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Femme Fatale = Lady Gaga Britney Spears - Auf geht's! Zugestiegen!

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Popprinzessin war gestern: Britney Spears.

Photo: Randee St Nicholas

Knapp zweieinhalb Jahre sind seit dem letzten Album von Britney Spears vergangen. Nun legt die einstige Popprinzessin ihr neues Werk vor. Auch wenn es "Femme Fatale" heißt, steckt darin doch ganz viel Lady Gaga.

Die Diven sterben aus, heißt es. Zumindest beim Film. Als Liz Taylor vor wenigen Tagen für immer ihre "Samtaugen" schloss, war das überall zu lesen. In der Musik hingegen gibt es sie noch. Jedenfalls als Begriff. "Popdiva", so werden gerne Mariah Carey oder Whitney Houston genannt. Und natürlich Madonna. Aber auch ihre Epigonen, mögen sie noch so jung sein, bekommen dieses Etikett gerne verpasst: Popdiva Christina Aguilera, Popdiva Lady Gaga, Popdiva Rihanna. Und natürlich Britney Spears, die 1999 mit "… Baby One More Time" als erste des Madonna-Nachwuchses den Grundstein für ihren Popdiva-Status legte.

Ja, lange Zeit galt Britney gar als die Popprinzessin - im Wartestand, um die gealterte Queen of Pop irgendwann einmal zu beerben. Doch ein bisschen ist es wie bei den Windsors. Wie Queen Elizabeth mag Madonna nicht so wirklich freiwillig abtreten. Und wie Charles scheint Britney Spears einfach nicht für den Thron geschaffen zu sein.

Vollweib statt Lolita

Natürlich könnte man meinen, dass Britneys Skandale und Skandälchen wie die Faust aufs Auge ins Diven-Schema passen - ihre 55-Stunden-Ehe mit Jugendfreund Jason Alexander, ihre gescheiterte Ehe mit Hansdampf Kevin Federline, ihre Kahlrasur, ihre Entmündigung und ihr Moppel-Auftritt bei den MTV Awards 2007. Doch anders als bei den alten Filmdiven hat dieser extraordinäre Lebenswandel bei ihr so gar nichts Geheimnisvolles und  Anziehendes an sich. Stattdessen wirkt es - vermutlich auf Grund der fortwährenden Begleitung und Sichtbarmachung all dieser Aussetzer durch die heutigen Massenmedien - eher peinlich, prollig und bemitleidenswert.

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In Bed with Britney.

Den Makel wird die Sängerin nicht mehr richtig los. Ihre Zeiten - Spears wird in diesem Jahr 30 - als Oops-Schnuckelchen sind definitiv vorbei. Ihr gestrenger Blick auf der Booklet-Rückseite ihrer neuen CD "Femme Fatale" hat dann auch eher den Charme von Chucky, der Mörderpuppe als den des Schulmädchens, das sie früher in ihren Videos gab. Und wer sich den Clip zu der ersten Single aus dem Album, "Hold It Against Me", ansieht, wird trotz der vielen, schnellen Schnitte erkennen, dass Spears dem ganz realen Vollweib deutlich näher ist als irgendwelchen Lolita-Phantasien.

Nein, das ist klar, Britney Spears hat nicht die Disziplin einer Madonna. Sie wird sich nicht bis ins Oma-Alter täglich stundenlang im Fitnessstudio quälen und auf ein paar Leinsamen herum kauen. Menschlich gesehen kann man das - die verknöcherte und auf ihrem Thron klebende 52-jährige "Queen of Pop" vor Augen - nur gut heißen. Doch mit Blick auf die Karriere von Spears bedeutet es, dass sie den Posten der Popprinzessin inzwischen abgetreten hat - an Lady Gaga, die zwar von Natur aus mit weniger Attraktivität gesegnet ist, dafür jedoch schindert wie ein Ackergaul, um sich ihren Platz in der Ahnengalerie des Popadels zu sichern.

Der Takt, nach dem Spears tanzt

Man mag dies als oberflächliche und chauvinistische Betrachtungsweise abtun. Der Witz ist nur, dass sich das Ganze in der Musik fortsetzt. Man kann Madonna mögen oder nicht, unbestritten dürfte jedoch sein, dass sie stets ein gutes Näschen für neu aufkommende Sounds hatte. Was Britney Spears indes auf "Femme Fatale" abliefert, ist trotz eines Komponisten- und Produzentenstabs in geschätzter Heeresgröße in ihrem Rücken ungefähr so innovativ wie Leinsamen. Stattdessen scheinen Lady Gaga und David Guetta aus so gut wie jedem Song zu uns herüber zu winken.

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Warum so ernst, Frau Spears?

Besonders schlimm oder außergewöhnlich ist auch das nicht, denn zahlreiche Produktionen in diesen Tagen - wie zum Beispiel das jüngste Album von Rihanna - lassen eine ähnliche musikalische Orientierung erkennen. Nur es zeigt: Die Machtverhältnisse haben sich umgekehrt. Lady Gaga gibt den Takt vor, nach dem Britney Spears tanzt. Dass das Album nun ausgerechnet "Femme Fatale" heißt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, und man ist schon beinahe eher geneigt an eine bewusste Anspielung zu glauben als an einen Zufall.

BamBamBamBaDaDiDamDam

Insgesamt zwölf Songs sind auf "Femme Fatale" zu finden, darunter die nach "Hold It Against Me" zweite Single "Til The World Ends", an der Kesha mitgeschrieben hat und die mit ihren 90er-Jahre-Eurodance-Anklängen einem Captain Hollywood zur Ehre gereichen würde. Auch will.i.am hat mit "Big Fat Bass" einen Song beigesteuert. Der ist ganz im Stil der jüngsten Veröffentlichungen seiner Black Eyed Peas, und niemandem würde es auffallen, wenn Fergie Ferguson statt Britney den Gesangspart übernehmen würde.

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Das Album "Femme Fatale" ist ab sofort erhältlich.

Drei Songs auf dem Album fallen ein wenig aus der Reihe: "Trip To Your Heart" und "Criminal", weil sie so etwas wie Balladen sind. Und "How I Roll", an dem unter anderem Nicole Morier mitgearbeitet hat, die auch zu den Autoren von Lenas Song-Contest-Titel "Taken By A Stranger" zählt. Der Song groovt mit einem ungewöhnlichen Mix von Klavierklängen bis zu Mund-Plopp-Geräuschen so gut vor sich hin, dass man sogar das "BamBamBamBaDaDiDamDam" im Text verzeiht.

Einige Journalisten-Kollegen haben die Musik auf "Femme Fatale" bereits als Kirmes-Techno charakterisiert. Keine Frage: Man bekommt direkt Lust, mal wieder aufs Volksfest zu gehen. Und nach der Ansage "Auf geht's! Zugestiegen!" geht es zu Britney Spears im Autoscooter auf Kollisionskurs.

Quelle: n-tv.de

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