Kino

Hysterie um den "Lone Ranger" Berlin lacht über Johnny Depp

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Zum Scherzen aufgelegt: Johnny Depp bei der Deutschlandpremiere von "Lone Ranger" in Berlin.

(Foto: dpa)

Eigentlich wird der Titelheld in "Lone Ranger" ja von Armie Hammer gespielt. Der ist gerade auch in Berlin - aber wen interessiert's? Zu Füßen liegt die Hauptstadt nur einem: Hammers Filmpartner Johnny Depp. Auch wenn er eine Wassermelone ist.

Den Schlapphut hat er zu Hause gelassen. Aber die bläulich getönte Brille, die ist Pflicht. Rund 150 Journalisten harren im Berliner Nobel-Hotel Adlon geduldig aus, bis Johnny Depp mit knapp 45 Minuten Verspätung endlich auf das Podium zur Pressekonferenz steigt. Und nicht nur er. Mit dabei sind auch Regisseur Gore Verbinski, Produzent Jerry Bruckheimer sowie Depps Schauspiel-Kollegen Armie Hammer und Ruth Wilson.

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Gute Freunde: Jerry Bruckheimer und Depp am 24. Juni 2013 bei der Verleihung eines Sterns an den Produzenten auf dem "Walk Of Fame" in Hollywood.

(Foto: John Shearer/Invision/AP)

Kurzum: Es ist ein wahres Star-Ensemble, das sich da in der deutschen Hauptstadt zur Bewerbung des Disney-Streifens "Lone Ranger" zusammengefunden hat. Die Blockbuster, für die Bruckheimer schon verantwortlich gezeichnet hat, lassen sich kaum noch zählen - von "Flashdance" und "Top Gun" bis "Black Hawk Down" und "King Arthur". Und natürlich die "Fluch der Karibik"-Reihe. Mit ihr ist auch Verbinski bis in die Haarspitzen verbunden, saß er doch bei den ersten drei Abenteuern von Jack Sparrow im Regiestuhl. Von Johnny Depps immerwährender Beziehung zu dem durchgeknallten Piratenkapitän mal ganz zu schweigen.

Hammer und Wilson haben zwar tatsächlich noch nicht ganz so viel Filmerfahrung auf dem Kerbholz wie dieses verflucht-karibische Dreigestirn, dennoch ist ihre Rolle hier auf dem Podium reichlich undankbar. Würde nicht Moderator Steven Gätjen, sonst vor allem als Stefan Raabs Haus-und-Hof-Ansager bekannt, sie ab und an ins Gespräch einbinden, sie kämen gar nicht zu Wort. Denn schon für Bruckheimer und Verbinski interessieren sich im Adlon vielleicht gerade mal ein, zwei Journalisten. Alle anderen wollen nur einen hören: Mister Johnny Depp.

"Mir fehlt jetzt ein Bereich des Gehirns"

"Mein Vater ist ein Stierkämpfer", offenbart Depp erstaunliche Geheimnisse, als er gebeten wird, doch mal etwas auf Deutsch zu sagen. Und: "Ich bin eine Wassermelone." Die Lacher hat er damit natürlich sofort auf seiner Seite. Auch als er erklärt, dass "Hello" nun mal nicht sein Favorit sei, wenn es darum ginge, ein paar Dinge in einer anderen Sprache zu lernen.

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Indianer statt Pirat: Depp als "Tonto".

(Foto: picture alliance / dpa)

Ohnehin punktet der Schauspieler nahezu durchgängig mit Witz und Ironie. Nachdem er anfangs noch verhalten wirkt und mit der Hand vor dem Mund ins Mikro nuschelt, taut er nach und nach auf. Was denn die Schwierigkeiten beim Reiten seien, will ein Medienvertreter von ihm wissen. "Eine Schwierigkeit ist das Herunterfallen", antwortet Depp. "Sitzen zu bleiben dagegen ist toll", fährt er fort, um kurz darauf einzuschränken: "Auch der Abschnitt des Herunterfliegens ist für einen Moment okay." Manch einer und vor allem manch eine im Saal könnte ihm vermutlich noch Stunden weiter zuhören, wie er über das Reiten kalauert, ehe er zu dem Schluss kommt: "Mir fehlt jetzt ein Bereich des Gehirns."

Vor zehn Tagen ist Depp 50 geworden. Und wenn man genau hinsieht, dann kann auch der scheinbar ewige Berufsjugendliche sein Alter nicht gänzlich verbergen. Mit dem Älterwerden hätte er allerdings gar kein Problem, verriet er kürzlich in einem Interview. Und solange er seinen Humor nicht verliert, gibt es ja auch keinen Grund dafür. Dementsprechend schiebt der Schauspieler auf die Frage nach seinem besonderen Verhältnis zu Bruckheimer auch schon den nächsten Gag nach. "Es gibt Produzenten und Produzenten. Manche nennen sich Produzenten, obwohl sie nicht mal einen englischen Muffin produzieren könnten."

Von Sparrow zu Tonto

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Hunderte Fans warteten in Berlin geduldig auf ihr Idol.

(Foto: AP)

Doch Depp kann nicht nur herumalbern. Wenn es um etwas geht, dass ihm wichtig ist, wird er durchaus auch mal ernst. Zum Beispiel bei der Frage nach den US-amerikanischen Ureinwohnern, hierzulande auch Indianer genannt. Dass er sich für deren Schicksal und Lage in den heutigen USA interessiere, hänge nicht unbedingt damit zusammen, dass er selbst indianische Vorfahren hatte, erklärt der Schauspieler. Vielmehr sei das eine "Leidenschaft", die ihn umtreibe. Etwas, dass ihm "sehr am Herzen liege". Auch wenn "Lone Ranger" ein komödiantischer Western ist, könne man damit vielleicht ein klitzekleines bisschen dazu beitragen, die Fehler im Umgang mit der Geschichte der USA zu korrigieren.

Tatsächlich schlüpft Depp in "Lone Ranger" nicht das erste Mal in die Rolle eines Indianers. Das tat er auch schon mal bei seinem Regiedebüt "The Brave" 1997, in Form eines Dramas. Sein Tonto, der dem von Hammer gespielten Lone Ranger mit der Maske zur Seite steht, ist indes ein reichlich schrulliger Kauz. Parallelen zu Jack Sparrow, die viele ziehen, will Depp gleichwohl nicht erkennen. "In allen Charakteren steckt etwas von mir", räumt er ein. Dennoch könnten Sparrow und Tonto nicht unterschiedlicher für ihn sein. Während der Pirat stets umtriebig und hinterlistig sei, sei sein Tonto ein "Beobachter", der niemanden manipulieren müsse.

Ähnlichkeiten oder Unterschiede hin oder her - anders als "Fluch der Karibik" ist "Lone Ranger" an den US-Kinokassen gefloppt. Den Grund dafür sucht Depp insbesondere bei den Kritikern in seiner Heimat. Die seien schon eine "besondere Spezies", erklärt er. Da sei ihm die Meinung seiner Kinder zu seinen Filmen schon wichtiger. Und vielleicht ja auch die der Journalisten hier im Adlon, die er weiterhin mit Scherzen bei Laune hält. Ob er denn bei seiner Vorbereitung auf die Rolle wie Tonto mit einem toten Vogel auf dem Kopf durch die Gegend gelaufen sei, will jemand wissen. "Eine zu persönliche Frage", gibt Depp schelmisch zurück.

Dabei fragt ihn keiner nach wirklich persönlichen Dingen. Schließlich ist er in Berlin nicht nur mit dem Privatjet und seinen beiden Kindern eingetroffen. Auch seine neue Freundin, die 23 Jahre jüngere Schauspiel-Kollegin Amber Heard, hat er ganz offiziell mitgebracht. Doch mit Fragen nach seinem Liebesleben will Depp offenbar niemand verärgern. Wozu auch? Ob Single oder nicht - ein ausgiebiges Kreischkonzert sollte ihn bei der Premiere von "Lone Ranger" am Freitagabend am Potsdamer Platz ohnehin erwarten.

In den deutschen Kinos ist "Lone Ranger" regulär ab dem 8. August 2013 zu sehen.

Quelle: ntv.de