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"Immer Ärger mit 40"Bekloppter Titel, super Film

15.03.2013, 11:11 Uhr
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Geburtstag feiern - nur schön bis 38? (Foto: dpa)

"Mach' dir nichts draus, 40 ist das neue 30", sagen die Freunde, die noch drei Jahre von der bösen Vier entfernt sind, und grinsen. Sie wissen nicht, wie anstrengend es ist, sich mit der Wahrheit auseinanderzusetzen. Für Debbie und Pete fühlt es sich auf jeden Fall nach Midlife-Crisis an.

Mit 40 könnte man endlich Bundespräsident werden (man sollte allerdings vorher genau checken, wie viel Kohle man sich bei wem und wofür geliehen hat, außerdem sollte man am besten verheiratet sein - wegen der blöden Fragen, die einem gestellt werden, wenn man es nicht ist - und man sollte keine zu junge Blondine an der Seite haben, die sich schnell langweilt und Designer-Kleider-Anziehen hinterher eventuell als Last empfinden könnte). Mit 40 kann man zunehmen und es auf die Hormone schieben, man darf öfter recht haben (Stichwort Lebenserfahrung) und man fängt unbewusst an, sich auf die Rente zu freuen.

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Mutti ist echt schon dünn - aber der Personal Trainer (Jason Segel) wird noch mehr rausholen!! (Foto: dpa)

Mit 40 ist man dem Wahnsinn allerdings auch so nah wie selten, mit 40 denkt man sich: "Mist, die Hälfte ist rum" und es wird einem klar, dass man höchstwahrscheinlich keinen neuen Beruf mehr erlernen wird und auch für Kinder, falls noch nicht vorhanden, wird's enger. Falls Kinder vorhanden sind, muss man sich unter Umständen anhören, dass Papa ein alter Knacker ist, der keine Ahnung hat und dass Mamas Schwärmerei für den toten Michael Hutchence langsam peinlich wird, vor allem, wenn sie ein INXS-Konzert-T-Shirt von 1987 trägt. Drogen mit 40 haben in etwa denselben Effekt auf einen wie mit 15 - man verträgt nix und kichert albern - dafür weiß man im Bett ganz genau, was geht und was gar nicht.

40 - die neue 30? Naja, dann doch lieber gleich 50, da sind ein paar Themen einfach schon wirklich geklärt. Egal, wir müssen da durch, und Pete und Debbie eben auch. Das Ehepaar hat verschiedene Strategien, mit dem Thema umzugehen: Er verdrängt in Form von wie Männer das eben so machen - nicht nachdenken, Motorrad fahren, mit den Kumpels einen trinken, Sport und so weiter - sie hat das Wort "Vierzig" einfach aus ihrem Sprachschatz gestrichen. Es findet nicht statt, diese Frau bleibt für immer 38. So ähnlich hat auch Coco Chanel es schon gehalten: "Eine Frau kann mit 19 entzückend, mit 29 hinreißend sein, aber erst mit 39 ist sie absolut unwiderstehlich. Und älter als 39 wird keine Frau, die einmal unwiderstehlich war!" Dass das schade ist, dass, wenn wir nicht älter werden, wir ja tot wären - das ist nur ein schwacher Trost für diejenigen, die die Vierziger-Panik schieben.

Wie im richtigen Leben

Debbie (Leslie Mann) und Pete (Paul Rudd) lassen uns eindrucksvoll, ungekünstelt und vor allem witzig an ihrem Kampf mit dem bevorstehenden Ereignis teilhaben. Der Film unter der Regie von Judd Apatow (verheiratet mit der Hauptdarstellerin) zeigt Momente im Familienleben, in denen ein/e ähnlich alte/r Betrachter/in, sich oft und gerne wieder erkennen wird. Hilfe, was sagt das über einen selbst nur aus? Paul Rudd: "Ich kenne Sie ja nicht, deswegen weiß ich natürlich auch nicht, wie verrückt Sie sind und wie verrückt es in Ihrem Leben zugeht", und gerade als man tief einatmet und ansetzt "ach" zu sagen, wirft Leslie Mann ein: "Na und wenn schon!" Diese Szenen sind so realistisch, dass es manchmal echt zum Heulen ist - überwiegend aber zum Brüllen komisch. Das sagt Apatow auch: "Mich haben hinterher viele, denen ich den Film gezeigt habe, gefragt, ob ich eine Kamera in ihrem Haus gehabt hätte, die Szenen wären ihnen so vertraut vorgekommen." Er lacht, dabei gibt er ganz schön viel von sich preis, denn die Kinder, die in "This is 40", so der viel bessere Originaltitel, mitspielen, sind nicht irgendwelche Kinder, es sind seine eigenen. Hat er denn immer einen Notizblock dabei, um sich die besten Sprüche seiner Mädels zu merken und im Film zu verwenden? "Ja, schon, hier, ich notier' manchmal was auf meinen iPhone, es sind einfach wirklich zu gute Ideen, die meine Töchter mir da liefern," zeigt er. Deswegen hat er auch Hunderte von Szenen dem Schnitt opfern müssen, sonst wäre der Film wahrscheinlich 10 Stunden lang geworden. "Ich mag es, wenn die Zuschauer sehen können, dass es bei anderen genauso chaotisch und irre zugeht wie bei ihnen selbst", sagt seine Frau. "Dass es am besten ist, dann über sich selbst zu lachen und nicht immer so zu tun, als ob alles klar ist und man alles im Griff hätte." Sie jedenfalls ist glücklich, dass sie mit ihren Töchtern und ihrem Mann abends am Tisch sitzen und über die Arbeit sprechen kann: Es ist toll, seine Kinder beim Filmen zu beobachten und zu sehen, was sie da lernen."

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Petes Musik-Agentur läuft nicht ganz so rund, wie gewünscht. (Foto: dpa)

Zum Glück haben seine Töchter noch nicht so ganz mitgekriegt, dass ihr Vater akribisch Buch führte über ihr Leben und jede ihrer Äußerungen in seinem Film benutzen könnte. "Das haben sie gar nicht bemerkt, dass ich sie so genau beobachte. Außerdem wandle ich die Szenen doch immer sehr um", gibt er zu, "und wenn sie 18 sind und meckern, stelle ich sie mit einem Scheck ruhig." Er lacht. Langsam versteht man, wie es zu diesem Film kommen konnte ... Seit dem Dreh würden seine Kinder, Maude und Iris, sich sogar besser verstehen, fährt Apatow fort. "Als sie gesehen haben, wie albern es aussieht, wenn sie sich streiten, sind sie viel lieber geworden", so der Regisseur von "Brautalarm" und "Jungfrau (40), männlich, sucht ...". Aber nur witzig finden sie ihren alten Herrn auch nicht: "Alle Kinder finden die Witze ihres Dads nicht komisch!" Erstaunlich lässig geht er mit der Tatsache um, dass Kinder heute eigentlich alles im Fernsehen sehen können, was sie wollen: "Wenn meine Töchter 'Lost' oder 'Breaking Bad' sehen wollen, dann sehen sie es auch, egal, ob wir es ihnen verbieten. Wenn sie es nicht zu Hause sehen, gucken sie es heimlich bei Freunden. Der Trick ist, seine Kinder ernst zu nehmen und mit ihnen im Gespräch zu bleiben, dann kann man auch erklären, wenn sie etwas nicht verstehen oder ein Problem haben. Und wenn meine Große etwas darf, kommt die Kleine sowieso und sagt, warum darf die das und ich nicht, das ist ungerecht!"

Yeah - witzige Frauen!

Und wie ist es, mit der eigenen Frau am Set zu arbeiten, sie in den Armen eines anderen Mannes zu sehen? "Das ist ja nicht das erste Mal", lacht er, "und außerdem mag ich Paul! Es ist sehr lustig, mit Leslie zu arbeiten. Es ist ja nicht sexy, wenn die da im Bett liegen, und wir müssen, ehrlich gesagt, immer aufpassen, dass wir nicht alle lachen! (kurze Pause) Ich gönn' es ihr, dass sie auch mal mit einem anderen Mann rummachen darf!" (lacht) "Ich war außerdem zu busy, Megan Fox am Set zu beobachten. Jeder denkt doch, die ist nur schön, dabei ist sie echt witzig und interessant. Das macht Spaß, jemanden so zu entdecken. Sie steht total auf Astrologie, das können Sie dann auf der DVD sehen, da gibt es ne Menge Extra-Szenen."

Dass es im Leben ähnlich witzig wie im Film zugeht, demonstrieren Apatow, Mann und Rudd während des Interviews vorzüglich, man merkt, dass sie eine Menge Spaß hatten beim Dreh, dass sie sich wirklich gut leiden können und dass sie keine abgehobenen Hollywood-Stars sind, sondern Leute wie du und ich. Wenn auch, und so viel Hollywood muss wohl sein, Frau Mann eine extreme Gerte ist. Irgendwelche Tipps zur Kindererziehung? Paul Rudd: "Bedingungslose Liebe. Meine Kinder sind drei und acht Jahre alt, und ich will ihnen mitgeben, dass, egal , was sie anstellen, ich für sie da bin." Und Leslie, die Mutter und Kollegin am Set? "Ich habe sowieso immer das Gefühl, alles falsch zu machen. Was dabei allerdings herauskommt, wirkt ganz ordentlich auf mich. Ich wundere mich jeden Tag", so die tatsächlich gerade noch 40-Jährige, die offenherzig über ihren runden Geburtstag spricht: "Ich war mit Freundinnen auf Hawaii, wir waren auch in einer Stripper-Show. Da haben wir viel Tequila getrunken, an der Stange getanzt - oh my God, ich hatte am nächsten Tag überall blaue Flecken!" Und wie ist es jetzt mit 40? "Klar, da kommen die Falten und die grauen Haare, aber insgesamt finde ich mich besser als mit 20 oder 30. In meinen Zwanzigern fühlte ich mich oft einsam und verloren, und in den Dreißigern war ich wie besessen von meinen Kindern. Jetzt bin ich ruhiger (zögert), ein bisschen ruhiger" (lacht).

In bed with Jeff Goldblum

Wie waren die Sex-Szenen im Film für sie? "Sex-Szenen? Wir hatten Sex-Szenen?" Leslie Mann prustet los und Paul Rudd konstatiert: "Die hat sie ausgeblendet! Das macht sie immer!" Wieder Gekicher. Mrs. Mann könnte man übrigens ewig zuhören, denn wenn man sich erstmal an ihre - sagen wir mal - sehr amerikanisch klingende Stimme gewöhnt hat, will man nichts anderes mehr - man möchte auch unbedingt wissen, wie es mit Jeff Goldblum im Bett war, denn sie fängt an aus dem Nähkästchen zu plaudern: "Mit Jeff? Oh my God, es war so komisch, er hatte gerade eine Rücken-OP hinter sich und machte ständig so wolllüstige Geräusche (macht Brunftgeräusche) , das kannte ich gar nicht (kicher)."

Guter Extra-Effekt des Films: Die Frauen kommen extrem witzig weg. Eine der lustigsten Szenen kommt ganz am Schluss des tatsächlich zwei Stunden langen Films, dem man ewig weiter zugucken könnte: Melissa McCarthy hält einen Monolog, bei dem die Filmcrew vor Lachen zusammengebrochen ist. "Ja, man hat mir oft vorgeworfen, ich wäre in meinen letzten Filmen zu sexistisch gewesen", sagt Apatow, "das wollte ich dieses Mal unbedingt vermeiden!"

Mit Judd Apatow, Leslie Mann und Paul Rudd sprach Sabine Oelmann

Der Film "Immer Ärger mit 40" startet am 14. März in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de