Kino

Julia Roberts überzeugt "Ben is back" - aber nur Mama freut sich

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Kann sie ihm vertrauen?

(Foto: dpa)

Was macht es mit einer Mutter, mit einer Familie, wenn ein Kind Drogen nimmt? Wie hält man den Rest zusammen? Wie bleibt man seinem Kind gegenüber loyal, wenn alles zerbricht? Julia Roberts ist die Mutter von Ben - dem Typen, der einfach alles versaut hat, was geht.

Da steht er, vor der Tür, schüchtern, fragend: Darf ich reinkommen? Und was macht sie, die Mutter? Sie nimmt ihn in die Arme, natürlich, sie kann nicht anders. Wider besseres Wissen lässt sie den Jungen, ihren Jungen, in ihr Leben eintauchen, in das ihrer anderen Kinder, in das ihres Mannes, der nicht der Vater von Ben ist.

Ben hat so viel Scheiße gebaut, dass es für mehrere Leben reichen würde, dennoch kann Holly (Julia Roberts) ihn nicht fallen lassen. Wie auch? Er beteuert, dass er seine Fehler bereut, dass er gelernt hat und dass er "sowas" nie wieder tun wird! Sie glaubt ihm. Nein, sie will ihm glauben, nur zu gerne. Tief in ihrem Innern weiß sie, dass es nicht klappen wird, genauso wie Bens große Schwester es weiß, sein Stiefvater es weiß. Einzig seine kleinen Geschwister treten ihm unvoreingenommen gegegnüber. Aber auch das hilft nicht wirklich. Ben will in der Gegenwart leben, aber die Vergangenheit holt ihn ein, zieht ihn zurück. Die dunklen Dämonen sind überall, die Frage, ob er - als Dealer - schuld ist am Tod eines Mädchens, lässt ihn nicht los, und die Sucht, die ihn zu dem hat werden lassen, der er nun ist, die ist nach einem Jahr Therapie auch nicht weg. Sie ist nicht kuriert, nein, sie lauert nur ein paar Ecken weiter, und sobald es geht, schlägt sie wieder zu, erbarmungslos.

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Julia Roberts jüngst bei den Golden Globes - in Hose und Rock-Umhang von Stella McCartney.

(Foto: imago/Future Image)

Julias Roberts spielt diese Holly Burns, hin- und hergerissen zwischen Liebe und Verantwortungsgefühl, Vernunft und Glauben, mit großer Intensität. So, wie man es von ihr gewohnt ist. Als ihr 19-jähriger Sohn Ben brilliert Lucas Hedges. Als er ausgerechnet an Heiligabend unverhofft vor der Tür steht, möchten wir, die Zuschauer, nur zu gerne glauben, genauso wie die vierfache Mutter Holly, dass ihr Ältester sein Drogenproblem endlich im Griff hat. Deutlich spüren wir die Zweifel, die Holly hin- und herreißen, die Zweifel, die vor allem Bens Schwester Ivy (Kathryn Newton) und Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) skeptisch bleiben lassen. Hat er die Familie nicht schon oft genug ins Chaos gestürzt?

In den nun folgenden 24 Stunden versucht Holly alles, um ihre Familie zusammenzuhalten und Ben vor sich selbst zu schützen - und findet dabei mehr über sein Leben heraus, als ihr lieb ist.

Regisseur Peter Hedges, der schon die Drehbücher zu "Gilbert Grape - irgendwo in Iowa" und "About a Boy" schrieb, schildert in "Ben is back" das packende Drama einer Mutter, die sich aufopferungsvoll für ihren Sohn einsetzt. Beim Festival in Toronto von der Kritik gefeiert, lebt die aufwühlende Story vor allem von der grandiosen Julia Roberts. Lucas Hedges, das sei noch erwähnt, ist der Sohn von Regisseur Peter Hedges und Hollywoods aktuell wohl angesagtester Nachwuchs-Star: Er wurde bereits für seine Leistung in "Manchester by the Sea" mit einer Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller honoriert.

"Ben is Back" läuft ab dem 10. Januar in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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