so schnell?

Einer der Höhepunkte des Albums: das Kind, das schneller zieht als sein Schatten. (Klicken Sie, um die gesamte Seite zu sehen.)
Einer der Höhepunkte des Albums: das Kind, das schneller zieht als sein Schatten. (Klicken Sie, um die gesamte Seite zu sehen.)(Foto: © 2012 LUCKY COMICS)

Nun ist es also raus. Seit Jahrzehnten singt Lucky Luke das gleiche Lied: "I'm a poor lonesome cowboy and a long way from home." Wo dieses zu Hause ist, lüftet nun Band 89, "Lucky Kid". Es stammt wieder aus der Feder des Franzosen Achdé, der seit einigen Jahren das Erbe des verstorbenen Lucky-Luke-Schöpfers Morris weiterführt. Anders als bisher zeichnet er diesmal auch für Szenario und Text verantwortlich.

Auch inhaltlich sticht der Band heraus. Nach Lucky Luke beim Doktor über den erwachsenen Lucky Luke nimmt sich Achdé diesmal die Kinderjahre des Cowboys vor. Eine Idee, die freilich nicht neu ist: Bereits Mitte der 90er Jahre erschienen zwei Alben - teilweise als separate Sonderreihe - mit den Abenteuern des Jungen, der seine Schleuder schneller zieht als sein Schatten.

Er ist ein Glückspilz

Band 89 beginnt mit einem Cowboy, der einsam durch die Prärie reitet und sein Liedchen singt. Dabei stößt er auf einen gebrandschatzten Siedlerwagen - und entdeckt ein schreiendes Baby. Dieses bringt er nach Nothing Gulch, wo sich der Sheriff und die resolute Saloon-Chefin Martha des Schreihalses annehmen. Und bald schon entdecken sie die hervorstechendste Eigenschaft des Knirpses: Er ist ein Glückspilz. Lucky Luke ist geboren.

"Lucky Luke", Band 89: "Lucky Kid" ist als Hardcover mit 48 Seiten bei der Ehapa Comic Collection erschienen und im Zeitungs- und Zeitschriftenhandel auch als Softcover erhältlich.
"Lucky Luke", Band 89: "Lucky Kid" ist als Hardcover mit 48 Seiten bei der Ehapa Comic Collection erschienen und im Zeitungs- und Zeitschriftenhandel auch als Softcover erhältlich.

Man fragt sich natürlich, ob es nicht ein Sakrileg ist, dass das Geheimnis der Herkunft Lucky Lukes nicht durch dessen "Vater", sondern durch dessen Nachfolger gelüftet wird. Dieses mulmige Gefühl verstärkt sich, weil die Geschichte hinter den Erwartungen, die man angesichts der Legende Lucky Luke an solch eine Enthüllung legt, zurückbleibt. Achdé bietet eine nette Geschichte mit einigen gelungenen Witzen, aber auch nicht mehr. Das gilt zumal für den Umfang, denn die Story um die Entdeckung des Findelkinds umfasst gerade einmal sechs Seiten - eine längere Geschichte wäre hier angemessener gewesen.

Was dann folgt sind reichlich drei Dutzend jeweils einseitige Kurzgeschichten, die Lukes Abenteuer als Kind darstellen. Dabei gesellen sich einige Freunde zu ihm, die an spätere Weggefährten erinnern: Hurricane Lisette wirkt wie eine junge Calamity Jane, Billy Bad wie die Blaupause aller späteren Gegner von Luke. Hinzu kommen die mädchenhafte Joannie, der leicht beschränkte Dopey und der Mexikaner Paquito.

Die Geschichten können vor allem dann überzeugen, wenn sie mit den Eigenschaften des erwachsenen Luke spielen und diese gewitzt variieren - etwa wenn Lucky Kid mit der Schleuder statt mit dem Colt Bankräuber zur Strecke bringt. Oft jedoch bleibt es leider bei Slapstick und zu braven Witzen.

Die Idee, aus der Frühphase Lukes zu berichten, ist überzeugend. Nur bei der Umsetzung hapert es leider hier und da. Da vermisst man nicht nur den frechen zeichnerischen Witz und den Einfallsreichtum von Morris, sondern vor allem auch die genialen Szenarios eines René Goscinny. Beide haben Lucky Luke zu dem gemacht, was er heute ist: eine Comic-Legende. Achdé, der dieses schwere Erbe angetreten hat, konnte mit seinen bisherigen Alben überzeugen. Vielleicht findet er demnächst wieder zu dieser Form zurück.

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Quelle: n-tv.de