Kino

"Machete Kills" Absurdes Theater mit viel Blut

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Auch Miss San Antonio hält noch einige Überraschungen bereit.

(Foto: 2013 Universum Film GmbH)

Charlie Sheen als US-Präsident? Lady Gaga als Killerin? Eine Puffmutter mit Granatenwerfer-Penis? Das ist "Machete Kills". Der zweite Teil der Exploitation-Serie fährt skurrile Figuren und absurde Gewaltszenen auf. Die Frage ist nur, ob das an den ersten Teil herankommt.

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Hier wird scharf geschossen.

(Foto: 2013 Universum Film GmbH)

Das Genrekino feiert fröhliche Urständ auf der Kinoleinwand. Während Action-Blockbuster öfter mal langweilen, weil sie sich immer mehr ähneln, sowohl was die Story und ihre Lücken als auch was die Explosionsdichte angeht, ziehen die kleinen Reißer neue Zuschauer an.

Nicolas Winding Refn etwa gewann mit seinem Noir-Kriminaldrama "Drive" den Regiepreis von Cannes und wurde auch mit seinem nächsten Film, dem blutigen Gewaltdrama "Only God Forgives", an die Croisette geladen. Brad Pitt konnte mit dem Zombiefilm "World War Z" mal wieder einen Erfolg für sich verbuchen. Das auf Genrekino spezialisierte Fantasy Filmfest lockt immer mehr Zuschauer an. Und Quentin Tarantino ist spätestens mit seinem zweiten Drehbuch-Oscar für "Django Unchained" im Hollywood-Olymp gelandet (auch wenn ihm der Regie-Oscar weiterhin verwehrt wird).

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Charlie Sheen spielt US-Präsident Rathcock. Der hat mit der Legalisierung von Cannabis die amerikanische Wirtschaft angekurbelt.

(Foto: 2013 Universum Film GmbH)

Tarantino war es auch, der in den 90ern mit "Reservoir Dogs", "Pulp Fiction" und "Kill Bill" eine neue Form der Gewaltdarstellung salonfähig machte. Es gab zwar bereits "Scarface", aber Tarantino setzte dann doch noch eins drauf - er schrieb ja zum Beispiel auch das Drehbuch zu dem damals sehr umstrittenen "Natural Born Killers". Diese ironische Gewalt-Darstellung erreichte nun nicht mehr nur beinharte Filmfans, sondern das große Kinopublikum.

Im Schlepptau von Tarantino kamen auch andere Regisseure zu Erfolg, darunter Robert Rodriguez. Der hatte sowohl mit der "Desperado"-Reihe als auch mit "From Dusk Till Dawn" (nach einem Tarantino-Drehbuch) einigen Erfolg. Mit Tarantino realisierte er dann auch das "Grindhouse"-Doppel, zu dem beide je einen Film beisteuerten.

Trash pur, mit einem Schuss Ironie

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Machete wird von etlichen Killern gejagt, aber er hat auch ein paar Verbündete.

(Foto: 2013 Universum Film GmbH)

Und schon wären wir bei "Machete" angelangt. Denn der Film mit Danny Trejo in der Titelrolle basiert auf einem Trailer, den es in Rodriguez' "Grindhouse"-Beitrag "Planet Terror" zu sehen gibt. Dieses Spiel mit Querverweisen ist typisch für Tarantino und Rodriguez - und ihre Fans lieben diese Insidergags sowieso. Kein Wunder also, dass der erste "Machete"-Teil so erfolgreich war, dass nun die Fortsetzung ins Kino kommt.

"Machete Kills" macht generell das, was der erste Teil bereits gezeigt hat: Der Titelfigur, einem ehemaligen mexikanischen Bundesagenten, wird übel mitgespielt, woraufhin er sich - bewaffnet mit dem Buschmesser, das ihm seinen Spitznamen gibt - auf die Suche nach den Schuldigen macht. Auf dass Gerechtigkeit herrsche!

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Mel Gibson spielt Waffenproduzent Voz.

(Foto: 2013 Universum Film GmbH)

In diesem Fall verfolgt Machete Waffenhändler und Gangster, die seine Partnerin Sartana Rivera (Jessica Biel) erledigt haben. Im Auftrag des US-Präsidenten (Charlie Sheen spielt unter seinem Geburtsnamen Carlos Estévez mit) nimmt Machete daraufhin Marcos Mendez (Demián Bichir) ins Visier, einen durchgeknallten Mexikaner, der Washington D.C. mit einer Atomrakete auslöschen will. Er kann ihn zwar festnehmen, doch nur Waffenproduzent Voz (Mel Gibson) kann die Bombe entschärfen. Also machen sich Machete und Mendez auf den Weg zurück in die USA, verfolgt von einem ganzen Haufen übler Bösewichter (u.a. Sofía Vergara, Lady Gaga, Walt Goggins, Antonio Banderas, Cuba Gooding Jr., William Sadler, Marko Zaror).

Story und Besetzungsliste zeigen bereist die Stoßrichtung: "Machete Kills" ist Trash pur, mit einem Schuss Ironie. Nach Sinn und Logik darf man da nicht suchen, Fragen nach Moral oder politischer Korrektheit haben hier nichts verloren. Das Frauenbild etwa beschränkt sich auf große Brüste mit Knarren. Es geht um pure Unterhaltung, um "Cartoons für Erwachsene", wie es Danny Trejo im Gespräch mit n-tv.de formulierte. Road Runner und Coyote sind ja schließlich auch keine Chorknaben.

"United fucking States"

Entsprechend blutig sind viele Szenen - im Vergleich zum ersten Teil wurde das Schlachtfest noch einmal ausgebaut: Köpfe fliegen durch die Luft, Körper werden gespalten und man kann sich vorstellen, was passiert, wenn ein Darm in die Rotorblätter eines Hubschraubers gerät. Wer schwache Nerven hat, sollte den Film lieber meiden.

Daneben gibt es aber auch ein paar gelungene Gags und Anspielungen. Da wäre etwa Charlie Sheen als Präsident der (Achtung, O-Ton!) "United fucking States", der gern noch weitere "groovy vier Jahre" im Amt bleiben würde. Die Zukunftstechnologien von Luther Voz wiederum erinnern frappant an "Star Wars" und Stanley Kubricks "Dr. Strange" kommt auch noch zu Ehren. Hinzu gesellen sich schräge Gestalten wie der Killer Cameleón, der seine Gestalt wandelt und entsprechend von mehreren Schauspielern verkörpert wird. Die prägnanten Sprüche von Machete setzen dem absurden Theater dann nur noch die Krone auf: "Machete macht keine Witze!"

Nein, Witze macht er tatsächlich nicht. Er macht das, was er immer gemacht hat. Und das sollten die Zuschauer auch wissen, denn die Kombination aus skurrilen Figuren, Sprüchen und Gewaltszenen gab es bereits im ersten Teil. Die Fortsetzung kann dem ein paar Variationen hinzufügen, seine ironische Klasse erreicht sie nicht. Wurde da noch die US-Einwanderungspolitik beißend karikiert, gerät "Machete Kills" zu oft zur bloßen Aneinanderreihung von Witzen, Gewalt und Sex. Wer damit klarkommt, wer den ersten Teil mochte, wird auch am zweiten Teil ohne Zweifel Spaß haben. Alle anderen werden sich fragen, wieso solche Filme mittlerweile als Kinoevent gefeiert werden.

Und sie werden sich diese Frage auch beim dritten Teil stellen, so er denn realisiert wird. Der Tradition der Reihe entsprechend gibt es bereits einen Teaser, der "Machete Kills" vorangestellt ist. Demnach schwingt Machete demnächst ein Laserschwert im Weltall. Der passende Titel: "Machete Kills Again … in Space".

"Machete Kills" startet am 19. Dezember in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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