Kino

Drew Barrymore & Adam Sandler Anti-Barbie und Anti-Ken sind "Urlaubsreif"

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Eine Familie zum Verlieben.

dpa

Vollkommen überdreht, voller Klischees, und doch ist "Urlaubsreif" voller normaler Menschen und echter Geschichten. Mag das an Drew Barrymore und Adam Sandler liegen, die die am wenigsten hollywoodesken Schauspieler aller Zeiten sind?

Blind Date: Es geht in die Hose, Frust, also weiterhin allein die jeweiligen Kinder erziehen, dann große Verwechslungs-Aktion, plötzlich ein gemeinsamer Urlaub, erst Ablehnung, dann Verständnis, es kommt Sympathie hinzu und am Ende knistert's sogar.

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Er braucht Tampons für seine Tochter, sie ein Centerfold für ihren Sohn.

(Foto: dpa)

Kitschig? Vorhersehbar? Nicht real? Ja, ja und nein. Denn dass Menschen aufeinander treffen, die offensichtlich auf der Suche nach einem Partner sind und bei denen erst einmal alles schiefläuft, ist tatsächlich oft so, an vielen Stellen peinlich, auch kitschig, aber eben auch wahr und schön. Klar, "Urlaubsreif" ist eine Klamotte, aber eine herrliche, und früher durften sich Doris Day und Rock Hudson oder Cary Grant und Audrey Hepburn auch auf die komischsten Zufälle, die das Leben so zu bieten hatte, einlassen. Warum nicht in die jetzige Zeit versetzen, dachte sich Regisseur Frank Coraci und heuerte seine Lieblingsdarsteller an, mit denen er schon "Eine Hochzeit zum Verlieben" drehte und große Erfolge feierte.

Dass Drew Barrymore und Adam Sandler sich echt sympathisch sind, sah man auf den ersten Blick und wurde im Laufe des Gesprächs im Hotel Adlon immer klarer. Die beiden sind Freunde, finden den jeweiligen Partner des anderen toll, haben Kinder, und wirken ganz weit weg von Hollywood-Klischees. "Hast du einen Anzug dabei für heute Abend?" fragt Drew Barrymore Adam Sandler. "Nein, wozu?" "Ich mag es wenn du Anzüge trägst, nie trägst du Anzüge! Du hast gesagt, dass du einen mitnehmen würdest", so Drew weiter. "Das hab' ich nur gesagt, damit du mich nicht vor dem Abflug nervst mit der Frage: Hast du auch einen Anzug dabei?" lacht Sandler, und Barrymore lacht schließlich auch, vor allem als er ihr erklärt, dass er immerhin eine weiße Jacke dabei hat. Wie ein altes Ehepaar, denkt man, aber wahrscheinlich witziger.

Normal ist das neue Glamourös

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Beste Freunde - auch, wenn er keinen Anzug anzieht!

(Foto: imago/Future Image)

Lässiger kann man nicht sein: Beide wirken nicht gerade wie Ken und Barbie, sie sind weder übertrieben durchtrainiert noch frisiert noch exaltiert - und das ist wahnsinnig beruhigend, erfrischend, sympathisch. So, wie die beiden im Film miteinander sprechen, und der ist geprägt von jugendlichem Wortwitz über erzieherische Strenge bis hin zu "explicit words", an denen keine Eltern halbwüchsiger Kinder mehr vorbei kommen, läuft auch ihre Konversation außerhalb des Sets. "Sie sind aber eine progressive Mutter, sie kaufen ihrem 'Masturbator' ein Pornoheft", sagt Adam Sandler im Film. "Zum Glück habe ich zwei Töchter, keine Ahnung, was ich tun würde", kichert Barrymore im Adlon.

Und damit zur Handlung: Lauren hat zwei Söhne und einen Ex-Mann, der nicht zuverlässig ist. Ihre Söhne tanzen ihr auf der Nase herum, bis sie diesen bombastischen Urlaub in Afrika anschleppt. Jim hat drei Töchter und ist Witwer. Die Mädchen erzieht er sehr "boyish", aber da die Kinder noch in ihrer Trauer gefangen sind, lassen sie Daddy vieles durchgehen. Auch er überrascht seine Mädels mit diesem Traumurlaub, an den er durch einen Zufall gekommen ist, und die Dinge nehmen im Ferien-Resort ihren Lauf.

Lachen und Weinen

Sehr schöne Ideen hat Regisseur Coraci da verwirklicht, auch in musikalischer Hinsicht: Es gibt Szenen, die einem die Tränen in die Augen treiben, sowohl vor Lachen als auch vor Weinen, aber die Balance zwischen Komik und Problemgespräch wird wacker gehalten. "Das ist ein großes Thema", findet auch Drew Barrymore,  "die Balance zwischen lachen und weinen im Leben zu halten. Nicht ganz einfach, aber machbar."

Hat sie einen Tipp? "Man kann es nicht perfekt machen, aber man sollte aufeinander acht geben", resumiert die frischgebackene Mutter, die erst im April ihre zweite Tochter zur Welt brachte und anscheinend nicht zu den ätherischen Hollywood-Geschöpfen gehört, die eine Woche später wieder - schlanker als je zuvor - in Dessous über einen Laufsteg wackeln würden.

Im Film finden sich vor Ort in Afrika natürlich alle erstmal doof, aber der Wunsch nach Perfektion, und der ist anscheinend noch immer "Mama, Papa, Kind", egal wie die Konstellation dann aussieht, ist so groß, dass alle Seiten gewillt sind, sich auf Dinge einzulassen, die man sich bis dahin nicht vorstellen wollte.

Für die Fans ist das der beste "Sandler-Barrymore-Film" ever - für alle anderen ist es ein wirklich lustiger Sommer-Streifen an einem Gewitter-Abend.

Quelle: n-tv.de

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