Kino

"To The Wonder" Ben liebt Olga - aber wie lange?

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Sie tanzt - mal wieder. Hätte Malick vielleicht lieber einen Ballettfilm machen sollen?

Ben Affleck, Oscar-Gewinner und Star aus bisher eher handfesten Filmen, wird von Terrence Malick an der Seite der ätherisch-schönen Olga Kurylenko einmal quer über den Ozean geschickt, um uns zu zeigen, dass das Wunder der Liebe ein wahrlich zartes Pflänzchen ist. Ein schöner, aber auch ein schräger Film.

Dieser Rausch! Diese Verwirrung der Hormone! Man kann nichts dagegen machen. Man möchte dieses Gefühl festhalten, denn es verfliegt, wie wir wissen. Alle Verliebten werden das verneinen, sagen, dass es bei "uns ganz anders ist und sein wird als bei allen anderen und als jemals zuvor". Und doch wird es so sein, die Gewöhnung tritt ein, der erste Streit, das erste Nicht-Verstehen, das Erkennen, dass der andere auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut ist, mit Fehlern und Makeln. Kann man tatsächlich nichts dagegen machen, dass dieser göttliche Zustand zwischen Himmel und Erde verfliegt?

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Sie sind so schön - aber auch so langweilig.

Regisseur Terrence Malick lässt uns am Weg des wunderschönen und doch eigenartigen Paares Ben Affleck und Olga Kurylenko teilhaben. Er schickt uns mit ihnen von Paris über die Normandie in die USA, auf eine Entdeckungstour zu den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Miteinanders. Der Regisseur ist ein wahrer Künstler, keine Frage, er ist ein Visionär. Seine Bilder sind wie Träume, man kann sie fast fühlen.

Auf jeden Fall kann man fühlen, dass das multikulturelle Paar Neill und Marina - er US-Amerikaner, sie ukrainisch-stämmige Französin - die Liebe leben möchte. Das zeigt Malick in fantastischen Bildern, mit einer Musik zum Dahinschmelzen, mit Darstellern, so schön, mit Texten aus dem Off, so poetisch und klug, dass es eine reine Freude ist. Das geht gut, so lange die beiden in Paris sind, dann auf dem Mont St. Michel, diesem Weltwunder, dieser Insel der Gezeiten, die das Kommen und Gehen so symbolhaft aufzeigt, dass es fast schon weh tut. Und dann reist das Paar ab, nach Amerika. Immer dabei ist Marinas kleine Tochter aus einer früheren Beziehung, wie modern.

Eine zähe Suppe aus Langeweile

Doch war das alte Europa das Sinnbild für die Liebe und das Unerklärliche, entwickelt sich Amerika zum Gleichnis für Langeweile und überwiegend Unausgesprochenes. In dem kleinen Ort, in dem das Paar dann jedoch wohnt, ein Ort wie am Reißbrett gezeichnet  - morgens verlassen die Männer ihn, um zur Arbeit zu fahren, abends kommen sie zurück, während ihre Frauen im Supermarkt das Grillfleisch für den Abend gekauft haben - gießt sich die Langeweile über die Liebenden wie eine zähe Suppe, die auch noch lauwarm ist. Der Zuschauer wird zappelig auf dem Sitz, denn er fragt sich: Warum sprechen die nicht miteinander, warum gehen sie nicht fort? Sie waren in Paris, was wollen sie nun in diesem nichtssagenden Kaff?

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Rachel McAdams hat in diesem Film auch nicht viel zu sagen.

Immer wenn Marina nicht spricht, tanzt sie. Okay, das sieht ganz süß aus, ist das jetzt typisch ukrainisch? Oder französisch? Keine Ahnung. Herr Malick hat ganz sicher ein Händchen für Frauen, schon immer gehabt, aber plötzlich springt das Rehäugige, das Olga Kurylenko die ganze Zeit ausgezeichnet hat, ins Kuhäugige um, warum ist sie so stumm, so doof, warum tanzt sie nur noch? Und warum wird die Ruhe, die Ben Affleck in Paris noch ausgestrahlt hat, zu kompletter Blutleere? Ist der Alltag wirklich so grausam, dass er seine Protagonisten zu Marionetten macht? Man fragt sich dann schon, wie kann es so weit kommen - ohne dass an dieser Stelle verraten werden soll, wie weit.

Als Rachel McAdams dann auftaucht, die alte Jugendliebe Neills, scheint das Blatt sich zu wenden, sie redet ein bisschen mehr. Und auch von Javier Bardem als frustiertem Priester wollen wir eine Menge erwarten - jedoch, da können wir lange warten. Ja, es ist schön, dabei zuzusehen, wie Paare sich ohne viele Worte verstehen, das ist wohl das Wunder der Liebe, wenn zwei Menschen einfach nur die Nähe des anderen suchen und schon eine kleine Berührung ausdrückt, was da zwischen ihnen ist. Man kann spüren, dass alle Beteiligten immer mehr wollen - am Ende jedoch müssen sie an ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Genau so wie der Regisseur.

Als Zuschauer wartet man eigentlich die ganze Zeit darauf, dass der Film endlich losgeht. Vielleicht sollte man lieber rausgehen, sich selbst verlieben, tanzen und auch ein bisschen reden.

Quelle: ntv.de

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