Kino

Quentin Tarantino? Guy Ritchie? Martin McDonagh! "7 Psychos" - absolut durchgeknallt

Drei von sieben Psychopathen: Nur der niedliche kleine Shih Tzu ist vollkommen unschuldig.

Drei von sieben Psychopathen: Nur der niedliche kleine Shih Tzu ist vollkommen unschuldig.

Was macht ein Drehbuchautor, wenn er zwar den knackigen Titel "7 Psychos" für sein neues Werk hat, aber keine Idee für die Handlung? Er sucht Inspiration im Alkohol - und hört dann auf seinen besten Freund. Der setzt eine Annonce in die Zeitung und schon bald kann sich der Autor vor Psychopathen und ihren wahnsinnigen Geschichten nicht mehr retten.

Freunde fürs Leben - und mindestens einer ist ein Psychopath: Billy (Sam Rockwell) und Marty (Colin Farrell)

Freunde fürs Leben - und mindestens einer ist ein Psychopath: Billy (Sam Rockwell) und Marty (Colin Farrell)

Journalisten kennen es. Schriftsteller und Autoren auch: Man hat den Titel einer Story im Kopf, die Überschrift für einen Text - aber sonst ist der Kopf leer. Nichts. Totaler Blackout. Schreibblockade heißt das im Fachjargon. Marty (Colin Farrell ("Total Recall", "Brügge sehen … und sterben?") kennt das. Er ist Drehbuchautor in Hollywood - und Pazifist. "7 Psychopaths" soll sein neues Werk heißen. Das war’s. Mehr hat er momentan nicht zu bieten. Ein leeres Blatt Papier liegt vor ihm, die Flasche Wein neben ihm weicht bald dem Whiskey, schließlich hat Marty irische Wurzeln. Mit ihm fangen aber die Probleme erst an: Vollkommen betrunken beleidigt er seine Freundin Kay (Abbie Cornish; "Sucker Punch") und fliegt aus der gemeinsamen Wohnung. Unter kommt Marty bei seinem besten Freund Billy (Sam Rockwell; "Moon"). Der ist hauptberuflich arbeitsloser Schauspieler. Aber er hat Ideen.

Wer Kaninchen mag, kann doch kein schlechter Mensch sein, oder?

Wer Kaninchen mag, kann doch kein schlechter Mensch sein, oder? (Foto: DCM)

Billy erzählt Marty von einem Psychokiller, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Stadt von allen Mafiosi zu befreien. Kurz und schmerzlos. Er taucht maskiert auf, tötet und verschwindet unbemerkt. Sein Markenzeichen: eine Karo-Bube-Spielkarte. Immerhin einen Psycho für sein Drehbuch hat Marty jetzt. Aber Billy macht weiter. Er gibt eine Zeitungsannonce auf, um weitere Psychopathen zu finden, die sich dann bei Marty melden sollen, um ihm ihre Geschichten zu erzählen. Prompt taucht Zachariah (Tom Waits; "Down By Law") auf. Unscheinbar und irgendwie cool sieht er aus, in seinem Anzug und mit dem niedlichen weißen Kaninchen auf dem Arm. Und Marty hat seinen zweiten Psychopathen.

Christopher Walken glänzt in der Rolle des "elder statesmen"-VErbrechers Hans.

Christopher Walken glänzt in der Rolle des "elder statesman"-Verbrechers Hans.

So könnte es eigentlich weitergehen. Aber der arbeitslose Schauspieler Billy muss ja auch irgendwie seinen Lebensunterhalt verd ienen. Und dafür klaut er die Hunde reicher Leute, sperrt sie eine Zeit lang weg und sein seriös aussehender Kumpel Hans (Christopher Walken; "Die durch die Hölle gehen") - graue Haare, Anzug, immer ein Halstuch tragend - bringt die Tiere dann ihren Besitzern zurück. Die Belohnung teilen sie. Dumm nur, dass der frisch gedognappte süße kleine Shih Tzu Bonny dem total durchgeknallten Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson; "Zombieland", "Rampart") gehört. Und der findet es gar nicht lustig, dass das einzige Lebewesen auf diesem Planeten, für das er etwas empfindet, spurlos verschwunden ist.

Natürlich dauert es nicht lange, bis Charlie den Dognappern  Billy und Hans auf die Spur kommt. Und ab da fließt Blut. Reichlich. Charlie knöpft sich Hans‘ krebskranke schwarze Frau im Krankenhaus mit einem Kopfschuss vor. Billy kontert mit einem Bauchschuss für Charlies Freundin Angela (Olga Kurylenko; "Centurion", "James Bond - Ein Quantum Trost").

"Gib mir Bonny, und du darfst weiterleben - aber tu' ihm bitte nichts!"

"Gib mir Bonny, und du darfst weiterleben!"

Und so läuft alles auf einen gewaltigen Showdown hinaus. Während Hans und der irgendwie in die Sache mit hineingerutschte M arty versuchen, draußen in der Wüste Gras über die ganze Sache wachsen zu lassen, um noch mit dem Leben davonzukommen, will Billy mit gezogener Waffe sterben: Ein kleiner Tipp an Charlie und die Gewaltorgie samt Bonnys Geiselnahme nimmt ihren Lauf.

Prädikat "Kultfilm"-verdächtig

Keine Frage, "7 Psychos" denkt man sich nicht über Nacht aus. Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh hat dem Thema kostbare Lebenszeit geschenkt. Ob eine Schreibblockade daran schuld war? Eigentlich sollte der Film bereits vor Jahren gedreht werden, aber McDonagh zog das beschauliche Brügge dem gewalttätigen Los Angeles für seinen Erstling vor. "Brügge sehen … und sterben?" schlug 2008 ein wie eine Bombe. Das Prädikat "Kultfilm" haftet dem schwarzhumorigen Thriller um die Auftragskiller Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson) mittlerweile an. Farrell erhielt den Golden Globe, McDonagh wurde für einen Oscar nominiert.

"Wo ist mein verfickter Hund?" (Foto: DCM)

"Wo ist mein verfickter Hund?" (Foto: DCM)

Bei all dem Erfolg - McDonagh gilt als einer der berühmtesten  Dramatiker der grünen Insel, obwohl er in London geboren wurde und nie in Irland lebte - überlegt man sich ga nz genau, welcher Film der nächste ist. Oder man macht es wie McDonagh: man sch… auf die üblichen Hollywood-Konventionen. Und genau das hat  er mit "7 Psychos" getan. Der Film ist keine straighte Gangsterkomödie. Sie besteht aus einem Film in einem Film, aus kleinen Geschichten, die irgendwann zu einer großen Story werden. Das klingt gewaltig nach Quentin Tarantino. Und Parallelen zu dessen Kultfilm "Pulp Fiction" sind auch nicht zu übersehen.

"7 Psychos" läuft ab dem 6. Dezember in den deutschen Kinos.

"7 Psychos" läuft ab dem 6. Dezember in den deutschen Kinos.

Au ch muss man beim Filmplakat und den einzelnen Charakteren, den irrwitzigen Dialogen, die oft nur coole One-Liner sind, unweigerlich an Guy Ritchie und seinen Kulthit "Snatch - Schweine und Diamanten" denken. Aber McDonagh schafft es, aus diesen beiden Stilen eine eigene prägnante Handschrift zu kreieren - fast so, wie wenn sich nur durch die Hinzugabe von ein paar Tropfen Wasser in einen in Fassstärke abgefüllten irischen Whiskey ein völlig neues und komplexeres Geschmackserlebnis offenbart.

Tarantino- und Ritchie-Fans sollten "7 Psychos" eine Chance geben. Nur die Anfangssequenz des Films sollte bereits ausreichen, um sich mit Freude dem Rest des durchgeknallten McDonaghschen Tohuwabohus zu widmen. Für McDonagh und die Hauptdarsteller, vor allem Christopher Walken und Sam Rockwell, könnte es wieder Auszeichnungen hageln. Kritikerlob erntete bisher vor allem Walken. Harrelson spielt so durchgeknallt gut wie immer. Colin Farrell knüpft endlich wieder an seine grandiose Leistung aus "Brügge sehen … und sterben?" an, auch wenn die Latte nach "Total Recall" nicht mehr so hoch liegt wie früher. Olga Kurylenko bleibt ebenso wie Abbie Cornish nur eine Randnotiz, aber darüber kann man hinwegsehen.

Alles in allem hat "7 Psychos" das Zeug, ein weiterer Kultfilm und Klassiker zu werden. Wozu Schreibblockaden doch manchmal gut sein können …    

Quelle: n-tv.de

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